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Risiken in der Lieferkette erkennen

Denys Nevozhai auf Unsplash

CSR Risiko-Check blickt auf Menschenrechte und Ökologie. Ein Beitrag für das 35. CSR MAGAZIN

Berlin (csr-news) – Einige Unternehmen mit internationalen Lieferketten haben die Frage, ob sie durch Covid-19 große Probleme in Bezug auf ihre Lieferanten hatten, verneint. Der Grund dafür ist in der Regel, dass sich diese Unternehmen seit längerem intensiv mit ihren Lieferketten, ihren Lieferanten und den damit verbundenen Risiken auseinandersetzen. Ein hilfreiches Toolist hierbei der CSR Risiko-Check von MVO Nederland, dessen deutsche Version von MVO Nederland, UPJ und dem Helpdesk Wirtschaft und Menschenrechte der Bundesregierung umgesetzt wird.

Von Caroline Zamor

  • Die CSR-Risikomanagement-Roadmap
  • Einen Überblick gewinnen: CSR-Risiken identifizieren, abbilden und bewerten
  • Ins Handeln kommen: priorisieren und Maßnahmen entwickeln
  • Transparenz herstellen: kommunizieren und Verantwortung übernehmen

Schauen wir zuerst auf die Gründe, warum Unternehmen sich mit ihren CSR-Risiken beschäftigen sollten. Unternehmen haben zahlreiche Anspruchsgruppen (Stakeholder) aus Umfeld von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, die dies vermehrt verlangen.

Die Bundesregierung hat mit dem Nationalen Aktionsplan (NAP) Wirtschaft und Menschenrechte ihre Forderungen an Unternehmen formuliert: die Durchsetzung von Menschenrechten, Sozialstandards sowie Transparenz in internationalen Lieferketten. Auch im Programm der deutschen EU-Ratspräsidentschaft spielen nachhaltige Lieferketten eine Rolle.

Nach den – eher durchwachsenen – Ergebnissen des NAP-Monitoring kündigten am 14. Juli 2020 Bundesentwicklungsminister Müller (CSU) und Bundesarbeitsminister Heil (SPD) an, ein Lieferkettengesetz auf den Weg zu bringen. Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern sollen danach aufzeichnen, wie sie menschenrechtlichen Risiken in ihren Lieferketten begegnen. Das Gesetz wird von mehr als 100 Organisationen, 200.000 Bürgern und 40 Unternehmen im Rahmen der „Initiative Lieferkettengesetz“ unterstützt.

Rechtliche Verpflichtungen zu mehr Transparenz über Corporate Social Responsibility gibt es bereits heute. Das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz verpflichtet deutsche Unternehmen zu Transparenz und in Ländern wie Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden sind seit längerem Gesetze zur Einhaltung von sozialen Sorgfaltspflichten in Kraft.

Neben der aktuellen politischen Diskussion und den rechtlichen Verpflichtungen sind es Kunden (insbesondere im B2B-Bereich), Investoren wie Banken, Gesellschafter etc. und die Zivilgesellschaft, die Nachweise für Risikomanagementsysteme und eine regelmäßige Berichterstattung zu Nachhaltigkeit einfordern.

Unternehmen reagieren jedoch nicht alleinig auf den Druck von außen, sondern begegnen CSR-Risiken proaktiv und verstehen dies als übergreifendes Risikomanagement. Denn durch das Ignorieren ökologischer und sozialer Risiken kann nicht nur die Reputation, sondern auch das Geschäftsmodell an sich betroffen sein.

Ein gut aufgestelltes CSR-Risikomanagement – also der iterative und kontinuierliche Prozess, Risiken in der eigenen Lieferkette zu identifizieren und diese mit geeigneten Maßnahmen zu vermeiden und zu reduzieren – ist hier das Mittel der Wahl. Es geht um die potenziellen und tatsächlichen Risiken negativer Auswirkungen des Wirtschaftens auf Interessengruppen und die Umwelt. Mögliche positive „Nebeneffekte“ des CSR-Risikomanagements sind z.B. qualitativ bessere Produkte, effizientere Produktionsprozesse und Reputationsvorteile. Diese entstehen durch ein besseres Verständnis der eigenen Geschäftsprozesse und der Wertschöpfungskette.

