Personalverantwortung Topnews Wirtschaft

Arbeiten und Leben im Sauerland

Sunderaner Unternehmer engagieren sich für ihre Region. Die Videoreportage mit Akteuren aus Unternehmen, Zivilgesellschaft, Bildungssektor und Politik

Sundern (csr-news) – Die Stadt Sundern liegt im Hochsauerlandkreis in Nordrhein-Westfalen – abseits der großen Ballungsräume. Weite Teile der landschaftlich sehr schön gelegenen Region sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Die verkehrsmäßige Anbindung – so hören wir es von Menschen im Ort – könnte besser ausgestaltet sein. Kleine und mittelständische Produktionsbetriebe in Sundern besitzen eine lange Tradition. Ein erstes Hammerwerk wurde dort im Jahr 1768 gegründet.


Arbeiten und Leben in Sundern (Die vollständige Videoreportage, 42 Minuten)

Hier in Sundern werfen wir einen Blick darauf, was Unternehmen gemeinsam mit der Zivilgesellschaft und der Politik für ihre Region tun können. Eine Frage für die produzierenden Unternehmen im Sauerland ist: Wie sind wir attraktiv für Mitarbeiter? Wie binden wir Mitarbeiter im Unternehmen und wie gewinnen wir junge Leute aus der Region dafür, ihre Ausbildung vor Ort zu absolvieren und der heimischen Wirtschaft verbunden zu bleiben? Wie integrieren wir Menschen mit Zugangshemmnissen in den lokalen Arbeitsmarkt? In diesem Beitrag sprechen Vertretern aus Unternehmen, der Wissenschaft, der Schule, der Zivilgesellschaft und der Politik über die gesellschaftliche Unternehmensverantwortung. Portraitiert wird, wie Mitglieder des Unternehmensnetzwerks einsU regionalen Herausforderungen begegnen.

Dr. Thorsten Miederhoff
Franz Miederhoff OHG

Thorsten Miederhoff ist Geschäftsführender Gesellschafter der Franz Miederhoff OHG. Gemeinsam mit einem Vetter 2. Grades leitet er das Unternehmen in 4. Generation. Die 1896 als Kettenschmiede gegründete Firma produziert heute Beschläge für technische Textilien. Woraus begründet sich für Miederhoff Verantwortung für die Region?

“Wir merken schon, dass es zunehmend schwieriger wird, Auszubildende zu bekommen”, sagt Miederhoff. Allerdings habe das Unternehmen auf einem umkämpften Ausbildungsmarkt bisher alle Stellen besetzen können. Mit Blick auf die Zukunft sei das gemeinsame Ausbildungs-Engagement mit anderen Unternehmen im Rahmen des Unternehmensnetzwerks einsU wichtig: Berufsinfotage und ähnliche Aktionen brächten potenzielle Auszubildende und Betriebe miteinander in Kontakt.

Ausbildungsprojekte in der Hauptschule

Im Rahmen des Projektes “BIS – Betriebe in Schule” sind die Unternehmer jeweils im Januar einen Vormittag lang in der Hauptschule zu Gast und gestalten den Unterricht: Sie bringen dabei eine praktische Aufgabe mit, die von den Schülern im Team gelöst werden muss, etwa den Bau einer tragfähigen Brücke aus einfachen Materialien. “Es bietet für uns die tolle Gelegenheit, den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern zu bekommen. Die Schülerinnen und Schüler umgekehrt merken – ich sage es einmal salopp: Wir Unternehmer beißen nicht”, sagt Miederhoff.

Fachkräftesicherung und Attraktivität der Region

Die Fachkräftesicherung ist für Unternehmen in ganz Deutschland eine Herausforderung – auch für die Firmen in der ländlichen Region des Sauerlands. Miederhoff berichtet, dass “der Mittelbau uns ein bisschen wegbricht, also der klassische Werkzeugmechaniker, der ist schon ein rares Gut”. Ehemalige Auszubildende wollen sich weiterentwickeln und verlassen das Unternehmen für eine Meister- oder Technikerschule. Das Unternehmen muss also auf dem Arbeitsmarkt um neue Fachkräfte werben. Die Attraktivität des Standortes ist ein Argument für Arbeitnehmer, nach Sundern zu kommen oder in Sundern zu bleiben. Auch deshalb lohnt sich das Engagement für die Region.

