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Keine Alternative zur Atomenergie in Frankreich

kalhh auf pixabay

Land produziert weiter 70 Prozent seines Stroms in Kernkraftwerken

Von Stephanie Lob

Paris (AFP) – Aus nach 43 Jahren: In der Nacht zu Samstag wird der erste Reaktor des ältesten französischen Atomkraftwerks im elsässischen Fessenheim nahe der deutschen Grenze heruntergefahren. Ende Juni soll das Kernkraftwerk endgültig abgeschaltet werden. Auch danach bleibt Frankreich so stark wie sonst kein Land der Welt von der Atomenergie abhängig:

58 Reaktoren

In Frankreich sind derzeit 58 Atomreaktoren in Betrieb. Nach Angaben des Netzbetreibers RTE standen sie im vergangenen Jahr für rund 71 Prozent der Stromproduktion. Das ist mit Abstand der größte Anteil weltweit. Neben den beiden Reaktoren in Fessenheim haben auch andere die vorgesehene Altersgrenze von 40 Jahren bereits überschritten.

Atomkraft als „Klimaretter“

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hält die Atomkraft für entscheidend zum Klimaschutz, da sie keine Treibhausgase erzeugt. Er wirbt dafür, Europa bis zum Jahr 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt zu machen. Dabei sieht er die Atomkraft als zentralen “Teil des Übergangs”, wie er zuletzt beim EU-Gipfel in Brüssel bekräftigte.

Pläne zum Teilausstieg

Den geplanten Teilausstieg aus der Atomkraft hat Macron aufgeschoben: Insgesamt 14 Reaktoren sollen bis 2035 abgeschaltet werden, darunter auch die beiden in Fessenheim. Der Atom-Anteil an der Stromerzeugung soll damit von derzeit gut 70 auf 50 Prozent sinken. Die sozialistische Vorgängerregierung wollte dieses Ziel bereits 2025 erreichen, also zehn Jahre früher.

Vorerst keine neuen AKWs

Neue Atomkraftwerke sollen vorerst in Frankreich nicht gebaut werden. Die Entscheidung sei bis Ende 2022 aufgeschoben, sagte kürzlich Energieministerin Elisabeth Borne – bis nach der ersten Amtszeit von Präsident Macron. Dann soll auch über einen möglichen Ausbau der erneuerbaren Energien entschieden werden. Deren Anteil an der Stromerzeugung lag zuletzt bei rund 22 Prozent. Seine letzten vier Kohlekraftwerke will Frankreich ebenfalls 2022 schließen.

Debakel um das „Vorzeigeprojekt“ Flamanville

Ursprünglich wollte Frankreich sechs neue Atomreaktoren bauen. Doch nach dem Debakel um das einstige Prestigeprojekt im nordfranzösischen Flamanville hat die Regierung die Reißleine gezogen. Beim Bau des neuartigen Druckwasserreaktors gab es Mängel und massive Sicherheitsbedenken der Atomaufsicht in Paris. Die Kosten haben sich auf 12,4 Milliarden Euro nahezu vervierfacht.

Die Inbetriebnahme ist laut dem Betreiber EDF nun frühestens Ende 2022 möglich, zehn Jahre nach dem ursprünglich geplanten Start. Ein Expertenbericht im Auftrag der Regierung hatte das Projekt kürzlich als “Misserfolg” bezeichnet.

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