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Leiharbeiter sind häufiger psychisch krank

Christopher Burns auf Unsplash

Regierungsantwort auf Linken-Anfrage zeigt “mittleren Effekt für Depression”, Zeitarbeitgeber verweisen auf Besonderheiten

Berlin (AFP / CSR NEWS) – Leiharbeiter sind häufiger psychisch krank als regulär Beschäftigte. Wie aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Linken-Anfrage hervorgeht, sind “Leiharbeitnehmende häufiger von Beeinträchtigungen der allgemeinen Gesundheit, von ‘Burnout’ sowie Depressionen betroffen als Normalbeschäftigte”. Die ausgewerteten Studien zeigten einen “mittleren Effekt für Depression”, einen kleinen Effekt gebe es für den Zusammenhang von Leiharbeit und allgemeinem Gesundheitszustand sowie “Burnout”.

Als mögliche Ursachen wurden mit Verweis auf die Arbeitszeitbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin von 2015 der geringe Handlungsspielraum, die höhere Arbeitsplatzunsicherheit und das geringere Einkommen bei Leiharbeitnehmenden im Vergleich zur Stammbelegschaft genannt. Leiharbeiter sowie befristet Beschäftigte weisen zudem eine geringere Arbeits- und Lebenszufriedenheit als unbefristet Beschäftigte auf. Studien zu Niedriglohnbeschäftigten und psychischer Gesundheit liegen demnach nicht vor.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Jutta Krellmann erklärte: “Unsicherheit, Dumpinglöhne und viel Stress: Prekäre Beschäftigung macht krank, vor allem Leiharbeit drückt vielen auf die Seele.” Die beste Medizin dagegen seien gute Arbeitsbedingungen, Tariflöhne und unbefristete Arbeit für alle.

Jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland arbeitete 2018 in einer so genannten atypischen Beschäftigungsform. In der Leiharbeit sind es aktuell rund 750.000 Menschen, so der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Dessen Hauptgeschäftsführer Werner Stolz erklärte gegenüber der Presse: „Die Arbeitnehmerstruktur der Zeitarbeit ist eine ganz besondere“. Jeder zweite Leiharbeiter sei im Helferbereich eingesetzt und leiste oft körperliche Arbeit. Diese Art der Tätigkeit lasse sich schlecht mit weniger körperlich anstrengenden Tätigkeiten und mit der Gesamtbeschäftigung vergleichen. Zudem verwies Stolz auf das arbeitsmarktpolitische Potential der Leiharbeit: „Ohne diese Möglichkeit würden wohl viel mehr Menschen psychisch belastet sein oder gar in Depressionen verfallen, weil sie keine berufliche Perspektive sähen“.

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