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Zahl getöteter Umweltaktivisten auf Höchststand

Grabkreuz (Foto: Fey Marin auf Unsplash)

Mindestens 227 Opfer im vergangenen Jahr – Mehrheit in Lateinamerika

Bogotá (AFP) – Die Zahl der rund um den Globus wegen ihres Einsatzes für die Umwelt getöteten Aktivisten ist im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchststand gestiegen. Die Nichtregierungsorganisation Global Witness verzeichnete insgesamt 227 getötete Aktivisten im Jahr 2020, die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen. Die Mehrzahl von ihnen engagierte sich gegen die Abholzung von Wäldern.

Andere Getötete kämpften für den Schutz von Flüssen, Küstengebieten und Ozeanen. Umweltaktivisten, die sich gegen “mächtige Interessen aufgelehnt” hätten, hätten dafür “einen hohen Preis” bezahlt – sie hätten “ihre Freiheit, ihren Lebensunterhalt und sogar ihr Leben verloren”, beklagte Global Witness.

Fast drei Viertel der tödlichen Angriffe auf Umweltaktivisten verzeichnete Global Witness in Lateinamerika: Insgesamt wurden von dort 165 Morde gemeldet. Global Witness geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Die tatsächliche Zahl liege “mit ziemlicher Sicherheit” noch höher.

Kolumbien führte mit 65 Verbrechensopfern die Liste an – wie schon im Jahr davor, als weltweit 212 Aktivisten getötet wurden. Hinter Kolumbien lag 2020 Mexiko mit 30 Todesfällen, gefolgt von den Philippinen (29) Brasilien (20) und Honduras (17).

Ein Drittel der Opfer waren dem Bericht zufolge Indigene. Auch die Aktivistin Celia Umenza, die sich im Südwesten Kolumbiens gegen den Bergbau und den Zuckerrohranbau einsetzt, ist bereits Opfer von Gewalt geworden. Sie habe drei Angriffe überlebt, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. “Wir sind Indigene, wir wissen, dass nur die Umwelt uns erhalten kann.”

Viele Aktivisten wurden laut dem Bericht auch Opfer von Übergriffen, die darauf abzielten, sie zum Schweigen zu bringen: Todesdrohungen, Überwachung, sexuelle Gewalt und Festnahmen. Repressive Regierungen hätten zudem die Corona-Pandemie “genutzt, um gegenüber der Zivilgesellschaft hart durchzugreifen, während Unternehmen ihre zerstörerischen Projekte vorantrieben”.

In Ländern mit reichen natürlichen Ressourcen könnten Konzerne “beinahe völlig straffrei” agieren, kritisierte Global Witness. “Viele Unternehmen verfolgen ein extraktives Wirtschaftsmodell, bei dem der Profit Vorrang vor Schäden für Mensch und Umwelt hat”, heißt es in dem Bericht.


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