Familienunternehmer in 4. Generation

Diese Verbundenheit mit der Region hat Geschichte. “Wir sind ein Familienunternehmen”, sagt Miederhoff. “Das heißt, wir sind ein Unternehmen, dass aus einer Familie heraus entstanden ist und in dem über Generationen hinweg Familien aus dem hiesigen Raum gearbeitet haben.” So bekomme ein Unternehmer auch mit, wo bei den Beschäftigten der Schuh drücke. Familienunternehmen und Familienfreundlichkeit gehören für Miederhoff zusammen. So will der Unternehmer einen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten – etwa durch die flexible Arbeitszeitgestaltung. Zudem gibt es eine Pflegelotsin im Unternehmen, die ihre Kollegen über Angebote in der Betreuung und Pflege Angehöriger informiert.

Unternehmensnetzwerk einsU

Im Jahr 2014 wurde einsU gegründet. „Wir haben uns gefunden als Zusammenschluss produzierender Unternehmen hier in Sundern, und wir haben uns von Anfang an aufgeteilt und Schwerpunkte gesetzt,“ sagt Miederhoff. Neben dem Bereich Ausbildung bildeten die Netzwerkmitglieder Arbeitskreise zu den Themen Arbeitgeberqualität, Sponsoring sowie Politik und Verwaltung. „Das ist wirklich eine Erfolgsgeschichte, wir haben viel bewegen können“, bilanziert Miederhoff.

Dr. Barbara Vielhaber
Unternehmensnetzwerk einsU

Im Unternehmensnetzwerk einsU unterstützt die Politikwissenschaftlerin Barbara Vielhaber die strategische und organisatorische Ausrichtung sowie die Moderation. So entlastet sie die ehrenamtlich engagierten Unternehmer und trägt zur Verlässlichkeit des Netzwerkes bei. Als einen wichtigen Erfolg der Netzwerkarbeit beschreibt sie das dort gewachsene Vertrauen.

Dieses Vertrauen und das Wissen um Ansprechpartner bewähren sich angesichts der Corona-Pandemie und deren Folgen für die Unternehmen.

Ansprechpartner finden

Als sich die Herausforderungen durch die Pandemie im Februar abzuzeichnen begannen, saßen die Unternehmer von einsU zusammen. „Dann haben wir innerhalb kürzester Zeit ein Wissenskarussell in Gang gesetzt, wo jeder eingespeist hat, was er als Stand erfasst hat“, sagt Vielhaber. „Wir haben Aufgaben verteilt, wer wo nachfragt, als alles noch so unklar war.“ Solche Kooperationen seien wichtig, denn nicht jeder müsse „das Rad neu erfinden“.

regional-engagiert.de

Welche Themen das Netzwerk in Sundern bewegt, ist auf regional-engagiert.de, der digitalen Plattform der Bertelsmann Stiftung rund um das gesellschaftliche Unternehmensengagement, nachzulesen. einsU bringt sich dort in ein deutschlandweites Netzwerk ein. „Wir sind davon überzeugt, dass es einfach Sinn macht – diese Art von Netzwerkbildung“, so Vielhaber. Schön sei es, „sich mit anderen Netzwerken auszutauschen, zu sehen, wie andere arbeiten“ und auf einer Plattform präsent zu sein, die eine Vielfalt der Netzwerkarbeit abbilde.

Charta der Vielfalt

Ein Anlass für die Teilnahme an regional-engagiert.de war die Unterzeichnung der Charta der Vielfalt durch einsU-Unternehmen. Migration ist auch in Sundern ein Thema. „Insofern ist die Selbstverständlichkeit der Vielfalt in der Arbeitnehmerschaft, was Migration und Herkunft angeht, so groß, dass man sich manchmal fast ein bisschen daran erinnern muss.“ In der Flüchtlingsbewegung 2015 engagierte sich ein gut vernetztes Bürgernetzwerk für die Menschen, das auch Kontakt zu einsU hielt. Aus diesen Erfahrungen entstand die Idee, in Unternehmen Sprachunterricht anzubieten

Till Wasner
Franz Funke Zerspanungstechnik

Till Wasner vertritt seit zwei Jahren in Sundern die Firma Franz Funke Zerspanungstechnik. Das Unternehmen stellt aus Nichteisenmetallen Verbindungsstücke und andere Elemente – insbesondere für die Sanitärindustrie – her. Für seine Kunden arbeitet das Unternehmen als Lohndienstleister; zukünftig will Funke zudem Baugruppen montieren. Die Produktion hat vor über 100 Jahren mit der Herstelung von Schrauben und Nägeln begonnen und Funke gehört heute zu der Wuppertaler Industriegruppe Gesco.

