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Die Oscars werden grüner

Ahmet Yalçınkaya auf Unsplash

In puncto Klimafreundlichkeit könnte die Filmbranche jedoch noch viel mehr tun

Von Andrew Marszal

Los Angeles (AFP) – Süßkartoffel-Tempura mit Minz-Koriander-Knoblauchsauce, Gemüse-Couscous und Aubergine an Hunan-Sauce auf einem Bett aus schwarzem Reis. Das sind nur drei von 18 veganen Gerichten, die bei der Oscar-Verleihung am Sonntag serviert werden. Während bislang Steaks zum Standard gehörten, soll das Essen dieses Jahr zu 70 Prozent aus pflanzlichen Zutaten bestehen. Auch sonst wollen die Oscars und Hollywood klimafreundlicher werden.

Diesen Eindruck erwecken zumindest die Galas der Preisverleihungen dieser Saison. Schon bei den Golden Globes, den Preisen der US-Schauspielergewerkschaft und auch beim Kritikerpreis gab es veganes Essen.

US-Schauspieler Joaquin Phoenix, der dieses Jahr auf einen Oscar als bester Hauptdarsteller hoffen kann, lobte diesen “mutigen und engagierten” Schritt. Zum ersten Mal in seiner Karriere habe es bei den Golden Globes auch etwas für ihn, den langjährigen Vegetarier, zu Essen gegeben. Auch die Schauspieler Leonardo DiCaprio und Mark Ruffalo, die sich beide für den Klimaschutz einsetzen, freuten sich über das klimafreundliche Menü.

Klimaforscher begrüßen den Trend ebenfalls. Das sei “wirklich wichtig für Hollywood” und “ermutigend”, sagt Brenda Ekwurzel von der Wissenschaftlervereinigung Union of Concerned Scientists. Menschen zu überzeugen, ihre Essgewohnheiten zu ändern, sei einer der besten Wege, den Kohlendioxid-Autstoß zu verringern.

Wenn 1500 Gala-Gäste Pflanzliches statt Fleisch äßen, spare das bis zu 15 Tonnen des Treibhausgases CO2, sagt der Klimaforscher Peter Kalmus. Außerdem könnten Stars, die sich für den Klimaschutz einsetzen, die Öffentlichkeit und sogar die Politik beeinflussen.

Anderen erscheint das pflanzliches Essen bei den Galas als grünes Deckmäntelchen. Der Verzicht auf Fleisch mache nicht die Umweltverschmutzung einer Branche wett, die für Festivals in Cannes, Venedig oder Toronto um die Welt jettet, sagen Kritiker.

“Es ist problematisch, über die Klimakrise zu sprechen, wenn man im Privatjet unterwegs ist”, sagt Peter Kalmus. Aber manche Stars sind in ihrem Engagement für die Umwelt konsequent. So kündigte die australische Schauspielerin Yael Stone, bekannt aus der US-Serie “Orange is the New Black”, aus Gründen des Umweltschutzes künftig nicht mehr in den Vereinigten Staaten zu drehen.

“Es ist unethisch, ein Leben in zwei Ländern zu führen”, sagte sie. Zwei Hin- und Rückflüge zwischen Australien und den USA in der Business Class belasten die Umwelt laut Kalmus mit zwischen zwölf und 24 Tonnen Kohlendioxid. Es gehe aber nicht nur darum, weniger Treibhausgase auszustoßen, sagt der Wissenschaftler. Es sei eine starke Botschaft, “den Planeten über die eigene Karriere zu stellen”.

Die Stars könnten auch bei Dreharbeiten auf Klimaschutz bestehen, sagt Ekwurzel. Am Set werde viel Energie verbraucht, die besser aus erneuerbaren Quellen stammen sollte. Auch beim Transport könnten Emissionen eingespart und bei der Verpflegung Müll vermieden werden, schlägt Ekwurzel vor. “Diese Leute haben die größte wirtschaftliche Macht, ihre hohen Emissionen zu reduzieren”, mahnt die Wissenschaftlerin.

Möglichkeiten, seinen ökologischen Fußabdruck als Film-Promi zu verringern, gibt es viele. Schauspieler Phoenix will bei allen Preisverleihungen dieser Saison den selben Smoking tragen. Stella McCartney, Designerin des Smokings, findet die Idee klasse. Für den britischen Comedian und Moderator der Golden Globes, Ricky Gervais, bietet das hingegen Anlass zum Scherzen. “Das ist doch gar nichts”, witzelte er. “Ich stopfe meine Socken und Sie sollten erst mal sehen, in welchem Zustand meine Unterhosen sind!”

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