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NGOs und Zivilgesellschaft in der vernetzten Welt

Nate Greno auf Unsplash

„Die Würde des Menschen ist (un)antastbar“

„Schornsteinbesetzer“, „Sozialromantiker“, „Ökofaschisten“ – Nichtregierungsorganisationen (NGO) wurden und werden mit wenig schmeichelhaften und noch weniger zutreffenden Bezeichnungen bedacht. Ein Blick auf die Wirklichkeit zeigt: die oft als Gegner der Wirtschaft gesehenen NGOs haben sich zu gut organisierten, international vernetzten und bestens ausgebildeten Institutionen entwickelt. Sie spielen mittlerweile eine entscheidende Rolle im globalen, sozio-ökonomischen System und werden viel zu stark unterschätzt.

Von Esther Heidbüchel und Thomas Schiffelmann

NGOs übernehmen heute ganz unterschiedliche Funktionen:

    • Aufdeckung von Missständen, wie z.B. die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiterinnen in Bangladesch oder in der deutschen Fleischindustrie,
    • als Anwälte und Vertreter benachteiligter Gruppen und Minderheiten,
    • als Partner von Unternehmen, z.B. in der Personalentwicklung oder beim Umweltschutz.

Effizient und professionell

NGOs stehen aufgrund der globalen sozialen und ökologischen Entwicklungen mittlerweile vor ähnlichen Herausforderungen wie wachsende Unternehmen: Verwaltungskosten steigen, es fehlt häufig an betriebswirtschaftlichem Wissen. Eine moderne, seriöse und wachsende NGO benötigt effiziente Strukturen und eine schlanke Organisation. Dazu gehören auch ein transparenter Umgang mit Finanzen und Wirkungsnachweise. Um eine Professionalisierung von NGOs zu unterstützen, haben sich mittlerweile eigene Initiativen gebildet – zum Beispiel CoRa Corporate Responsibility Netzwerk oder Accountable Now.

International immer relevanter werden NGOs und Anwälte, die Minderheiten und andere NGOs als Rechtsbeistand unterstützen. Ein prominentes Beispiel ist der Fall Huaraz gegen RWE, der durch GermanWatch zustande kam. Dieser Fall hat gute Chancen, die erste erfolgreiche Klage wegen der Folgen des Klimawandels gegen einen internationalen Konzern zu werden.

Die zunehmende Nutzung des Rechtsweges und die schnelle Verbreitung von Informationen über soziale Medien sind zwei Faktoren, die zu einer Verschiebung der bestehenden Machtverhältnisse beitragen. Im Hinblick auf Machtverhältnisse und Menschenrechte in der Arbeitswelt wirkt die Corona-Krise wie ein Brennglas: durch den Massenausbruch des Virus bei Tönnies und Co. gerieten die unwürdigen Arbeitsbedingungen mit voller Wucht in die öffentliche Wahrnehmung.

Gesundheit und Menschenrechte

Menschenrechtsverletzungen und schlechte Arbeitsbedingungen – das kannte man bisher vor allem aus der Textilindustrie wenig entwickelter Länder. Aber im streng kontrollierten Lebensmittelsektor und vor der eigenen Haustür? Neu daran ist allerdings nur die gestiegene öffentliche Wahrnehmung. Denn auf die Missstände wurde bereits vor Jahren hingewiesen, zunächst aus Sicht des Tierwohls, durch die wohl bekanntesten Tierschutzaktivisten der Organisation PeTa. Jahrelang wurde jedoch der Kampf gegen die Macht der Fleischindustrie gemieden.

Während es in Deutschland um die Gesundheit und Würde der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in prekären Arbeitsverhältnissen geht, stehen in Bangladesch und vielen weiteren Ländern des globalen Südens Leben auf dem Spiel. Nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch die sich durch den Klimawandel verschlechternden Lebensverhältnisse gefährden die Gesundheit und die Rechte der Menschen.

Hier kommen Nichtregierungsorganisationen ins Spiel – und zwar in verschiedenen Rollen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der Erreichung der Ziele für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.


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Autoren

Dr. Esther Heidbüchel
lebt in Solingen und berät KMU zur Umsetzung unternehmerischer Nachhaltigkeit
heidbuechel@weitergebracht.de

Thomas Schiffelmann
lebt in München und leitet das Marketing der international tätigen NGO Handicap International e.V.
t.schiffelmann@hi.org

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