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2.500 Unternehmen für die Integration

Retha Ferguson auf Pexels

Unternehmen integrieren Geflüchtete. Ein Beitrag für das 35. CSR MAGAZIN

Berlin (csr-news) – Bei der Integration Geflüchteter können sich Unternehmen durch den Austausch ihrer Erfahrungen gegenseitig unterstützen. Ein wichtiger Akteur ist hier das „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“, eine Initiative des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). CSR NEWS sprach mit Bill Liederwald, Projektreferent in dem Netzwerk. Das Gespräch führte Achim Halfmann.

Bill Liederwald im Interview

CSR MAGAZIN: Herr Liederwald, wofür steht Ihr Netzwerk – und wer gehört dazu?

Bill Liederwald: Das „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ ist der größte Zusammenschluss von Unternehmen, die sich für die Integration von Geflüchteten engagieren. 2016 starteten wir mit 300 Mitgliedern, im September konnten wir das 2.500ste Mitglied begrüßen. Das Netzwerk ist eine Initiative des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und wird durch das Bundeswirtschaftsministerium gefördert.

Unsere Perspektive ist die der Unternehmen, die wir bei der Integration von Geflüchteten unterstützen wollen. Fast 80% unserer Mitglieder sind kleine und mittlere Unternehmen, darunter Betriebe aus der Gastronomie und dem produzierenden Gewerbe wie Bäckereien. Unter unseren Mitgliedern sind alle Unternehmensgrößen vertreten – vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum großen Dax-Konzern. Wir hören in die Unternehmen hinein und übernehmen dann sehr vielseitige Aufgaben.

Was konkret bieten Sie den Unternehmen an Unterstützung?

Für viele geht es darum, rechtliche Hürden bei der Einstellung und Integration von Geflüchteten abzubauen. Wir übersetzen Rechtssprache in leicht verdauliche Texte und erstellen Informationen. Auch mit Blick auf die Geflüchteten unterstützen wir ganz praktisch die Überwindung von Sprachhürden: In Kooperation mit dem deutschen Bäckereiverband haben wir gerade die 300 wichtigsten Fachvokalen des Berufsfeldes in Farsi übersetzt. Solche Flyer haben wir auch für weitere Branchen erstellt. In vielen Veranstaltungen mit den Handels- und Handwerkskammern vor Ort geht es etwa um die Verwendung einfacher Sprache im Betrieb oder um die Vermeidung interkultureller Missverständnisse. Ein typisches Beispiel ist, dass ein Mitarbeiter aus Subsahara-Afrika bei der Erklärung einer Maschine freundlich nickt – aus Freundlichkeit und nicht, weil er die Erklärung verstanden hat. Aus Respekt fragt er aber nicht nach, weil das die Kompetenz des Erklärenden in Frage stellen würde.

In den Betrieben haben die meisten Geflüchteten sprachlich weniger Probleme als in den Berufsschulen; dort sind die Fachsprache und das Verständnis komplexer Aufgabenstellungen große Herausforderungen. 2016 haben viele Geflüchtete eine Ausbildungsstelle gefunden und kommen jetzt in die Abschlussprüfungen; hier ist das notwendige Deutschniveau entsprechend hoch. Prüfungstexte sind nicht immer leicht verständlich formuliert, sie enthalten teilweise Schachtelsätze, doppelte Verneinung und kulturelle Ausdrücke – beispielsweise „Renner-Penner-Liste“ im Verkauf. Dem begegnen wir mit Workshops und Webinaren zum Thema Prüfungsvorbereitung.

Ich selber beschäftige mich mit den Fördermöglichkeiten für Geflüchtete in Ausbildung und Beschäftigung. Es gibt eine Reihe potentieller Angebote von staatlicher Seite, die auch für Geflüchtete genutzt werden können. Jedoch ist der Zugang von den verschiedenen Aufenthaltstiteln abhängig und es ist für Unternehmen nicht einfach, den Überblick zu behalten. Dazu bieten wir Info-Material und bauen gerade ein digitales Beratungssystem auf, in dem Ratsuchende durch Fragen zu den für sie passenden Förderangeboten geführt werden.


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