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Welle der Solidarität mit schwarzen Gastronomen

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Corona-Krise trifft afroamerikanische Unternehmer besonders hart

Von Daxia Rojas

Washington (AFP) – Vor der Eisdiele am Ufer des Potomac in Washington hat sich eine lange Schlage gebildet. “Das ist verrückt”, sagt Andrea Jones, die Tochter des Ladenbesitzers. “Früher hatten wir 30 Kunden am Tag, jetzt sind es 300.” Die Menschen stehen nicht nur für ein paar Kugeln Eis beim “Southwest Soda Pop Shop” in der US-Hauptstadt an, sondern vor allem aus Solidarität mit den afroamerikanischen Inhabern.

“Jeden Tag wird die Schlange noch länger, die Leute kommen sogar bei Regen. Sie unterstützen uns – egal was ist. Das ist so schön zu sehen”, sagt Jones. Viele afroamerikanische Gastronomen hat die Corona-Krise besonders hart getroffen. Auch die Eisdiele am Flussufer musste wegen der Pandemie zeitweise schließen und erlitt erhebliche finanzielle Einbußen.

Einen Tag vor einer großen Demonstration gegen Rassismus in der US-Hauptstadt bat Jones auf Twitter um Unterstützung; der Tweet der 21-Jährigen wurde 30.000 Mal geteilt. Der gewaltsame Tod des Schwarzen George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis hat eine Welle der Solidarität mit afroamerikanischen Restaurantbesitzern ausgelöst. Beim Lieferdienst Uber Eats können Kunden in vielen Städten der USA und Kanadas gezielt bei afroamerikanischen Gastronomen bestellen, die Liefergebühren entfallen bei diesen Lokalen.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass schwarze Geschäftsleute schwer unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie leiden, vor allem in der Gastronomie. “Mein Gott, das hat uns fast ruiniert!”, sagt Oji Abbott vom Restaurant “Oohh’s and Aahh’s” in der Nähe der schwarzen Universität Howard. Von einem Tag auf den anderen blieben die Touristen und Studenten aus, die dort gern essen.

“Ben’s Chili Bowl” ein paar Häuser weiter erging es nicht viel anders. Der Umsatz des Lokals, in dem einst der Bürgerrechtler Martin Luther King verkehrte, brach während des Corona-Lockdowns um 80 Prozent ein.

“Unternehmen von Schwarzen sind meist kleiner und haben kleinere Gewinnmargen”, sagt Sifan Liu, Expertin bem Politikinstitut Brookings Institution. “Sie haben größere Kreditverpflichtungen und sind in der Rezession deshalb gefährdeter.”

Zwischen Februar und April mussten in den USA 41 Prozent der Kleinunternehmen afroamerikanischer Inhaber schließen. Bei von Weißen geführten Firmen gingen nur 17 Prozent Pleite, wie aus einem Bericht des Forschungsinstituts National Bureau of Economic Research hervorgeht.

Wie viele andere schwarze Geschäftsleute gingen die Inhaber von “Ben’s Chili Bowl” und “Oohh’s and Aahh’s” in der ersten Runde der staatlichen Kredite für Kleinunternehmen in der Corona-Krise leer aus. “In der ersten Runde des PPP (Paycheck Protection Program) stützte sich das Antragsverfahren bei der Kreditvergabe auf etablierte Finanzinstitutionen, wodurch Kunden großer Banken begünstigt wurden”, sagt Expertin Liu. Schwarze Unternehmer hätten diese Geschäftsbeziehungen oft nicht.

Gastronom Abbott beispielsweise gründete sein Lokal 2003 von seinen eigenen Ersparnissen, ganz ohne sich Geld bei einer Bank zu leihen. “Generell kommen schwarze Unternehmer nur schwer an Kapital”, sagt Liu. 2018 genehmigten die Großbanken laut Brookings 60 Prozent der Kreditanträge weißer Geschäftsleute, aber nur 29 Prozent der Anträge afroamerikanischer Unternehmer. “Es muss gezielte Maßnahmen geben, um diese Ungleichheiten zu bekämpfen”, sagt Liu. “Sonst werden die schwarzen Unternehmen noch mehr leiden.”

Bei Abbotts Lokal “Oohh’s and Aahh’s” geht es mittlerweile auch dank der Solidaritätsaktion wieder bergauf. Nun setzt er nicht nur auf strukturelle Verbesserungen für schwarze Unternehmen, sondern will auch selbst etwas tun: “Ich möchte gerne anderen von Schwarzen geführten Geschäften helfen, so wie sie zu mir kommen und mich unterstützen.”

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