Medien Nachrichten

Französische Medien unterzeichnen Kodex gegen Sexismus

Claudio Schwarz auf Unsplash

Im deutschen Journalismus ist Sexismus subtiler.

Paris (AFP / CSR-NEWS) – Knapp 60 Vertreter der französischen Medien und Kultur haben am Dienstag einen Verhaltenskodex gegen sexuelle Belästigung und Sexismus unterzeichnet. An der Zeremonie im Kulturministerium nahmen unter anderem Vertreter von Zeitungen wie “Le Monde” und “Le Figaro”, von großen Produktionsgesellschaften wie Endemol/Shine, von Festivals wie Cannes oder Séries Mania, der Musiklabels Universal Music France und Warner Music sowie von Facebook teil.

Der Verhaltenskodex ist eine Konsequenz aus dem Skandal um die sexistische Facebook-Gruppe namens “Ligue du LOL” (LOL-Liga): Im vergangenen Februar war bekannt geworden, dass die rund 30 Journalisten in der Gruppe über Jahre hinweg Kolleginnen und Kollegen der Lächerlichkeit preisgegeben und massiv beleidigt haben. Zu den Opfern der meist sexistischen Angriffe zählten Feministinnen, Beauty-Bloggerinnen, aber auch männliche Autoren und YouTuber.

Wenige Woche nach Bekanntwerden der Affäre stellte der Verband “Für die Frauen in den Medien” (PFDM) den Verhaltenskodex vor. Schon damals wurde er von 17 namhaften Medienkonzernen unterzeichnet. Die Unterzeichner verpflichten sich, Mitarbeiter über sexuelle Belästigung aufzuklären und Opfern oder Augenzeugen eine Anlaufstelle zu geben, an die sie sich wenden können.


Für CSR NEWS kommentiert Tong-Jin Smith, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am IpuK der FU Berlin und Professorin für Journalismus an der HMKW Berlin, das Thema aus deutscher Perspektive:

Sexismus ist im Journalismus meistens nicht so offensichtlich wie im Fall der Facebook-Gruppe „Ligue du LOL“. Er ist in der Regel viel subtiler, zumindest in Deutschland. Ein Beispiel dafür ist etwa, wie in einer Redaktion Themen vergeben werden, wer über was berichtet oder wer auch in einem Ressort arbeitet. Es gibt Themen und Ressorts, die man als „weich“ bezeichnen kann. Hier ist nicht selten der Frauenanteil höher als in „harten“ Ressorts wie Politik und Wirtschaft, wobei ich sagen muss, dass es durchaus besser wird. Nichtsdestotrotz fallen mir nicht viele Frauen ein, die Chefredakteurinnen sind. Sogar viele Frauenmagazine werden von Männern geleitet. Andererseits gibt es auch Fälle, in denen Sexismus ganz offen zum Tragen kommt, etwa wenn eine Reporterin von ihrem Chef gesagt bekommt, dass sie nicht – wie geplant – eine Reportage über ein Eishockey-Team machen darf, weil sie eine Frau ist und man sie nicht ernst nehmen würde. Ebenso gilt es immer noch fast als Sensation, dass Reporterinnen über Männerfußball berichten bzw. Spiele kommentieren. Frauen im Fernsehen ist nochmal ein ganz eigenes, zum Teil recht problematisches Thema, weil es da um stereotype Rollenverteilungen geht, die schlicht nicht zeitgemäß sind.

Sexismus ist aber nicht das einzige Problem, das wir im deutschen Journalismus hinsichtlich Diversity haben. Da gibt es noch weitere Baustellen bezüglich sozio-ökonomischer und ethnischer Herkunft. Aber das ist ein anderes Thema.

Hinterlassen Sie einen Kommentar