Die CSR-Risikomanagement-Roadmap

Der CSR Risiko-Check bietet als zusätzliches Angebot eine-Risikomanagement-Roadmap, mit der Unternehmen den Prozess strukturieren können. Die notwendigen Prozessschritte der CSR-Risikomanagement-Roadmap sind nicht als starre Abfolge, sondern als ein kontinuierlicher Prozess zu verstehen. Die Schritte stehen im Einklang mit internationalen Richtlinien, wie z.B. den VN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, den ILO-Kernarbeitsnormen und den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen. Nicht jedes Unternehmen muss alle Schritte nacheinander durchlaufen, um ein robustes CSR-Risikomanagement aufbauen und durchführen zu können.

Der CSR Risiko-Check fokussiert auf die Identifizierung von CSR-Risiken. Die vollständige CSR-Risikomanagement-Roadmap des CSR Risiko-Checks kann auf der Website des CSR Risiko-Checks heruntergeladen werden (unter „CSR-Risikomanagement“).

Für die Identifizierung der potenziellen und tatsächlichen CSR-Risiken müssen Sie Ihre Lieferkette abbilden, indem Sie Produkte, Lieferländer und Lieferanten identifizieren. Wenn Sie sehr viele Produkte und Lieferanten und somit Lieferketten haben, kann es sinnvoll sein mit Ihren wichtigsten Lieferanten (strategische Lieferanten) und wichtigsten Produkten zu beginnen oder Lieferanten-, Produkt- oder Kundengruppen zu erstellen.

Einen Überblick gewinnen: CSR-Risiken identifizieren, abbilden und bewerten

CSR-Risiken in Ihrer Lieferkette hängen mit der Art des Produkts, dem Ursprungsland und den Merkmalen der Lieferanten zusammen.

Es ist sinnvoll, diese Informationen über Länder, Produkte und Lieferanten in einer Risikotabelle zusammenzufassen und die Lieferanten und Produkte in den Kategorien „niedriges CSR-Risiko“, „mittleres CSR-Risiko“ und „hohes CSR-Risiko“ zu bewerten. Diese Risikobewertung hilft Ihnen später bei der Identifizierung und Priorisierung von Risiken. In der CSR-Risikomanagement-Roadmap des CSR Risiko-Checks finden Sie ein Beispiel für eine solche Tabelle.

Zum einen gibt es allgemeine CSR-Risiken, die Ihre Produkte bzw. Dienstleistungen oder die Länder, aus denen Sie importieren, betreffen. Diese Risiken können z.B. die Versammlungsfreiheit im Land oder gefährliche Produktionsprozesse für das Produkt betreffen. Daneben gibt es potenzielle CSR-Risiken, die speziell Ihre Lieferanten betreffen. Dazu gehören z.B. marode Gebäude oder fehlende Managementsysteme. Quellen für die Ermittlung dieser CSR-Risiken sind u.a. eigene Erfahrungen, Auditberichte und direkte Stakeholder-Konsultationen.

Um die länder- und produktspezifischen CSR-Risiken für Ihre Lieferkette zu identifizieren, ist der kostenfreie CSR Risiko-Check ein hilfreiches Tool. Nach wenigen Eingaben in einen kurzen Online-Fragebogen erfahren Unternehmen, welche produkt- und/oder länderspezifischen Risiken ihre Geschäftstätigkeit beeinflussen können und mit welchen Herausforderungen Sie sich auseinandersetzen müssen. Zusätzlich erhalten Sie Empfehlungen, wie diese Risiken begrenzt oder vermieden werden können.