“Wir wollen wahrgenommen werden als Teil von Sundern, als Teil dieser speziellen – und im positiven Sinne speziellen – Region“, sagt Wasner, der selbst nicht aus Sundern stammt. „Was mich fasziniert ist eine sehr starke Bindung der Mitarbeiter an diese Lokalität. Das sehe ich als Standortvorteil.“ Die Region sei von einer lebendigen Vereinstätigkeit geprägt, was die regionale Bindung der Mitarbeiter stärke. Durch ein Wirken nach außen wolle sein Unternehmen „hinter der Hecke hervorkommen“, sagt der Geschäftsführer. So sponsert Funke einen Sportverein.

Arbeitsplätze am Ort halten

Laut Wasner gehört es zur unternehmerischen Verantwortung, Menschen in der Region Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen – und diese Arbeitsplätze auch am Ort zu halten. Für ein wachsendes Unternehmen bedeutet das: Es ist auf Gewerbeflächen angewiesen – und damit zugleich auf gewerbefördernde Entscheidungen der Lokalpolitik.

Die Firma Funke hat Veränderungsbedarf, aber es gibt wenige verfügbare Gewerbeflächen. Manche lokalpolitischen Entscheidungen der Vergangenheit hätten vielleicht die Weichen nicht so gestellt, dass Unternehmen ausreichende Entwicklungsmöglichkeiten hätten, sagt Wasner. Es sei zur Abwanderung von Unternehmen gekommen. „Das ist sehr ärgerlich, denn die Mitarbeiter kommen hier her und ich möchte gerne in Sundern bleiben“, so Wasner.

Auszubildende aufmerksam machen

Auch für die Franz Funke Zerspanungstechnik ist die Gewinnung von Auszubildenden ein wichtiges Thema. Wasner setzt dabei auf eigene kreative Ideen ebenso wie auf die Zusammenarbeit mit Kollegen im Netzwerk einsU. So treten Unternehmen aus Sundern auf Ausbildungsmessen gemeinsam auf. „Wir haben vor anderthalb Jahren festgestellt, dass die Zahl unserer Auszubildenden“, sagt Wasner, „nicht die ist, die wir eigentlich ausbilden würden.“ Eine gemeinsame Aktion zur Gewinnung von Auszubildenden war ein „toller Erfolg, vor allem für die Mitarbeiter hier, weil sie erlebt haben, dass wir, wenn wir etwas tun, auch eine entsprechende Wirkung erzielen.“

Klaus Nachtwey
Hauptschule Sundern

Klaus Nachtwey ist der Schulleiter der Hauptschule in Sundern mit 460 Schülern und 40 Lehrern. Gemeinsam mit Realschule und Gymnasium ist die Hauptschule Teil eines großen Schulzentrums. Wie gelingt den Schulabgängern der Übergang in den Beruf und welche Bedeutung besitzt die Zusammenarbeit mit Unternehmen?

Ab der achten Klasse lernen die Schüler Berufssparten kennen und lokale Unternehmen stellen sich vor; Berufskoordinatoren der Schule begleiten die Schüler in Unternehmen. „Übergänge gestalten sich hier in Sundern sehr lukrativ. Wir haben die Unternehmensinitiative einsU im Boot“, sagt Nachtwey. „Der Kontakt zu Schülerinnen und Schülern wird hergestellt durch Teamspiele, durch Projekte, sodass wir nahtlose Übergänge schaffen können.“

Berufsfelder vorstellen

30 bis 40 Prozent der Schulabgänger gehen in Ausbildung. Da bleibt Luft nach oben. Wie können Unternehmen ihre Tätigkeitsfelder jungen Menschen schmackhaft machen?

Ein Ansatz seien die Berufserkundungstage, an denen Schüler drei Berufsfelder in drei Tagen kennenlernen, so der Schulleiter. „Sie sehen dort auch andere Schülerinnen und Schüler, die hier an der Schule gewesen sind“. Nachtwey weiter: „Da ist der Schritt leichter zu sagen: Das ist ja doch nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe, das ist sauberer, das ist ja doch ganz interessant, was hier gemacht wird“.

Migranten den Einstieg erleichtern

An der Hauptschule Sundern lernen über 50 Schüler mit Migrationshintergrund. Was kann die Schule – gemeinsam mit Betrieben – leisten, um deren ungehinderten Zugang zum Arbeitsmarkt sicherzustellen?

