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Digitale Inklusion behinderter Menschen: Fragen an André Krause von Telefónica O2 Germany


Monday, April 26th, 2010
Redaktionsmeldung


© image / Bildnachweis

Digitale Inklusion behinderter Menschen: Fragen an André Krause von Telefónica O2 Germany

München > André Krause ist CFO bei Telefónica O2 Germany. Als Mitglied im deutschen Vorstand des zur spanischen Telefónica S.A. gehörenden Telekommunikationskonzerns hat Krause Corporate Responsibility zu seinem Thema gemacht. O2 hat sich die Frage gestellt, welche Produkte und Dienstleistungen die “digitale Inklusion” behinderter Menschen erleichtern. Dazu haben Betroffene und Experten auf der Internetplattform diskutiere.de O2 an ihren Meinungen und Erfahrungen teilnehmen lassen. Über die Ergebnisse dieser Diskussion, die Konsequenzen für die Produktentwicklung im Unternehmen und die Einbindung des Themas in eine umfassende gesellschaftliche Unternehmensverantwortung sprach CSR NEWS mit André Krause:

CSR NEWS: Herr Krause, wie ist O2 auf das Thema “digitale Integration behinderter Menschen” gestoßen?

André Krause: Kein Unternehmen kann sich allen denkbaren Herausforderungen stellen. Deshalb haben wir unser Portfolio näher angesehen und uns gefragt: Zu welchen relevanten Themen können wir einen wichtigen Beitrag leisten? Was kann unsere Rolle in der Gesellschaft sein? Die Themen e-accessibility und e-competence beschäftigen unseren Konzern schon länger. Bei e-competence geht es darum, junge Menschen an die sinnvolle und verantwortungsbewusste Nutzung neuer Medien heranzuführen: Sie sollen sich in der digitalen Gesellschaft zurechtfinden können. Bei e-accessibility sprechen wir über Gruppen, deren Zugang zu modernen Medien erschwert ist, etwa durch Hör- oder Sehbehinderungen. Um hier klare Lösungsansätze zu entwickeln, haben wir dieses Thema gemeinsam mit Betroffenen auf der Internetplattform diskutiere.de evaluiert.

CSR NEWS: Wie hat Ihnen die Diskussion auf diskutiere.de gefallen? Da kamen ja durchaus auch selbstbewusste, kritische Stimmen zu Wort, die faire Tarife für hörgeschädigte Menschen oder Gebärdendolmetscher in der Servicehotline forderten.

André Krause: Ich fand die Diskussion sehr spannend, insbesondere auch den Meinungsaustausch auf der Abschlussveranstaltung Ende März. Da haben sich unterschiedliche Gruppen Betroffener beteiligt und auch Kritik geäußert. Beispielsweise konnten wir einige Anregungen für unseren Internetauftritt mitnehmen. Für mich bringt es viele Aha-Effekte, auf die Betroffenen zu hören. Ich sehe viele neue Ansatzpunkte für die Entwicklung unserer Produkte.

CSR NEWS: e-accessibility stellt sich als Herausforderung bei ganz unterschiedlichen Produkten und Dienstleistungen. Betreiben Sie Ihr Engagement als eine Art ‘Alleinstellungsmerkmal’ oder suchen Sie Kooperationen?

André Krause: Wir wollen Kooperationsmöglichkeiten nutzen und haben uns umgesehen, mit welchen Partnern wir etwas Wichtiges bewegen können: So ist uns früh der Verein Social Affairs e.V. aufgefallen, ein Kompetenz-Netzwerk für Barrierefreiheit in den Medien. Wir sind Kooperationspartner für den von Social Affairs initiierten Dienst VerbaVoice, der die Übertragung des gesprochenen Wortes in Text ermöglicht. Das ist zuerst auf dem Laptop möglich; ab Herbst voraussichtlich auch auf dem Mobiltelefon. Unser Teil dabei ist, dass wir als Trägermedium für die reibungslose Übertragung sorgen. In einer alternden Gesellschaft mit einer wachsenden Zahl hörgeschädigter Menschen werden Dienste wie VerbaVoice immer wichtiger.

