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Niedriglohnjobs für Beschäftigte häufig “Sackgasse”

Remy Gieling auf Unsplash

Studie: Bertelsmann-Stiftung äußert scharfe Kritik – Forderung nach “Zurückdrängung”

Gütersloh (AFP) – Jeder zweite Niedriglohnbeschäftigte in Deutschland wartet laut einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung auch nach vier Jahren weiter auf einen Wechsel in besser bezahlte Beschäftigung. Nur etwa ein Viertel schafft in dieser Zeit den Aufstieg, wie aus der am Donnerstag in Gütersloh veröffentlichten Untersuchung mit Daten von 1995 bis 2018 hervorgeht. Besonders für Frauen sowie Ältere erweist sich der Niedriglohn demnach als eine “Sackgasse”.

Als Konsequenz zog die Stiftung eine sehr durchwachsene Bilanz der in Deutschland seit den 1990er Jahren forcierten Ausweitung des Niedriglohnsektors und forderte, Minijobs sowie andere schlecht abgesicherte Beschäftigungsverhältnisse “zurückzudrängen”. Zwar hätten Niedriglohnjobs die Arbeitslosigkeit gesenkt, zugleich enttäuschten sie allerdings die in sie gesetzten Erwartungen als “Sprungbrett”. Niedriglöhne blieben oft “Dauerzustand”, auch weil ganze Branchen “ihr Geschäftsmodell” auf diesen aufgebaut hätten.

Bertelsmann-Vorstand Jörg Dräger sprach von einem “hohen Preis” des Konzepts und forderte Reformen. Gerade die Corona-Krise zeige noch einmal die Schattenseiten, erklärte er. So stellten systemrelevante Branchen wie der Handel, Transport- und Nahrungsmittelindustrie oder Gesundheitswesen einen Großteil der Niedriglöhner. Minijobber und andere Betroffene verlören zudem als erstes Einkommen oder Arbeit, da sie von dem Sicherheitsnetz des staatlichen Kurzarbeitergeldes nicht erfasst würden.

Für die Bertelsmann-Untersuchung analysierten Wissenschaftler des Instituts DIW Econ, einer Tochterfirma des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die Entwicklungen im Niedriglohnsektor anhand repräsentativer Langzeituntersuchungen zur sozialen Lage der deutschen Bevölkerung zwischen 1995 und 2018. Daraus ließ sich unter anderem erkennen, wie sich der Beschäftigungsstatus mit der Zeit entwickelt. Demnach beziehen 50 Prozent der Betroffenen auch nach vier Jahren weiter einen Niedriglohn, nur 27 Prozent konnten sich verbessern.

Der für die Untersuchung maßgeblichen Definition zufolge beginnt der Niedriglohnsektor bei einem Bruttostundenlohn von 11,40 Euro und umfasste 2018 rund 7,7 Millionen Beschäftigte – mehr als ein Fünftel aller Angestellten. Ein großer Teil der Betroffenen verdiente demnach im Schnitt sogar nur 8,40 Euro pro Stunde und damit weniger als den Mindestlohn. Der deutsche Niedriglohnsektor wuchs seit den 1990er Jahren um 60 Prozent, hieß es in der Studie weiter.

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