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Informationskaskaden haben ausgedient

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Die Digitalisierung bietet neue Instrumente zur Kommunikation mit den Mitarbeitern, vor allem aber der Mitarbeiter untereinander.

Dies geht an Organisationen und Unternehmen nicht spurlos vorbei: Hierarchien werden flacher oder entfallen. Welche Erfahrungen bietet die Praxis?

Von Charlotte Schmitz

„unplugged“ nennt sich ein Kommunikationsformat der Otto-Gruppe, bei dem sich einer der Geschäftsführer vor 500 Mitarbeiter stellt und genau das tut, was der Name suggeriert: „unplugged“, ohne Verstärker durch die Unternehmenskommunikation, erklärt er den Otto-Beschäftigten, wie die Strategie des Unternehmens aussieht und wo die einzelnen Projekte stehen. Bei Bedarf holt er sich Fachleute mit auf die Bühne, die Details erläutern. „Total offen“ gehe es dabei zu, sagt Otto-Pressesprecher Martin Frommhold, „die spielen kein Theater.“ Ein neues Format, das ganz ohne Digitalisierung funktioniert, weil es persönlich ist, aber dennoch ohne diese vermutlich nie entstanden wäre.

Netzwerkkommunikation: schnell & direkt

„Kaskadenkommunikation ist out“, erklärt Prof. Lothar Rolke von der Hochschule Mainz. Er hat 2019 gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Faktenkontor 288 Profis in deutschen Unternehmen gefragt, wie exzellente Kommunikation aussieht. „Wir sehen, dass es nicht mehr funktioniert wie früher, als der Vorstand die erste Führungsebene informierte, dieser die zweite Ebene und diese dann die Mitarbeiter.“ Jetzt gehe es um „Netzwerkkommunikation“, um intensiven und schnellen Informationsaustausch unabhängig von Hierarchien, sagt der Forscher. Möglich wird dies durch die digitalen Medien: Intranet, Foren, Kollaborationstools.

„Die jüngeren Menschen gehen anders mit Kommunikation um, sie erwarten von ihrem Arbeitgeber nicht nur die Möglichkeit zur Interaktion, sondern auch moderne Hardware“, hat Rolke in seiner Studie gelernt. Britische PR-Agenturen haben seiner Erfahrung nach bereits reagiert und senden Unternehmen Hinweise auf neue Apps, etwa für das Monitoring von Webseiten – die diese dann ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen können.

Hierarchien wirken störend

Mit der direkten Kommunikation werden Hierarchien weniger wichtig, ja sogar störend. „Hierarchie ist zu langsam, sie frisst zu viele Ressourcen und Energie“, so Rolke. An die Stelle der Hierarchie müsse Eigenverantwortung treten. „Gute Abteilungsleiter haben ihren Mitarbeitern immer schon viel Freiheit gelassen.“ Die Mitarbeiter hingegen sind gefordert, auf allen Kanälen zu reagieren: Hier kommt eine E-Mail rein, dort poppt eine Nachricht aus einem Forum auf und gleichzeitig signalisiert das Smartphone eine neue WhatsApp. Und das sind nur einige der Wege, auf denen Botschaften auf sie einstürmen. „Hier sind neue Fähigkeiten der Mitarbeiter gefordert, sich Freiräume zu schaffen für das operative Geschäft“, stellt Rolke fest.

„Das Miteinander und das Akzeptieren von Meinungen ist wichtiger als Hierarchie“, bekräftigt Gunther Schunk von der Vogel Communications Group. Der Verlag für Fachmedien hat große Veränderungen durchgemacht: Von einer Schritt-für-Schritt-Produktion mit totaler Überprüfbarkeit und abgegrenzten Verantwortungen hin zu einer projektorientierten Arbeitsweise. „Redakteure und Business Developer arbeiten Seite an Seite zusammen, keiner ist wichtiger als der andere“, verdeutlicht Schunk. „Man muss auch Fehler zulassen und Verantwortung gemeinsam tragen.“

Umfassendere Wertekommunikation

Die Instrumente der internen Kommunikation haben sich bei der Vogel Communications Group vervielfacht. Formate wie ein Stand-up-Meeting mit der Geschäftsführung oder ein Learning Lunch treten neben den E-Mail-Newsletter. „Es wird mehr informiert, aber nicht in Form reiner Verkündung, sondern immer dialogorientiert“, betont Schunk. Die sieben Standorte der Vogel Gruppe seien stets in Kontakt und haben Themengruppen gebildet. „So können sich etwa alle Layouter standortübergreifend miteinander verständigen.“

Schunk sieht in der verstärkten internen Kommunikation auch die Chance, Werte des Unternehmens wie Nachhaltigkeit umfassender zu kommunizieren. „Aufgabe der internen Kommunikation ist es auch, Verantwortung zu übernehmen und Werte zu kommunizieren, etwa die Mitarbeiter auf einen Präventionstag gegen Burn-out aufmerksam zu machen.“ Jüngere Mitarbeiter erwarteten dies zunehmen. In der wachsenden Bedeutung von Werten sieht Schunk eine Gegenbewegung zur Digitalisierung. „Ein gemeinsames Fußballspiel gegen einen Charity-Verein ist eine analoge Erfahrung, das kann man nicht weg-digitalisieren.“ Für den Austausch über das Event, das Zeigen von Fotos und die Freude über das Ergebnis hingegen eignen sich wiederum die internen Portale.


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