CSR NEWS: Nun sind Sie kein Wohlfahrtsverband, sondern ein Unternehmen am Kapitalmarkt. Wie kann es da gelingen, Dienstleistungen und Produkte für eine so spezielle Zielgruppe zu entwickeln und dabei wirtschaftlich erfolgreich zu sein?

André Krause: Es stimmt: Ein Unternehmen wie Telefónica O2 Germany ist eine Massenorganisation. Wir haben alleine in 16 Millionen Kunden. Da kann die Ausrichtung von Produkten auf eine so spezielle Zielgruppe nur gelingen, wenn wir eine hohe Ausschöpfung dieser Zielgruppe erreichen und bei der Werbung Streuverluste vermeiden. Wir wollen mit den Verbänden im Austausch bleiben und mit ihnen gemeinsam Ansatzpunkte für unser Engagement entwickeln. Daneben gibt es einen ‘Abstrahlungseffekt’ auf das soziale Umfeld, indem andere sehen: O2 bietet hilfreiche Produkte für Hörgeschädigte und ist ein kreatives und verantwortungsvolles Unternehmen. Am Ende der Tage sind wir natürlich eine Profit-Organisation und müssen unser Engagement vor unseren Shareholdern rechtfertigen.

CSR NEWS: Womit können behinderte Menschen nach dem Abschluss der öffentlichen Diskussion von Ihnen konkret rechnen?

André Krause: Es gibt für dieses Jahr eine Roadmap zur Entwicklung von Produkten für hörgeschädigte Menschen. Als erstes werden wir mit speziellen Angeboten für diese Kundengruppe an den Start gehen. In einem zweiten Schritt werden wir die Verbreitung der Anwendung VerbaVoice auf dem Handy fördern. Und dann werden wir an weiteren Produktinnovationen arbeiten, dabei mit den Verbänden im Austausch bleiben.

CSR NEWS: Die Entwicklung von Produkten für behinderte Menschen ist eine Sache, die Beschäftigung behinderter Arbeitnehmer im eigenen Unternehmen eine andere. Zahlt O2 eine Ausgleichsabgabe, weil Sie weniger als 5% schwerbehinderte Mitarbeiter beschäftigen?

André Krause: Wir zahlen eine Ausgleichsabgabe, wie übrigens nahezu alle Unternehmen im Dienstleistungssektor. Im Recruiting stellt sich die Herausforderung, eine ausreichende Anzahl schwerbehinderter und qualifizierter Bewerber zu finden. Dazu kooperieren wir mit der Münchener Stiftung Pfennigparade, die uns hilft, solche Bewerber zu finden. Ziel ist es, behinderte Mitarbeiter vollständig in die Teams und Arbeitsprozesse zu integrieren – teilweise mit technischen Hilfsmitteln.

CSR NEWS: Von Ihren Mitarbeitern habe ich gehört: ‘Der Herr Krause setzt sich persönlich engagiert für das Thema Corporate Responsibility ein’. Was motiviert Sie dazu?

André Krause: Als Telekommunikationsunternehmen sind wir in einer Branche tätig, die zur hohen Geschwindigkeit gesellschaftlicher Veränderungen beiträgt. Und Mobiltelefone sind ein Alltagsprodukt in der Mitte unserer Gesellschaft. Wir tragen also eine hohe Verantwortung. Und der wollen wir nicht mit Effekthascherei begegnen, sondern mit gezielten, strategisch verankerten Maßnahmen, die tatsächlich etwas bewirken. Dazu können wir keine Millionen-Budgets einsetzen, aber wir handeln aus innerer Überzeugung und deshalb gezielt und langfristig. Mich persönlich motiviert das Bild vom ‘guten Unternehmer’, das ich von Zuhause aus mitbringe. Und ich habe Spaß am verantwortlichen Gestalten.

CSR NEWS: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Bild: André Krause (Mitte) auf einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Behindertenintegration am 25. März 2010 in München (Stefan Heigl / Telefónica O2 Germany)

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