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„Coronomics“: ESG ist ein Eckpfeiler

Patrick Weissenberger auf Unsplash

Neustart nach der Krise. Ein Beitrag für das 35. CSR MAGAZIN

„Nach dem Corona-Schock: Neustart aus der Krise“ lautet der Untertitel des Buches von Bestseller Autor Daniel Stelter: „Coronomics“ – eine Wortschöpfung, die sich aus Corona und Economics zusammensetzt. In diesem sehr lesenswerten Buch geht es vor allem um – globale – ökonomische Folgen der Corona Krise. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Volkswirtschaften und die Weltwirtschaft nach Corona entwickeln werden und welche politischen Folgen damit verbunden sein werden.

Von Klaus Rainer Kirchhoff

In diesem Beitrag geht es um den speziellen Aspekt nachhaltiger Investitionen und wie sich Unternehmen aufstellen müssen, um für nachhaltig orientierte Investoren attraktiv zu sein. JPMorgan sieht in der Coronakrise einen Beschleuniger für nachhaltige Investitionen: Eine Umfrage von JPMorgan kommt zu dem Ergebnis, dass 55% der Investmentgesellschaften, die insgesamt 13 Billionen Dollar verwalten, davon überzeugt sind, dass Covid-19 die Nachfrage nach „Sustainable Assets“ in den nächsten drei Jahren vorantreiben werde (FAZ vom 10. Mai 2020). Bereits in den vergangenen Jahren ist das Volumen der nachhaltigen Geldanlagen stark gestiegen: Es hat sich in den vergangenen fünf Jahren vervierfacht auf 1.747 Milliarden Euro in Deutschland und Österreich im Jahr 2019 (Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2020, Forum Nachhaltige Geldanlagen).

Aber nicht nur nachhaltige Fonds treiben das Thema voran. Gemäß einer Umfrage von Union Investment berücksichtigen rund 72% aller institutionellen Investoren Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Anlageentscheidungen. Ende 2019 hatten knapp 2.400 Unternehmen die Principles of Responsible Investments (PRI) der Vereinten Nationen unterzeichnet. Sie verwalten rund 85 Billionen USD an Assets. Ein wichtiger Grund für diese Entwicklung: Unternehmen mit einem besseren ESG-Rating sind an der Börse erfolgreicher. So stellten Fidelity und Deka jüngst fest: Je besser das ESG-Rating eines Unternehmens, desto robuster fällt seine Wertentwicklung aus (FAZ vom 9. Mai 2020, PLATOW Börse vom 18. Mai 2020).

ESG steht für die englischen Begriffe Environmental, Social and Governance. Es geht dabei um die Beurteilung des Impacts eines Unternehmens auf die Umwelt, die soziale und gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens und um gute Unternehmensführung.

Unternehmen sind also gut beraten, sich strategisch mit diesem Thema auseinander zu setzen. Es reicht in Zukunft nicht mehr, einen farbig bedruckten „Nachhaltigkeitsbericht“ zu veröffentlichen, der alle möglichen – und manchmal auch unmöglichen – Umweltaktivitäten und soziale sowie gesellschaftliche Engagements des Unternehmens aufzeichnet. Auch eine separate Nachhaltigkeitsstrategie reicht nicht aus. Denn oft widerspricht die Nachhaltigkeitsstrategie der Geschäftsstrategie des Unternehmens. In der Nachhaltigkeitsstrategie geht es um weniger – Emissionen, Ressourcenverbrauch, etc. – und in der Geschäftsstrategie um mehr – Umsatz, Produktion, etc. -. Vielmehr geht es darum, die Strategie und das Geschäftsmodell des Unternehmens nachhaltiger zu gestalten. Die Strategie des Unternehmens muss sich an den ESG-Kriterien messen lassen.

Business Driver für ESG

Die Erwartungen der Stakeholder an eine verantwortungsvolle Unternehmensführung sind deutlich gestiegen. Wer heute junge Menschen für einen Einstieg in das Unternehmen begeistern will, der muss mehr bieten als ein attraktives Gehalt. Junge Menschen, vor allem die Talente, die sich ihren Arbeitgeber aussuchen können, wollen sich mit dem Purpose des Unternehmens identifizieren können und schauen heute mehr auf die Reputation als auf den Namen. Das gleiche gilt mittlerweile für Geschäftspartner und Kunden. Aber es gibt einen weiteren Grund, der Unternehmen heute dazu zwingt, sich professionell mit der ESG-Thematik auseinander zu setzen: Die Europäische Kommission ist fest entschlossen, die europäische Wirtschaft zur nachhaltigsten Wirtschaft der Welt zu transformieren. Dazu wurde der Neue Green Deal der Kommission vorgestellt. Ein zentrales Instrument dieser Politik ist Sustainable Finance – der EU-Aktionsplan für nachhaltiges Finanzwesen. Ziel dieser Initiative ist es, die Kapitalströme hin zu nachhaltigen Unternehmen zu leiten. Zukünftig werden die Konditionen für die Finanzierung zunehmend abhängig sein von dem Nachhaltigkeitsranking des Unternehmens. Es ist zu erwarten, dass Nachhaltigkeit Voraussetzung für ein Investment Grade Kreditrating werden wird.

Die drei wichtigsten Gründe für eine ESG-Strategie lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  1. Ohne ESG-Performance sind Unternehmen zukünftig für viele Investoren nicht mehr investierbar.
  2. Die Attraktivität des Unternehmens wird durch eine ESG-Strategie für viele Stakeholder, vor allem für Mitarbeiter und Investoren, erhöht.
  3. Die ESG-Strategie ermöglicht den Unternehmen den Zugang zu Sustainable Finance (z.B. Green Bonds, Sustainable Bonds und Green Loans)

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Autor

Klaus Rainer Kirchhoff
ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Kirchhoff Consult AG. Das Unternehmen ist Mitglied im CSR NEWS-Netzwerk.
kirchhoff@kirchhoff.de

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