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„Unsere Sourcingmaßnahme heißt Konzentration“

Rabea Schafrick und Mathias Diestelmann (Bildmitte -Foto: Brands Fashion GmbH)

Mathias Diestelmann und Rabea Schafrick von Brands Fashion im Interview für das 35. CSR MAGAZIN.

Velbert (csr-magazin) – Mathias Diestelmann ist Geschäftsführer von Brands Fashion, Rabea Schafrick leitet das Nachhaltigkeitsmanagement des Unternehmens. Beide kennen die Situation ihrer Zulieferer in Asien gut. Für das CSR MAGAZIN sprach Achim Halfmann mit ihnen.

CSR MAGAZIN: Corona hat den Textilsektor hart getroffen …

Mathias Diestelmann: Die Nachfrage im B2C ist deutlich zurückgegangen. In den letzten Wochen und Monaten sind daher deutlich weniger Massen geordert worden. Das ist ein Aspekt, dem ich auch etwas Positives abgewinnen kann: Jeder Deutsche kauft ca. 60 Kleidungsstücke pro Jahr, das macht insgesamt ca. fünf Mrd. Kleidungsstücke. Davon wandern fünf bis zehn Prozent ungetragen in den Müll. Ich sehe die aktuelle Situation somit auch als Chance, nachhaltiger zu produzieren und auf Qualität anstatt auf Masse zu setzen.

Als Brands Fashion bieten wir in erster Linie Berufstextilien  ̶ überwiegend Bekleidung, vereinzelt Accessoires -̶  im B2B für den Lebensmittelsektor, Bau und Handel. Hinzu kommen Merchandising-Artikel für Fußballvereine und für NGOs. Auch bei uns sind Ordern verschoben worden und wir haben Produkte zunächst in dem eigenen Lager gehalten. Größere Auftragsstornierungen haben wir allerdings nicht erlebt und konnten somit Aufträge in Fernost aufrechterhalten.

Welche Herausforderungen stellen sich in Ihren Lieferketten angesichts COVID 19?

Mathias Diestelmann: Wir sourcen überwiegend in Fernost  ̶  Indien, Bangladesch, Pakistan, China, Indonesien  ̶ und zu einem kleinen Teil in der Türkei. Mit unserer Lieferkette beschäftigen wir uns tiefgehend und wir wissen, wo und von wem wir etwas kaufen. In Indien kennen wir jeden Akteur der Kette  ̶ vom Baumwollfeld bis zum finalen Produkt. Unsere Sourcing-Maßnahme heißt Konzentration: Wir sind sehr lieferantentreu, anders können wir Nachhaltigkeit nicht garantieren.

Durch die Reisebeschränkungen aufgrund von COVID 19 können wir jetzt nicht mehr selbst vor Ort sein, sondern sind auf Partner angewiesen. In Bangladesch und China unterhalten wir eigene Büros mit eigenen Mitarbeitern. In anderen Ländern sind wir auf externe Partner angewiesen, die auf soziale und ökologische Grundlagen der Produktion achten. Das betrifft z.B. auch die Schutzmaßnahmen in der Pandemie-Situation: Wir fordern solche Maßnahmen ein, deren Umsetzung wird uns per Video zeigen lassen, selbst vor Ort sein können wir derzeit nicht.

Rabea Schafrick: Aufgrund der Pandemie wurden Fabriken geschlossen und dann langsam wieder geöffnet. Die von uns herausgegebenen Empfehlungen beziehen sich auf Hygienemaßnahmen und das Social Distancing am Arbeitsplatz. Uns haben Beschwerden erreicht, dass Sicherheitsmaßnahmen nicht eingehalten oder Gehaltsbestandteile nicht ausgezahlt wurden. Solche Vorwürfe lassen wir umgehend von unseren Teams vor Ort prüfen.

Mathias Diestelmann: Eine Herausforderung bleibt der Weg zur Arbeit; da werden die Arbeiterinnen und Arbeiter in Bussen auf engstem Raum zusammengedrängt. Zudem sind die sanitären Verhältnisse in vielen Wohngebieten prekär. Und zahlreiche Arbeiter leben in großen Wohnheimen.


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