Durch eine intensive Begleitung sollen hier Hemmschwellen überwunden werden. Schüler mit ausländischen Wurzeln lernen, eigene Wege zu gehen und sich bei Sprachschwierigkeiten nicht von der Kontaktaufnahme mit Unternehmen abhalten zu lassen. „Wenn da die Unternehmensinitiative einsU mit im Boot ist, dass man Unternehmer, Ausbilder schon hier in der Schule kennengelernt hat durch Projekte, ist es leichter für die Schülerinnen und Schüler, diesen Weg zu gehen.“

Prof. Dr. Bernd M. Filz
Hochschule Südwestfalen

Kooperationen gehen die Unternehmen aus Sundern nicht nur mit den Schulen, sondern auch mit der Hochschule Südwestfalen ein. Professor Bernd Filz, der dort Personalführung und Personalentwicklung lehrt, berichtet von gemeinsamen Programmen.

“Wir haben mit dem Unternehmensnetzwerk einsU zusammen in drei aufeinanderfolgenden Jahren Veranstaltungen gemacht, wo wir die Unternehmensvertreter und Studierende zusammengebracht haben“, so Filz. Studierende konnten sich eine Betriebsbesichtigung aussuchen, danach folgte ein Workshopteil. Im Austausch wurde gespiegelt: „Was sind die Erwartungen der jungen Menschen an einen Arbeitgeber heute? Und was sind die Erwartungen eines Arbeitgebers an praktisch die zukünftigen Mitarbeiter?“, sagt Filz.

Globalisierung verantworten

Menschen in ihrer Heimatregion Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen – das bezeichnet auch Filz als einen wichtigen Teil unternehmerischer Verantwortung, gerade in Zeiten der Globalisierung. In lokal verwurzelten familiengeführten Unternehmen sei das Verantwortungsgefühl groß. Ein Unternehmer habe ihm gesagt: „Natürlich könnte ich – damals Polen und so weiter – günstiger produzieren. Aber wissen Sie: Ich habe hier eine Verantwortung in dieser kleinen Stadt“, so Filz. Durch Arbeitsverlagerung in das Ausland entstünden Arbeitsplatzverluste, die häufig nicht ausgeglichen werden könnten.

Auszubildende durch lebensnahe Erfahrungen fördern

Filz beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Personalentwicklung. Und er verweist auf Möglichkeiten, wie Betriebe im Rahmen der Ausbildung junge Menschen in ihrer Entwicklung stärken können. Der Wissenschaftler berichtet von einem Sunderaner Unternehmen, dass für seine Auszubildenden ein Camp organisiert, in dem sie Fliegen lernen oder Schauspiel ausprobieren können. „Das gehört mit zur Potentialentfaltung“, sagt Filz.

Lokale Verwurzelung als Chance und Risiko

Bei den Gesprächen mit den Menschen in Sundern fällt auf, dass sich viele schon seit ihrer Schulzeit kennen und Familien über Generationen miteinander verbunden sind. Darin sieht Filz sowohl Chancen als auch Risiken. Lokale Verwurzelung fördert die Fürsorge füreinander. Ein Risiko sei die Vetternwirtschaft. Filz: „Da kennt jemand einen, der einen kennt, und über diese Beziehungen kommt man dann in Unternehmen hinein, bekommt man einen Arbeitsplatz oder nicht“.

Veronika Eickelmann
IWB Sundern e.V.

Aus der Verbundenheit mit der Heimatregion erwächst für Unternehmer eine Verantwortung, die über das betrieblich Notwendige hinausgeht. Dazu gehört die Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements. Auch in solchen Vereinen, die sich gemeinnützigen Aufgaben widmen. Die Industriekauffrau Veronika Eickelmann engagiert sich im Verein IWB Sundern, der Elterninitiative für ein integratives Wohnprojekt für Menschen mit und ohne Behinderung. Zum Wohnen und Leben gehört der Bereich der Freizeitgestaltung. Im Gespräch darüber, wie hierfür die landschaftlich schöne Lage genutzt werden kann, kam den Ehrenamtlichen eine Idee.

Der IWB Sundern will acht Fahrräder beschaffen, die von Rollstuhlfahrern  – unterstützt von Menschen ohne solche Einschränkungen – genutzt werden können. Bei einem Zuschussgeber konnte die IWB Sundern mit ihrer Idee punkten und eine Förderung einwerben. Jedoch fehlte der notwendige Eigenanteil und das Projekt war bedroht. Hier halfen Unternehmen vor Ort.

