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Digitale Zugänge in Corona-Zeiten

Sustify

Schulungen in der Lieferkette via Tablet: Das Interview mit Sonja Westphal für das 35. CSR MAGAZIN

Berlin (csr-news) – 2018 gründete Sonja Westphal in Berlin das Unternehmen Sustify mit einem fünfköpfigen Team. Mit digitalen Medien lassen sich Mitarbeiter in Zulieferbetrieben weltweit schulen. Sustify bietet mit dieser Idee gerade in Pandemie-Zeiten ein interessantes Angebot.

  • Was gab den Ausschlag für die Gründung von Sustify?
  • Ein solcher innovativer Ansatz wird einiges an Herausforderungen mit sich bringen.
  • Ihr Schulungstool ist für den Einsatz in der Textilindustrie konzipiert? Oder lässt es sich auch in anderen Branchen anwenden?
  • Wie sehen die digitalen Trainings ganz praktisch aus?
  • Welche Inhalte lassen sich durch diese digitalen Trainings vermitteln?
  • Digitale Technologien ermöglichen eine umfassende Datenanalyse. Wie gehen Sie damit in Ihren Schulungsprogrammen um?

Das Gespräch führte Achim Halfmann.

CSR MAGAZIN: Frau Westphal, was gab den Ausschlag für die Gründung von Sustify?

Sonja Westphal: Auf meinen Reisen nach Asien habe ich gesehen, wie es dort in produzierenden Betrieben ausschaut. Ich habe Flüsse gesehen, die aufgrund des schwimmenden Abfalls kaum noch als solche zu erkennen waren. In Indien etwa erleben Sie einen großen Kontrast zwischen den schönen Stränden in Goa und den müllbelasteten Slums in Mumbai. Bei uns in Deutschland gelten hohe Umwelt- und Produktionsstandards und wir haben einen großen Teil der Produktion für unsere Märkte ins Ausland verlagert.

In Asien habe ich auch solche Fabriken kennengelernt, in denen deutsche Unternehmen Verantwortung für ihre ausgelagerte Produktion übernehmen. Allerdings fehlt es häufig an einer Messbarkeit der Investitionen in die Nachhaltigkeit. Die Unterschrift unter einen Code of Conduct oder ein jährlicher Besuch sind schön – aber kein Grant für das, was tatsächlich in der Produktion geschieht.

So kam ich zu den Themen „Digitalität“ und „Trainings in der Lieferkette“. Digitale Trainings haben manche Vorteile, wenn es um die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeit in Lieferketten geht: Mitarbeitende erleben unmittelbar, was in ihren Unternehmen geschieht. Und digitale Zugänge zu ihnen bleiben selbst in Zeiten des Corona-Lockdowns erhalten. Bei digitalen Schulungen lässt sich auch aus Deutschland nachvollziehen, wer teilgenommen hat und wie erfolgreich ein Schulungsprogramm verlief. Das ist sonst bei Mitarbeiterschulungen nicht einfach, denn die beauftragenden Firmen sitzen in Deutschland und die Schulungen geschehen weit entfernt.

Ein solcher innovativer Ansatz wird einiges an Herausforderungen mit sich bringen.

Anfangs habe ich nebenbei an dem Konzept gearbeitet und schnell gemerkt: Nebenbei geht das nicht. 2018 gründete ich das Unternehmen Sustify und jetzt geht es mit voller Kraft vorwärts.

Wir verfolgen einen Bootstrapping-Ansatz, der ohne externe Gründungsfinanzierung auskommt, und steigen deshalb so schnell wie möglich in das operative Geschäft ein. Wir haben nun die Proof of Concept-Phase hinter uns gelassen. In zahlreichen Iterationen und User Tests konnte das Produkt immer weiter verbessert werden, so dass wir nun bereit sind, auch in andere Länder und Industrien zu skalieren.

Bisher gibt es wenig Erfahrungen mit bildungsfernen Zielgruppen in Asien. Was bedeutet es etwa, wenn ein Analphabet ein Tablet nutzt? Wie erklärt man die Bedeutung von Symbolen? Zudem gibt es auch ‚digitale Analphabeten‘: In China nutzen inzwischen viele Menschen ein Smartphone, in Indien sieht das aber noch anders aus. Unsere Trainings berücksichtigen die verschiedenen Ausgangssituationen, denn wir wollen inklusiv arbeiten und niemanden ausschließen.


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