34.CSR-MAGAZIN Digitalisierung

Die große Beschleunigung

noor Younis auf Unsplash

Über den bewussten Umgang mit der Zeit und anderen Ressourcen

Wir haben unser eigenes planetares Zeitalter geschaffen, das Anthropozän: Die Menschheit ist in wenigen Jahrzehnten zu einem maßgeblichen geologischen Faktor geworden. Wir haben im Namen des Wohlstands alles beschleunigt. Diese Beschleunigung und die Vermehrung und Ausdehnung materieller Güter fordert einen besonnenen Umgang mit der Zeit und mit natürlichen Ressourcen.

Von Feyza Morgül

Fortschreitende Technisierung, wachsender Fortschritt und steigende Produktion brachten immer mehr Menschen schnelleren Zugang zum Konsum, eine nie dagewesene Vielfalt und Auswahl. Die Weltbevölkerung wuchs dabei ebenso wie der Verbrauch an den fossilen Energieträgern Kohle, Erdöl und Erdgas, der weltumspannende Handel und Transport und unsere Mobilität, die globale Vernetzung und die digitale Kommunikation. Sie brachten Veränderungen, ja Umbrüche ins Büro und bis nach Hause. Die Welt ist zu einem Dorf geworden. Wir kommunizieren in Echtzeit, produzieren zeitnah und transportieren „same Day“.

Digitalisierungschancen bleiben ungenutzt

Die Beschleunigung von Informationen und die Digitalisierung können hilfreich sein, um Wege aus der aktuellen Umweltkrise zu finden. Uwe Schneidewind, ehemaliger Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, sieht in der Digitalisierung den „Motor einer Ökonomie des Teilens“. Doch noch fördert der digitale Raum die Vermehrung von Informationen und Produkten.

Ökologisch gesehen sollte die Wirtschaft eine Pause einlegen. Doch das aktuelle Problem ist: Technologische Entwicklungen und Effizienzsteigerungen bremsen das Wachstum nicht. Höher – schneller – weiter zählt auch im Digitalen. Wer ist denn so weit, seinen persönlichen Konsum drastisch zu reduzieren? Wer teilt, statt zu kaufen, oder tauscht, repariert, recycelt richtig?

Für die Einhaltung der Grenzen unseres Ökosystems müssen wir uns unter anderem auf „Ressourcenleichtigkeit in der Wertschöpfung“ einstellen, so Schneidewind in seinem Buch „Die große Transformation“.

Nach der Klimaforschung stehen jedem Menschen zwei Tonnen CO2 Ausstoß pro Kopf und Jahr zur Verfügung, um das 2-Grad-Ziel einzuhalten. Tatsächlich lag der durchschnittliche Pro-Kopf-Ausstoß 2017 bei knapp neun Tonnen CO2. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Ressourcen-Verbrauch liegt übrigens bei 30 Tonnen pro Jahr. Erforderlich ist eine Reduktion um den Faktor 4.

Change Agents und Start-ups

Tim Heiler (Iconstorm)

Um neue Wege der Wertschöpfung auszuprobieren, sind Prozessgestalter, Change Agents, Wissenschaftler und Unternehmer gleichsam gefragt. Tim Heiler, Design Director der Strategic Design Agentur für Transformative Innovationsprozesse Iconstorm, beschäftigt sich unter anderem mit lernenden Organisationen und Innovationskultur. Er sieht in der technologischen Beschleunigung viel Potential durch lernende Systeme. „Für mich hängt das mit sich bereichernden Netzwerkeffekten zusammen. Ja, Digitalisierung kann ganze Prozesse effektiver und menschenfreundlicher gestalten. Das geht digital, aber betrifft gleichzeitig auch globale Infrastrukturen wie Straßen und Strom et cetera.“ Heiler weiter: „Mit zunehmender Vernetzung und Beschleunigung entsteht ein irres Grundrauschen. Der wesentliche Punkt für Ruhe ist hierbei die Reflexion und Standortbestimmung. Ein Gefühl für die Faktenlage bekommen, adaptiv und responsiv sein zu können.“


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Autorin

Feyza Morgül ist Geschäftsführerin von Opera Civil und des Bauernmarktes Frankfurter Marktverein e.V. und publiziert zu Nachhaltigkeitsthemen (fm@opera-civil.de).

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