Unkomplizierte Hilfe

Eickelmann wandte sich an das Unternehmensnetzwerk einsU und berichtet: „Da kamen in einem ‚Null-Komma-Nichts‘ viertausendvierhundert Euro zusammen von unterschiedlichsten Unternehmen. Da haben wir uns natürlich super darüber gefreut. Das war dann der Startschuss, unser Topf war voll.“

Mehr als Geld

Unternehmen unterstützen Vereine nicht nur mit Geld, sondern auch mit anderen Ressourcen. Acht Fahrräder für Menschen mit Behinderungen sollen nun angeschafft werden. Für vier Räder gab es eine Unterstellmöglichkeit, für vier weitere fehlte sie zunächst. Auch hier wandte sich Eickelmann an einsU und erlebt: „Das hat, glaube ich, keine Stunde gedauert, da kamen einige Rückmeldungen zurück. Und mit dabei war hier vom Schloss, vom Golfplatz, von der Familie von Wrede die Zusage: Wir möchten doch vorbeikommen, sie haben eine Scheune“.

Oliver Brenscheidt
on Metall GmbH

Oliver Brenscheidt gründete 2016 die on Metall in Sundern. Das Unternehmen erschließt außereuropäische Galvaniken für den deutschen Markt. Auch Brenscheidt ist im Unternehmensnetzwerk einsU engagiert und sieht hierin die Chance, Synergien zu nutzen – etwa im Sponsoring.

Arbeitnehmer: In Sundern schlummert Potential

„Wir haben zum einen das Potential, das hier in Sundern selber schlummert“, so der Unternehmer weiter, „wo es aber ganz schnell dahin geht, dass wir uns gegenseitig die Arbeitskräfte absaugen.“ Ziel müsse es deshalb sein, „dass Menschen von außen nach Sundern hineinpendeln oder vielleicht sogar hineinziehen.“ Das sei für ihn ein wichtiges Argument für die Mitgliedschaft bei einsU. Weiter sagt Brenscheidt: „Ich glaube, dass wir hier in Sundern durch die Lage und durch eine unschlagbare Kombination aus einer starken Wirtschaft und einer touristisch schönen Lage für junge Familien oder auch für ‚Digital Natives‘ und ‚digitale Nomaden‘ durchaus auch einen interessanten Arbeitsspielraum bieten können.“

Vertrauen und Offenheit als Netzwerkerfahrung

Was Unternehmensnetzwerke der Gesellschaft zu geben haben, liegt nicht nur im Monetären. Es sind auch Erfahrungen wie Vertrauen und Offenheit, die Unternehmer in ihr Umfeld transportieren – gerade in Krisenzeiten. „Ich glaube, dass man diesen Netzwerkgedanken – auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie – nochmals viel intensiver denken lernen muss.“ Brenscheidt weiter: „Dieses Netzwerk, das bedeutet Vertrauen und Offenheit. Das muss man mitbringen und das ist vielleicht, wovon die Gesellschaft profitieren kann“. Vertrauen und Offenheit stärke eine Gesellschaft gegenüber den langfristigen Folgen der Pandemie.

Unternehmertum braucht Raum

„Für uns als Unternehmen hier vor Ort in Sundern ist entscheidend, dass wir uns entwickeln können, und dass wir Zugänge bekommen. Entwickeln können ist immer eine Frage von Gewerbeflächen“, sagt Benscheidt. Die aktuell in Sundern ausgewiesenen Gewerbeflächen seien nahezu erschöpft. Benscheidt: „Wenn wir uns hier intern weiterentwickeln wollen würden, stoßen wir schnell an Grenzen.“ Für Unternehmen gehe es zudem um die Verbesserung der Verkehrsanbindung und der digitalen Infrastruktur.

Hans-Josef Vogel (CDU)
Regierungspräsident im Regierungsbezirk Arnsberg

Die Ausweisung neuer Gewerbeflächen ist für viele Unternehmer ein wichtiges Thema. Zum Austausch darüber mit den Mitgliedern von einsU kam der Arnsberger Regierungspräsident Hans-Josef Vogel nach Sundern. Vogel zeigte sich überzeugt, dass sich Landschaftsschutz und Gewerbeentwicklung miteinander verbinden lassen. Für wichtig hält es der Regierungspräsident, dass Unternehmen in ihrer Region sichtbar sind.

