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Zero Waste: Weniger ist im Meer

Brian Yurasits auf Unsplash

Plastikmüllvermeidung und die Verbraucher. Ein Beitrag von Daniel Silberhorn für das 35. CSR MAGAZIN

Eine Folge der Corona-Pandemie: In den Mülltonnen landet mehr Plastikmüll. Der Grüne Punkt berichtete im Juni 2020 von deutschlandweit etwa 10 Prozent mehr Verpackungen insbesondere durch Gesichtsmasken, To-Go-Mahlzeiten oder Einmalhandschuhe. Das zeigt sich besonders in den Großstädten. Für die Stadt Frankfurt bestätigte der lokale Müllentsorger FES für März und April 2020 etwa elf Prozent mehr Verpackungsmüll. Das sind knapp 290 Tonnen mehr. Dabei ist das Problem, was mit dem preisgünstigen und flexiblen Material Plastik nach seiner Nutzung geschieht, bekanntermaßen auch ohne COVID19 bereits groß genug.

Von Daniel Silberhorn

Die Deutschen produzierten schon vor der Corona-Krise so viel Verpackungsmüll wie nie zuvor. Das Umweltbundesamt hatte im November 2019 entsprechende Zahlen für das Jahr 2017 vermeldet: 18,7 Millionen Tonnen – eine Steigerung um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. 47 Prozent der Verpackungen fielen in den privaten Haushalten an. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Jahresverbrauch hierzulande auf 25,4 Kilogramm pro Kopf verdoppelt. Und das sind nur die Zahlen für Deutschland.

Kein Wunder, dass sich die Europäische Union nun besonders das Einwegplastik vornimmt: Von selbst, so die Erkenntnis, löst sich das Problem nicht. Für Deutschland hatten zuletzt im März 2020 die Europäischen Wissenschaftsakademien klare Schritte gefordert: Müll dürfe nicht mehr exportiert werden (Deutschland exportiert jährlich gut eine Million Tonnen Plastikabfälle), die Recycling-Technik müsse verbessert, Hersteller zu einfach designten Produkten verpflichtet, der Anteil von recyceltem Material vorgeschrieben und die Folgekosten für die Verbraucher eingepreist werden. Denn der Preis sei das beste Mittel, um das Verhalten der Menschen zu beeinflussen.

Kaum recyceltes Plastik in Neuprodukten

Besonders Vertreter der Industrie verweisen gerne auf eine Verantwortung der Verbraucher: Sie müssten besser recyceln. Denn es gäbe einfach nicht ausreichend recyceltes Plastik in der notwendigen Qualität, um dessen Anteil in neuen Verpackungen deutlich zu erhöhen. Dass das aber nicht allein die Lösung sein kann, zeigt sich schon daran, dass zwar die Recyclingquote in Deutschland bei 45 Prozent (2016) liegt – aber nur knapp 16 Prozent des gesammelten Plastiks wirklich für neue Produkte verwendet wird. Was sollen wir Verbraucherinnen und Verbraucher also tun?

Intuitiv würden die meisten auf Papier und Glas ausweichen wollen. Umweltschutz ist in der Realität der Lebenszyklusanalysen jedoch komplexer. Durch das geringere Gewicht wird etwa beim Transport von PET-Mehrwegflaschen im Vergleich zu Glasflaschen weniger Rohöl verwendet. Dadurch steht bei längeren Transportwegen PET in der Ökobilanz etwas besser da – obwohl Glasflaschen doppelt so oft wiederverwendet werden können. Bei aus Nachhaltigkeitsgründen empfehlenswerten regionalen Mehrwegsystemen liegt das Glas dann vorne. Und selbst Vertreter der Naturschutzorganisation Nabu merken an, dass die Papiertüte nicht unbedingt umweltfreundlicher ist als die Einkaufstüte aus Plastik. Es ist kompliziert.


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