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Deutscher Heimtiermarkt gefährdet seltene Reptilien

Peter Scholten auf Unsplash

Studie zeigt Handlungsbedarf bei Schutz exotischer Wildtiere

Berlin (AFP) – Die zunehmende Nachfrage nach exotischen Wildtieren auch für den deutschen Heimtiermarkt gefährdet seltene Reptilien und Amphibien. Der Wildtierhandel stelle ein zusätzliches Risiko für den Bestand zahlreicher Arten dar, wie eine am Montag veröffentlichte Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamts für Naturschutz (BfN) unterstreicht. Zudem spiele der Handel mit Exoten eine wesentliche Rolle bei der weltweiten Verbreitung von Krankheitserregern und Viren, neu aufkommenden Infektionskrankheiten und Tierseuchen.

Für 75 Prozent der in Deutschland angebotenen Arten gibt es demnach derzeit keine internationalen Schutzbestimmungen und damit keine Handelskontrollen. Gerade bei Reptilien und Amphibien würden viele Arten angeboten, die sehr selten, gerade neu entdeckt und damit noch nicht unter Schutz gestellt oder ohnehin schon stark gefährdet seien, etwa wegen des Verlusts ihres Lebensraums. Oft sei auch nicht nachvollziehbar, ob die angebotenen Tiere der Natur entnommen seien oder aus einer Zucht stammten.

“Diese Nachfrage ist viel zu hoch, das darf nicht so bleiben”, erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Auf europäischer und nationaler Ebene müssten zusätzliche Maßnahmen geprüft werden, um die Nachfrage nach gefährdeten Wildtierarten zu reduzieren. Handel und Halterverbände sollten dazu aufrufen, nur echte Nachzuchten zu kaufen statt Wildfänge. Bedrohte Arten ohne gesicherte, legale Herkunft sollten gemieden werden, empfiehlt die Organisation Pro Wildlife in ihrer Studie.

Das Bundesamt für Naturschutz sieht Handlungsbedarf vor allem im Bereich des Onlinehandels. Dieser vergrößere den Kreis potentieller Kunden und Anbieter erheblich und erleichtere den Kauf von Wildtieren vor allem durch Spontankäufe. Oft fehle es bei den Kunden am Bewusstsein, dass der Fang und damit der Kauf von exotischen Wildtieren “nicht nur einzelnen Arten schadet, sondern auch Lebensräume beeinträchtigen oder sogar zerstören kann”, warnte BfN-Präsidentin Beate Jessel.

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