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Nachhaltigkeit statt schneller Deals

Damian Markutt auf Unsplash

Klimaschutz steht auch in Davos ganz oben: Weltwirtschaftsforum startet am Dienstag zum 50. Mal

Von Aurélia End

Davos (AFP) – Mehr als ein Treffen der Reichen im malerischen Skiort: Wenn ab Dienstag im schweizerischen Davos zum 50. Mal Experten und Entscheider beim Weltwirtschaftsforum (WEF) zusammenkommen, soll es nicht nur um schnelle Deals und Cocktailpartys gehen, sondern auch um den Klimawandel und einen nachhaltigeren Kapitalismus. Das versprechen zumindest die Organisatoren der gleichnamigen Stiftung rund um ihren deutschen Gründer Klaus Schwab.

Sie wollen die Marke WEF erwachsen machen und die Folgen der Globalisierung in den Blick nehmen. Das scheint auch notwendig: Im Vergleich zum ersten Forum im Jahr 1971 ist die Weltbevölkerung mit 7,7 Milliarden Menschen mehr als doppelt so groß, Chinas Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung über fünf Mal – und die Durchschnittstemperaturen sind etwa ein Grad höher.

Themen gibt es zur Genüge für die Unternehmer, Politiker und sonstigen Prominenten in Davos. Das WEF erwartet nach eigenen Angaben insgesamt rund 2800 Teilnehmer und 53 Staats- und Regierungschefs, darunter US-Präsident Donald Trump und Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Neben Vertretern von Unternehmen wie Microsoft, Google oder Blackrock sind auch die Klimaaktivistin Greta Thunberg und Micah White dabei, einer der Mitgründer der antikapitalistischen Bewegung Occupy Wall Street. Seine Teilnahme sei zwar “rufschädigend” für ihn, sagte White im Vorfeld – gleichwohl sprach er sich für ein “schwieriges Bündnis” von Aktivisten und Wirtschaftselite aus.

Das Wirtschaftsforum habe sich zu einer Art “Speed-Dating” für führende Unternehmer und Politiker entwickelt, sagte der ehemalige EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici der AFP. Das Bestreben des 81-jährigen Wirtschaftswissenschaftlers Schwab, Themen wie Klimawandel und Einkommensungleichheit in die Agenda aufzunehmen, sei ein “aufrichtiger” Versuch, den Dialog zu verbessern.

Doch längst nicht alle überzeugt, wofür das WEF in seinem 50. Jahr steht. “Angesichts scharfer Kritik hat das Forum eine Charmeoffensive gestartet”, erklärte Olaf Bandt, Vorsitzender der Umweltschutzorganisation BUND. Bekenntnisse “zu mehr Klimaschutz sowie zu Menschenrechts- und Umweltstandards in globalen Lieferketten” seien aber nur “Augenwischerei”, urteilt er.

Nachdem im vergangenen Jahr die hohe Zahl an Privatjets anreisender Teilnehmer auch für Kritik am ökologischen Fußabdruck des Wirtschaftstreffens selbst gesorgt hatte, sollen für das Kongresszentrum in diesem Jahr Solarenergie und Geothermie zum Einsatz kommen, ebenso ein neuer Bahnhof für die Anreise per Shuttlezug.

Im Zuge der Sicherheitsvorkehrungen sind bis zu 5000 Soldaten im Einsatz. Nach Angaben des Schweizer Senders SRF werden die Kosten für die Veranstaltung auf 45 Millionen Franken (knapp 42 Millionen Euro) geschätzt. Wer Mitglied oder Partner der WEF-Stiftung werden will, muss als Unternehmer bis zu 600.000 Franken (knapp 560.000 Euro) zahlen.

Wie groß genau die Lücke zwischen Rhetorik und Realität rund um das Wirtschaftsforum am Ende ist, wird sich zum Start am Dienstag ebenso wenig quantifizieren lassen wie in der Nachbetrachtung. Doch manche befürworten allein schon die große Bühne als Möglichkeit, Gutes zu tun.

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