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Lieferketten: NGOs kritisieren Textilbündnis

Qualitätskontrollen in einer Textilfabrik in Bangladesch (Achim Halfmann / CSR NEWS)

Transparenz entlang der Produktionsstufen keine Pflicht für dessen Mitglieder

Berlin (csr-news) – Eine NGO-Initiative wirft dem deutschen Textilbündnis und zwei anderen Nachhaltigkeitszusammenschlüssen Versäumnisse vor. “Textilbündnis sowie amfori/BSCI und SAC tun nichts in Sachen Transparenz; sie haben sich auch nicht dazu bekannt, in Zukunft transparenter zu arbeiten.” So heißt es in der deutschen Übersetzung des Bericht „Fashion’s Next Trend: Accelerating Supply Chain Transparency in the Garment and Footwear Industry“, den die Clean Clothes Campaign, Human Rights Watch und andere NGOs verfassten und zu dem Femnet in dieser Woche die deutschsprachige Zusammenfassung vorgelegt hat.

Gelobt werden die Unternehmen: “Textilunternehmen haben in den vergangenen Jahren große Fortschritte hin zur Offenlegung von Informationen über ihre Lieferketten gemacht”, schreibt Femnet. 2016 haben sich neun Arbeits- und Menschenrechtsorganisationen zusammengeschlossen und in einem “Transparency Pledge” Mindeststandards für die Transparenz in Lieferketten definiert. 2017 befragten die NGOs dazu Textilunternehmen. Der nun vorgelegte Nachfolgebericht zeige, dass von den 74 kontaktierten Unternehmen bislang 39 ihre Praktiken am „Transparency Pledge“-Standard ausgerichtet oder sich verpflichtet hätten, dies zu tun, so Femnet. Die Femnet-Vorsitzende Gisela Burckhardt bezeichnete dies gegenüber der Presse als einen wichtigen „Schritt in die richtige Richtung, denn Transparenz hilft dabei, Arbeitsrechtsverletzungen in den Lieferketten der Bekleidungsindustrie zu erkennen und dagegen vorzugehen“.

Seit 2018 steht das NGO-Bündnis mit sieben Responsible Business Initiativen im Dialog und will diese dafür gewinnen, die Beachtung des „Transparency Pledge”-Standards zur Bedingung für eine Mitgliedschaft in den Initiativen zu machen. Dem sei etwa die US-amerikanische Fair Labour Association (FLA) nachgekommen: Deren Mitgliedsunternehmen sollen bis März 2022 den „Transparency Pledge“-Standard erfüllen. Das deutsche Textilbündnis hingegen habe – ebenso wie amfori/BSCI und die Sustainable Apparel Coalition (SAC) – keinerlei Schritte unternommen, um Transparenz in den Lieferketten zur Bedingung für eine Mitgliedschaft zu machen.

Dazu erklärte Jürgen Janssen, der Leiter des Sekretariats des Textilbündnisses: “Die Veröffentlichung von Lieferkettendaten ist nicht Voraussetzung für eine Mitgliedschaft. Aber wir empfehlen diese Veröffentlichung ausdrücklich.” Innerhalb des Textilbündnisses publizierten insbesondere die großen Unternehmen Lieferkettendaten. Janssen weiter: “Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sind sehr zurückhaltend in der Veröffentlichung von Geschäftskontakten.” Bei diesen Unternehmen stehe die Sorge im Vordergrund, Mitbewerber oder Großkunden könnten solche Informationen geschäftsschädigend nutzen.

Die Diskussion zur Lieferkettentransparenz gebe es aber auch im Textilbündnis, so Janssen. Dabei gibt es innerhalb des Bündnisses alternative Lösungsvorschläge. So hat KiK nach Angaben eines Unternehmenssprechers vorgeschlagen, “alle Anforderungen an Unternehmen über das Textilbündnis zu bündeln und eine aggregierte Textilbündnis-Lieferantenliste an das Open Apparel Registry zu senden.”

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