Was der CSR Risiko-Check bietet

  • Mehr als 5.000 CSR-Risiken und Empfehlungen zu 22 CSR-Themen – im Einklang mit internationalen Standards wie den OECD-Leitsätzen und den VN-Leitprinzipien für Wirtschaft & Menschenrechte
  • Abdeckung aller Länder weltweit und Produkte/Dienstleistungen
  • Verwendete Quellen: mehr als 2.500 Berichte und Websites
  • Kostenlose, unbegrenzte Downloads von produkt- und/oder länderspezifischen CSR-Risiko-Berichten
  • Kontinuierlich aktualisierte Datenbank
  • interaktive Weltkarte

Welche CSR-Risiken werden betrachtet?

  • Faire Geschäftspraktiken
  • Menschenrechte & Ethik
  • Arbeitsrechte
  • Umweltthemen

Ins Handeln kommen: priorisieren und Maßnahmen entwickeln

Nach der Identifizierung der CSR-Risiken müssen Sie diese priorisieren. Hier bieten die Leitprinzipien der Vereinten Nationen Kriterien für die objektive Klassifizierung von (Menschenrechts-) Risiken, auf deren Grundlage Sie Risiken priorisieren sollten VN-Leitprinzipien Nr. 14 & 24).

Entsprechend Ihrer Priorisierung können nun konkrete Maßnahmen entwickelt werden. Bei der Entwicklung von Maßnahmen sollten Sie immer zwei Ziele verfolgen:

  1. Reduktion oder Kompensation der tatsächlichen negativen Auswirkungen;
  2. Prävention oder Verringerung des Risikos negativer Auswirkungen.

Achten Sie bei der Maßnahmenentwicklung darauf, dass Sie alle wichtigen Akteure einbeziehen und die Maßnahmen so weit wie möglich in die vorhandenen Prozesse eingebunden werden. Wichtig ist auch, dass Sie einen Beschwerdemechanismus umsetzen.

Die Maßnahmen und Prozesse, die Sie aufsetzen, müssen wie bei allen Managementprozessen regelmäßig bewertet und überprüft werden. Erkenntnisse sollen nicht Selbstzweck oder eine vermeintliche Absicherung gegenüber kritischen Nachfragen sein, sondern tatsächlich Hinweise für Verbesserungen darstellen. Prüfen Sie regelmäßig, ob die Maßnahmen auf die beiden oben genannten Ziele einzahlen.

Transparenz herstellen: kommunizieren und Verantwortung übernehmen

Ein zentrales Ergebnis von CSR-Risikomanagement ist Transparenz: sowohl die eigene Transparenz über das, was in den Lieferketten passiert, als auch die Transparenz nach außen darüber wie Sie damit konkret umgehen. Nutzen Sie Ihre Kommunikationskanäle, um intern und extern mit allen relevanten Stakeholdern im Dialog zu bleiben und sie darüber zu informieren, dass und auch vor allem, wie Sie Verantwortung übernehmen. Es ist ebenfalls wichtig, dass die Geschäftsleitung sich öffentlich zur Verantwortung zur Achtung der Menschenrechte und Umwelt bekennt.

Ein gutes CSR-Risikomanagement aufzubauen ist für viele Unternehmen eine große Herausforderung. Häufig gibt es Berührungsängste mit dem Thema, der Anfang fällt schwer oder es erscheint zu komplex.

Gehen Sie den ersten Schritt und fangen Sie an sich mit den Themen auseinanderzusetzen. Es wird Risiken oder kritische Themen geben, bei denen Ihr Einfluss gering bis nicht vorhanden ist und Sie die Situation nicht verbessern können. Seien Sie auch hier transparent.

Caroline Zamor
ist Projektmanagerin bei UPJ | Netzwerk für Corporate Citizenship und CSR und verantwortet bei UPJ den CSR Risiko-Check.
caroline.zamor@upj.de

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