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Nationalismen überwinden – mit Kollaboration und Interkulturalität

Alissa De Leva auf Unsplash

Bildung für verantwortungsvolle Globalisierung. Ein Beitrag für das 35. CSR MAGAZIN

Die aktuelle Pandemie lässt uns nicht nur über weltweite Infektionsherde und Lieferketten nachdenken, sondern – nach Home Schooling – auch über die Auswirkungen der Globalisierung auf die Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, die in einer vernetzten Welt aufwachsen. Was muss sich jetzt für die kommenden Generationen ändern?

Von Tong-Jin Smith

Wenn man Globalisierung nicht nur rein wirtschaftlich betrachtet, stellt man fest, dass es sich bei diesem gefühlten oder realen Zusammenrücken verschiedener Länder, Gesellschaften und Kulturen um zwei gleichzeitig stattfindene Phänomene handelt. Zum einen kann man, wie Shalmali Guttal, Leiterin des Think-Tanks Focus on the Global South, von einem Abbau nationaler und geopolitischer Hürden sprechen, der von immer größeren transnationalen Bewegungen von Gütern, Dienstleistungen und Kapitel geprägt ist. Zum anderen von “der zunehmenden Homogenisierung von Verbrauchergeschmäckern, der Konsolidierung und Ausweitung von Unternehmensmacht, den scharfen Anstiegen von Reichtum und Armut, der ‚McDonaldisierung‘ von Lebensmitteln und Kulturen, sowie der wachsenden Allgegenwart liberaldemokratischer Ideen.“

Angetrieben werden diese Homogenisierung und Konsolidierung vor allem von der sich ständig wandelnden Informationstechnologie und dem Siegeszug des Internets. So steht es außer Frage, dass sich auf diesem Weg eine globale Jugendkultur entwickelt, die sich rasant über soziale Netzwerke wie Instagram, YouTube und TikTok ausbreitet und dabei globale Bewegungen wie #metoo und #ChallengeAccepted, Fridays for Future (FFF) oder Black Lives Matter (BLM) auch in die entlegendsten Winkel der Erde trägt. Auch wenn diese Bewegungen im globalen Norden geboren werden, entfalten sie ihre Wirkung überall. Bestes Beispiel ist FFF. Ihre internationale Galionsfigur ist zwar mit Greta Thunberg eine junge Schwedin, aber national und regional wird FFF von lokalen Aktivistinnen und Aktivisten der Generation Z geführt, wie Hilda Flavia Nakabuye aus Uganda, Marinel Sumook Ubaldo aus den Philippinen oder Angela Valenzuela aus Chile, die mit ihren 26 Jahren schon zu den Millenials zählt.

Vernetzte Millenials und GenZs

Und so kann man sehen, dass Globalisierung ihre Effekte in allen Gesellschafts- und Lebensbereichen entfaltet – ob nun positiv oder negativ. Denn mit ihrer weltweiten Arbeitsteilung und den entsprechenden Kapitalflüssen trägt sie seit rund 50 Jahren einerseits zur Ausbeutung von Arbeitskräften und Ressourcen sowie der Verletzung von Menschen- und Umweltrechten bei, gleichzeitig macht sie all das aber auch durch das nahezu grenzenlose Internet für alle sichtbar und bietet die Plattform, um sich dagegen zu vernetzen.

Dass es ausgerechnet Millenials und GenZs sind, die von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen und über alle Grenzen hinweg miteinander ins Gespräch kommen, mag etwas mit dem zu tun haben, was sie in der Schule lernen – oder eben gerade nicht. „Ja, Umweltschutz und Klimawandel sind Themen, die wir in der Schule immer wieder behandeln, aber wir brauchen insgesamt einen stärkeren Fokus auf Themen und Fächer, die sich mit der Gesellschaft beschäftigen“, sagt Anouk Kuckertz. Die 16-Jährige diskutiert im Freundeskreis viel und häufig über feministische, ökologische und andere politische Fragen. Sei es, ob Schwangerschaftsabbrüche grundsätzlich legal sein sollten oder was Rassismus ist und ob es in Deutschland überhaupt ein Bewußtsein für rassistische Äußerungen gibt.

In der Schule fehlt ihr der Diskurs. „Wir haben zwar zum Teil gute Diskussionen, aber sie sind nicht Teil des eigentlichen Lernstoffs. Klassenarbeiten schreiben wir dann über Dinge, wo man sich ständig fragt, wie sie uns auf ein Leben nach der Schule vorbereiten sollen.“ Statt Fächer wünscht sie sich, interdisziplinäre Projekte und Fragestellungen. Und statt so viele Naturwissenschaften wünscht sie sich Soziologie, Psychologie und Philosophie. „Es ist ok, dass wir verschiedene naturwissenschaftliche Disziplinen kennenlernen, aber nicht jeder will und muss dann so tief gehen – oder wann haben Sie zuletzt wissen müssen, welche Unterschiede es im Aufbau pflanzlicher und menschlicher Zellen gibt?“


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Autorin

Dr. Tong-Jin Smith ist Hochschuldozentin und freie Journalistin. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin (Tong-Jin.Smith@csr-magazin.net).

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