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Die Gemeinwohl-Ökonomie und ihr Berichtsformat. Ein Beitrag für das 35.CSR MAGAZIN

Die Gemeinwohl-Ökonomie will nicht nur die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens verbessern, sondern sie zielt auf eine grundlegende Reform unseres Wirtschaftssystems. Unternehmen sollen – z.B. steuerlich – an ihrem Beitrag zum Gemeinwohl gemessen, Gewinne nicht mehr an passive Eigentümer ausgezahlt und Konzerne durch die Zivilgesellschaft gesteuert werden. An die Stelle von Konkurrenz tritt Kooperation. Doch ist die GWÖ, wie sie kurz genannt wird, mehr als eine Utopie: Sie wird – in Teilen – heute schon von den Unternehmen umgesetzt, die eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen.

Von Achim Halfmann

Die GWÖ ist eine junge Bewegung. „Am Anfang stand eine Veranstaltung mit Unternehmerinnen und Unternehmern am 6. Oktober 2010 in Wien, kurz nachdem Christian Felber sein Buch ‚Gemeinwohl-Ökonomie‘ veröffentlicht hatte“, sagt Gerd Hofielen, GWÖ-Berater und Geschäftsführer von Humanistic Management Practices. In dem genannten Buch (Neuauflage 2018) definiert Felber: „Die Gemeinwohl-Ökonomie beruht – wie eine Marktwirtschaft – auf privaten Unternehmen und individueller Initiative, jedoch streben die Betriebe nicht in Konkurrenz zueinander nach Finanzgewinn, sondern sie kooperieren mit dem Ziel des größtmöglichen Gemeinwohls.“

Eine umsetzbare Perspektive? Immer mehr Unternehmer sehen das so. „Weltweit ist die Gemeinwohl-Bewegung heute in 33 Ländern aktiv – von Schweden bis Südamerika -, getragen von 180 Regionalgruppen“, sagt Hofielen. Was wohl auch daran liegt, dass die GWÖ den Unternehmen etwas Konkretes zu bieten hat. Hofielen weiter: „Das Besondere an der Gemeinwohl-Ökonomie ist: Sie bietet einen 360-Grad-Blick auf ein Unternehmen und alle seine Berührungsgruppen.“ Das helfe, Entwicklungspotentiale und blinde Flecken aufzudecken.

„Glaubwürdiger Nischenstandard“

Das unternehmerische Tool ist die Gemeinwohlbilanz, eine Alternative zu der herkömmlichen CSR-Berichterstattung. Berater Armin Hippler sagt: „Alle großen Skandalfirmen der letzten Jahre hatten Hochglanz-GRI-Berichte.“ Hipper ist Inhaber von Bunawi – dem Büro für Nachhaltigkeit & Wirtschaftsethik, das seit August 2020 Teil der DFGE ist. Seine Einschätzung zur Außenwirkung einer Gemeinwohl-Bilanz lautet: „Die GWÖ ist ein Nischenstandard, der unter Fachkundigen eine hohe Glaubwürdigkeit besitzt. Hier werden Inhalte bewertet – und nicht nur Formen. So gesehen ist die GWÖ eine Kombination aus Bericht und Bewertung, was ja der Name ‘Bilanz’ zum Ausdruck bringt.“

Die Gemeinwohl-Bilanz ist dabei keine philosophische Abhandlung oder Absichtserklärung. Hipper: „Der Gemeinwohl-Ökonomie geht es um messbare Nachhaltigkeit.“ Und „die GWÖ ist nicht nur etwas für Handwerker und den alternativen Handel. Wir haben auch schon Industrieunternehmen – etwa Konstruktionsbüros in der Automobilbranche – von ‘gar nichts’ auf GWÖ gebracht“, so der Berater.

Den Ausgangspunkt einer Gemeinwohl-Bilanzierung bildet die Gemeinwohl-Matrix. In ihr werden die Grundwerte Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit sowie ökologische Nachhaltigkeit und demokratische Mitentscheidung auf der waagrechten X-Achse aufgetragen. Auf der senkrechten Y-Achse finden sich Personengruppen, die von der Unternehmenstätigkeit betroffen sind – die sogenannten Berührungsgruppen: Lieferanten, Geldgeber, Mitarbeiter, Kunden und Mitunternehmen, und das gesellschaftliche Umfeld. Insgesamt 20 Themenfelder ergeben sich aus dieser Matrix, die Unternehmen eine gute Orientierungshilfe bieten, findet der promovierte Politik- und Wirtschaftswissenschaftler Oliver Viest: „Von Anfang an hat mich die Gemeinwohl-Matrix begeistert: Da steckt alles drin, was ein Unternehmen ausmacht – das ganze Know How auf einer A4-Seite.“ Viest ist zertifizierter Gemeinwohl-Ökonomie-Berater und seine Agentur <em>faktor ist ein Gemeinwohl-Unternehmen.


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