35.CSR-MAGAZIN Lieferkette Topnews

Digitale Ansätze für eine transparente Lieferkette

Adeolu Eletu auf Unsplash

Komplexität und Nachhaltigkeit managen. Ein Beitrag für das 35. CSR MAGAZIN

Mit der wachsenden globalen Verflechtung von Unternehmen geht deren größer werdender Verantwortungsraum für ökologische, soziale wie menschenrechtliche Auswirkungen einher, die in Verbindung mit ihren Tätigkeiten stehen. Transparenz, Nachvollziehbarkeit und die Einhaltung von Normen sind Forderungen, die Investoren, Verbraucher, Aufsichtsbehörden sowie Umwelt- und Menschenrechtsgruppen in Form von unternehmerischen Sorgfaltspflichten an Unternehmen verlangen – im Zusammenhang mit der Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien.

Von Frank Ebinger

Entsprechend entstehen weltweit gerade in Rekordzeit neue Standards und gesetzliche Regelungen zur unternehmerischen Verantwortung, die menschenrechtliche Sorgfaltspflichten, den Klimaschutz oder auch die Einführung einer Kreislaufwirtschaft adressieren. Nicht nur in Deutschland wird über ein Sorgfaltspflichtengesetz debattiert. Wie kürzlich eine Studie für die EU-Kommission mit dem Titel “Developments in due diligence“ zeigt, steht diese Entwicklung in einer Linie mit einem global zu beobachten Trend.

Lieferketten im Wettbewerb

Diese Forderungen treffen auf eine Komplexität heutiger Wertschöpfungsketten, die das Ergebnis jahrzehntelang zunehmender globaler Verflechtung sind. Der in den letzten Jahrzehnten anwachsende Outsourcing-Trend, bei dem Unternehmen verstärkt in Schwellenländern produzieren lassen, hat zu einer Verflechtung und einem Wettbewerb geführt, der inzwischen nicht mehr zwischen einzelnen Unternehmen ausgetragen wird, sondern zwischen ganzen Lieferketten. Komplexe Wertschöpfungsketten erstrecken sich über vielzählige Wertschöpfungsstufen und Tausende von Lieferanten. Bei der Herstellung ihrer Produkte beziehen Unternehmen Rohstoffe, Teile, Komponenten, Module und Materialien aus Hunderten von Ländern auf der ganzen Welt, die unter einer Vielzahl ökologischer, sozialer und politischer Kontexte hergestellt wurden. Daneben erhöhen kurze Produktlebenszyklen und eine zunehmende technologische Entwicklung die Risiken und Unsicherheiten in globalen Wertschöpfungsketten zusätzlich.

Digitalisierung als Antwort auf Komplexität

Diese enorme Komplexität von Wertschöpfungsketten stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Meist liegen Risiken und Probleme in der Tiefe der Wertschöpfungskette verborgen. Um diesen Herausforderungen begegnen zu können, werden in digitalen Ansätzen große Chancen für mehr Transparenz und Kontrolle und eine differenzierte Aufbereitung und Verwertung großer Datenmengen gesehen. Viele Diskussionen um Digitalisierung und die damit verknüpften Potentiale versprechen, dass künftig Informationen teilbar und auf Knopfdruck verfügbar sein könnten. Es könne eine Transparenz geschaffen werden, die zum Nutzen aller bei der effizienten Abarbeitung gesellschaftlicher Problemfelder oder unternehmerischer Herausforderungen unterstützt. Hierdurch wird ein dynamisch orientiertes nachhaltiges Wertschöpfungskettenmanagement möglich, das analytische Vergleiche zu Materialien, Branchen, Ländern und Themen zulässt.

Daten und Informationen sind zwar in der Regel in allen Unternehmen der Wertschöpfungskette in enormen Mengen vorhanden. Im Detail ist aber das Daten- und Informationsmanagement nicht so einfach, wie es an verschiedenen Stellen immer wieder suggeriert wird. Digitale Anwendungen stoßen dann auf Grenzen, wenn die Systemkompatibilität oder Datenstruktur nicht gegeben ist. Meist ist eine Fülle von Daten in verschiedenen Formaten und Strukturen vorhanden, die obendrein aus unterschiedlichen Informationssystemen stammen. Noch immer werden sie vielfach manuell erfasst, was einen hohen personellen Aufwand erfordert. Zudem bestehen häufig noch größere Intransparenzen in Wertschöpfungsketten, die davon herrühren, dass Daten von Unterlieferanten nicht vorliegen, da entweder kein direkter Kontakt besteht, diese ihre Daten nicht teilen wollen oder sie einfach nicht digital agieren.


Der weitere Inhalt steht eingeloggten Nutzern zur Verfügung. Werden Sie UVG-Mitglied oder CSR MAGAZIN-Leser, um den Text ganz lesen zu können: https://csr-news.net/news/leserschaft/


Autor

Prof. Dr. Frank Ebinger
hat eine Forschungsprofessur für Nachhaltigkeitsorientiertes Innovations- und Transformationsmanagement an der Technischen Hochschule Nürnberg inne.
frank.ebinger@th-nuernberg.de

Hinterlassen Sie einen Kommentar