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Regierung startet Zukunftsprogramm für Fahrzeugindustrie

Joenomias auf pixabay.com

Daimler erwägt zügigen Abschied vom Verbrennungsmotor

Berlin (AFP) – Die Bundesregierung startet ihr milliardenschweres Programm “Zukunftsinvestitionen in der Fahrzeugindustrie”. Vorgesehen seien vier neue Förderrichtlinien für die Jahre 2021 bis 2024 im Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Euro, wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Freitag in Berlin bekanntgab. Unterstützt werden sollen besonders die Digitalisierung und der Umstieg auf klimafreundliche Antriebstechnik.

Das Programm war im Grundsatz im vergangenen Sommer beschlossen worden, auch wurden laut Wirtschaftsministerium 2020 bereits für erste Projekte 44 Millionen Euro gezahlt. “Mit dem neuen Förderprogramm geben wir einen milliardenschweren Investitionsimpuls für Fahrzeughersteller und Zulieferer. Damit machen wir den Automobilstandort Deutschland fit für die Zukunft und sichern gute Arbeitsplätze und digitales Know-How”, erklärte dazu nun Altmaier. 600 Millionen Euro sollen demnach im laufenden Jahr fließen.

Gefördert werden Investitionen in neue Anlagen zur Modernisierung der Produktion, Forschung und Entwicklung für wettbewerbsfähige und innovative Produkte in den Bereichen autonomes Fahren, alternative Antriebe und neue Mobilitätskonzepte, außerdem die Entwicklung regionaler Innovationscluster. Ein Teil der Programme soll auch der Bahnindustrie zugutekommen.

Die Förderrichtlinien sollen nun im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. In einigen Wochen sollen dann Anträge gestellt werden können. Hinzukommen soll ein mit einer Milliarde Euro ausgestatteter Zukunftsfonds Automobilindustrie, an dessen Ausgestaltung aber noch gearbeitet werde.

Zum Thema Elektromobilität gab es laut Wirtschaftsministerium an diesem Freitag einen Meinungsaustausch zwischen Altmaier und Vertretern der Automobil- und der Energiewirtschaft sowie  Verbraucherschützern. Dabei ging es demnach vor allem um die Frage, wie einerseits der Hochlauf der E-Mobilität gewährleistet und gleichzeitig die Netzstabilität sichergestellt werden könne.

Der US-Autobauer Ford will seine Pkw-Palette in Europa bis 2030 komplett auf Elektroantrieb umstellen und modernisiert dafür sein Kölner Werk mit Rekordinvestitionen. Ford kündigte am Mittwoch an, den Standort für eine Milliarde Dollar – umgerechnet etwa 830 Millionen Euro – zu seinem europäischen “Zentrum für Elektromobilität” auszubauen. Der Betriebsrat in Deutschland fürchtet einem Bericht zufolge Arbeitsplatzverluste durch den Umbau am Europa-Hauptsitz von Ford in Köln.

“Das Ford Cologne Electrification Center wird unsere künftigen Elektrofahrzeuge für Kunden in ganz Europa entwickeln und fertigen”, erklärte der Präsident von Ford in Europa, Stuart Rowley. Er betonte, der “Wettlauf zur Elektrifizierung” des Kontinents sei “in vollem Gange”. Nach Konzernangaben soll gleichzeitig zu den geplanten Zukunftsinvestitionen in Köln “das Engagement in dafür weniger entscheidende Bereiche reduziert” werden.

2023 soll demnach im Kölner Ford-Werk “das erste batterie-elektrische Volumenmodell” für den europäischen Markt vom Band rollen. Die Produktion eines zweiten Vollstromers an dem Standort werde geprüft. Ford arbeitet bei der Entwicklung mit dem Volkswagen-Konzern zusammen und bedient sich dessen Baukasten-Plattform MEB für seine E-Autos. Auf dieser Grundlage will Ford nach eigenen Angaben insgesamt rund 600.000 Fahrzeuge in Europa bauen.

Der Automobilkonzern Daimler erwägt, sich bei Pkw schneller von Diesel- und Benzinmotoren zu verabschieden als bislang geplant. Wie das Düsseldorfer “Handelsblatt” am Freitag berichtete, werden derzeit im Vorstand Szenarien durchgespielt, wonach Mercedes-Pkw ab 2030 nur noch mit Elektromotoren angeboten würden. Die nächste Generation der S-Klasse könnte demnach sogar bereits 2028 nur noch mit E-Antrieb auf den Markt kommen.

Endgültige Entscheidungen gibt es dazu laut “Handelsblatt” aber bislang noch nicht. Bislang sieht die Strategie von Daimler vor, den Konzern bis 2039 klimaneutral zu machen. Nun könnte dem Bericht zufolge allerdings bereits die ab 2024 vorgesehene Kompaktwagenplattform MMA die letzte sein, auf der Mercedes noch in hohen Stückzahlen Pkw mit Benzin- und Dieselmotoren baut.

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