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Autoindustrie: Kaufprämien auch für Diesel- und Benzinautos

Denys Nevozhai auf Unsplash

Autogipfel kommenden Dienstag mit Bundeskanzlerin Merkel

Berlin (AFP) – Die Debatte um die Ausgestaltung möglicher Staatshilfen für die kriselnden deutschen Autobauer nimmt an Fahrt auf: Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) forderte am Mittwoch eine Kaufprämie nicht nur für Elektro- und Hybridautos, sondern auch für Diesel- und Benzinfahrzeuge. Auch moderne Verbrennungsmotoren lieferten einen “erheblichen Beitrag für Umwelt- und Klimaschutz”, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Ein Autogipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) findet kommenden Dienstag statt.

VDA-Präsidentin Müller sagte im Deutschlandfunk, die Autoindustrie sei den Klimazielen verpflichtet und investiere Milliarden in die E-Mobilität. Derzeit sei es aber noch “unrealistisch, nur Elektroautos und Plug-in-Hybride abzusetzen”. Viele Verbraucher könnten sich kein Elektroauto kaufen, etwa weil die Infrastruktur dafür fehle. Deshalb müssten “moderne Verbrenner weiter unterstützt und gefördert werden”.

Müller verwies darauf, dass es derzeit zwar “ein hohes Besichtigungsinteresse” gebe, aber “kein großes Käufervertrauen”. Die Verbraucher seien verunsichert, was ihre eigene Zukunft angehe. Es sei “wichtig, dass es wieder Käufervertrauen gibt”. Daher brauche die Industrie eine “Neustartprämie”. Über deren Form müsse nun diskutiert werden.

In der Debatte um möglichen Hilfen für die Autobauer gehe es nicht nur um Kaufprämien, fügte Müller hinzu: “Es gibt für Nutzfahrzeuge zum Beispiel die Möglichkeit von Sonderabschreibungen. Das hilft vielen in Handel, Handwerk und Gewerbe.”

Bereits vergangene Woche hatte Deutschlands größter Autobauer Volkswagen für die schnelle Einführung einer staatlichen Förderprämie plädiert -auch für moderne Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

DGB-Chef Reiner Hoffmann plädierte dafür, eine mögliche Auto-Kaufprämie an moderne Antriebe zu knüpfen: Konjunkturhilfen müssten “intelligent mit den Anforderungen von Klimaschutz und Digitalisierung” verbunden werden, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. “Für die Automobilindustrie wäre dies beispielsweise eine gezielte Unterstützung von Elektromobilität und Wasserstoff-Antriebssystemen.”

Eine Abwrackprämie, wie Käufer sie nach der Finanzkrise 2009 bekamen, lehnt Hoffmann ab. “Wir haben heute eine andere Situation als in der Finanzmarktkrise”, sagte er der Funke Gruppe. Damals habe die Autoindustrie in besonderem Maße gelitten. “In der Corona-Krise erleben wir aber, dass alle Branchen betroffen sind.” Es müsse daher differenziert werden. Neben Konjunkturhilfen müsse es auch ein “Zukunftsinvestitionsprogramm” geben, das die richtigen Weichen stelle, sagte der DGB-Chef.

Gegen eine Neuauflage der Abwrackprämie hat sich bereits auch ein Verbändebündnis gestellt: Der Autogipfel von Bundesregierung und Automobilindustrie am kommenden Dienstag dürfe nicht erneut zu “klimaschädlichen Auto-Kaufprämien auf Kosten der Steuerzahler” führen, forderten die Allianz pro Schiene, der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der Autoclub ACE, der Fahrgastverband Pro Bahn oder der Verkehrsclub VCD.

Allianz-pro-Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege forderte stattdessen eine “Mobilitätsprämie”, die den Verbrauchern die Wahl und die freie Entscheidung überlasse zwischen einem neuen Auto und der Investition in klimafreundliche Verkehrsmittel. “Wer will, kann sich mit dieser staatlichen Förderung Abos für den Öffentlichen Personenverkehr kaufen oder auch Elektro-Bikes.”

Merkel werde am Dienstagvormittag in einer Telefonkonferenz mit Vertretern der Autoindustrie sprechen, kündigte Regierungssprecherin Ulrike Demmer an. Dies geschehe “im Rahmen eines regelmäßigen Austausches”. Einen Beschluss über mögliche konjunkturbelebende Maßnahmen “wird es da nicht geben”. Bereits am Donnerstag wollen die großen Autoländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen über die Folgen der Corona-Krise für die Branche beraten.

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