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Pariser Startup setzt auf Stopfleber aus dem Labor

Aufnahme aus der Stopfleberrecherche von Animal Equality Germany e.V., CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

Unternehmen sammelt 8,5 Millionen Euro von Investoren ein

Paris (AFP) – In Frankreich gilt Stopfleber als Delikatesse – zugleich wird das Gericht immer wieder von Tierschutzaktivisten kritisiert. Das Pariser Unternehmen Gourmey stellt sich daher die Frage: Kann aus Entenzellen gezüchtete Stopfleber einen Platz auf den Tellern von Gourmet-Liebhabern finden?

8,5 Millionen Euro investierten europäische und US-Unternehmer diesen Monat in Gourmey. Das Ziel: die Herstellung von Stopfleber im Labor. Einer der drei Gourmey-Gründer, Nicolas Morin-Forest, erklärt, das Unternehmen wolle zeigen, dass gezüchtetes Fleisch nicht nur für Burger sondern auch in der Gastronomie genutzt werden kann. Es handele sich bei Stopfleber um ein “kontroverses Produkt, das sich selbst neu erfinden muss”.

Gourmey verbrachte die vergangenen zwei Jahre damit, ein Verfahren zur Züchtung von Lebern zu entwickeln, die bei Köchen und Food-Fans gut ankommen. Zu den Gründern gehören auch Antoine Davydoff, ein Zellbiologe, und Victor Sayous, ein Doktorand in Molekularbiologie. Mittlerweile beschäftigen sie gut 20 Angestellte.

“In Sachen Geschmack und Konsistenz sind wir zu 90 Prozent am Ziel,” sagt Sayous. Zum letzten Weihnachtsessen habe er die künstliche Stopfleber und herkömmliche Leber seiner Familie vorgesetzt. Einige hätten den Unterschied gar nicht bemerkt.

Zur Herstellung verwendet Gourmey die Zellen befruchteter Enteneier, die das Startup dann in einem Aluminium-Kultivator platzieren. Dort schwimmen die Zellen in einer Nährstofflösung, die bei 37 Grad Celsius gehalten wird. Während sich die Zellen teilen und vermehren, werden die Nährstoffe angepasst, um das Wachstum der Leberzellen zu fördern. Nach zwei bis drei Wochen ist das Produkt fertig. Mit Hilfe von Pflanzenfett wird schließlich die cremige Konsistenz der Leber erreicht.

Auch Köche haben Gourmey bei der Verbesserung der Ergebnisse geholfen. “Wir haben über 600 Versuche gebraucht,” erklärte Morin-Forest. “Wir haben nun ein Rezept das ziemlich gut ist, auch wenn es noch nicht perfekt ist.”

Mit den jüngsten Investitionen will das Unternehmen nun in einen 1000 Quadratmeter großen Standort im Zentrum von Paris umziehen. Neben Stopfleber plant das Startup auch Hühner- und Truthahn-Fleisch züchten.

Zunächst braucht Gourmey aber die Zulassung der Gesundheitsbehörden für seine Stopfleber. Zuerst soll das Produkt in den USA und in Asien verkauft werden, wo die Gourmey-Gründer mit fortschrittlicheren Bestimmungen rechnen.

Die besonders im Südwesten von Frankreich bekannte Stopfleber wird hergestellt, indem Enten oder auch Gänse mit Hilfe eines Schlauchs im Hals zwangsgefüttert werden. Kritiker verurteilen die Technik als unnötig grausam und Stress erzeugend.

Laut Umweltaktivisten verbraucht die Fleischproduktion zudem zu viel Wasser und Energie, während große Mengen Methan freigesetzt werden. Morin-Forest erläutert, die konventionellen Methoden zur Fleischproduktion würden angesichts der steigenden Weltbevölkerung “nicht ausreichen.”


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