Im Zusammenhang mit der Sichtbarkeit der Unternehmen in Schulen sei wichtig, „gerade jetzt, wo es darum geht, dass wir endlich auch digitale Bildung neu an unseren Schulen organisieren, dass es hier eine enge Zusammenarbeit mit den Unternehmen vor Ort gibt“, sagt Vogel.

Sichtbarkeit der Unternehmen stärken

Junge Menschen sollten erfahren, welche Beschäftigungsmöglichkeiten sich ihnen vor Ort böten und wie Betriebe sich weiterentwickelt hätten. „Das diese Unternehmen hier nicht nur europaweit, sondern global agieren, das ist spannend für junge Leute, aber viele wissen es nicht. Und deshalb brauchen wir eine engere Zusammenarbeit, wo Mittelständler Schulen und die Entwicklung an Schulen unterstützen.“

Plädoyer für Bündnisse bei der Regionalentwicklung

Worin liegt der Beitrag, den Unternehmen in ihrer Stadt leisten können? Für den Regierungspräsidenten spielt die Beteiligung der Unternehmer an der Regionalentwicklung eine wichtige Rolle. Vogel plädiert dabei für Bündnisse.

„Zunächst einmal geht es um die Weiterentwicklung der Region. Regionalentwicklung, Stadtentwicklung, die kann man nicht anordnen, die kann man nicht von oben befehlen“, sagt Vogel. „Man kann Ziele kommunizieren und sich dann gemeinsam mit Unternehmen, mit der Zivilgesellschaft, mit Vereinen auf gemeinsame Ziele einigen.“ Wie Vogel sagt, leisten Unternehmen etwa durch die Architektur ihrer Gebäude einen Beitrag zum Stadtbild. Unternehmen könnten Infrastrukturerfordernisse aufzeigen. „In Zukunft wird es daran liegen, dass wir viel mehr Bündnisse machen, dass wir uns viel mehr vernetzen – Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Staat.”

Beteiligungen ermöglichen

Politik gestaltet Rahmenbedingungen für das unternehmerische Engagement – auch für ihre Region. Städte und Kreise sollen Beteiligungen ermöglichen und so die Affinität der Unternehmer für ihren Standort nutzen. Vogel weiter: „Zunächst müssen die tradierten Verfahren geöffnet werden. Es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, wie man sich konkret einbringen kann“. Staatliche Akteure könnten in solchen Prozessen eine Geschäftsführer-Funktion übernehmen und Impulse von außen einbeziehen. „Ich erlebe immer wieder eine große Bereitschaft gerade der kleinen und der mittleren Unternehmen hier mitzumachen, weil es ihr eigener Heimatort ist“, sagt Vogel.

In Kooperation Werte schaffen – sichtbare und unsichtbare

In Sundern wird ein Unternehmensnetzwerk erfahrbar, dessen Mitglieder und zivilgesellschaftliche Partner mit der Netzwerkarbeit zufrieden sind. Während die Firmen einerseits um junge Menschen als Auszubildende konkurrieren, können sie andererseits durch ihr gemeinsames Engagement das Wissen junger Menschen um Ausbildungsangebote am Ort verbessern und den Übergang zwischen Schule und Beruf fördern. Und auch wenn es darum geht, die Attraktivität der Heimatregion zu stärken, zivilgesellschaftliche Akteure zu unterstützen und bei lokalpolitischen Entscheidungsträgern Gehör zu finden, sind Unternehmen gemeinsam deutlich erfolgreicher. In nachhaltigen Verbünden können Unternehmen in ihrer Region zu Akteuren werden, die mit Vereinen und der Politik gemeinsam Zukunft gestalten und Werte schaffen. Manche dieser Werte kann man dann sehen – wie die Fahrräder für Menschen mit und ohne Behinderungen. Andere Werte bleiben zunächst unsichtbar – wie Offenheit und Vertrauen.

Mitglieder des Unternehmensnetzwerks einsU erleben sich als regional verantwortliche Akteure. Mit 23 Mitgliedern erweist sich der Verbund, der aktuell 70 Prozent der Arbeitsplätze in produzierenden Unternehmen in Sundern umfasst, als arbeitsfähig. Für die Mitgliedschaft weiterer Unternehmen bleibt einsU offen.

regional-engagiert.de

Was bietet regional-engagiert.de? Der nachfolgende Filmclip stellt die Plattform für das regionale Unternehmensengagement vor.

Hinterlassen Sie einen Kommentar