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Wasserstoff als Wundermittel

Wasserstoff-betriebener PKW von Toyota (Darren Halstead auf Unsplash)

Wie Power-to-X-Technologie im Kampf gegen den Klimawandel helfen soll

Von Jan Mueller

Berlin (AFP) – Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat auf der UN-Klimakonferenz in Madrid ein “Power-to-X-Netzwerk” mit Sitz in Berlin angekündigt. Ziel ist der internationale Wissensaustausch über die sogenannten “Power-to-X-Technologien” und eine Entwicklung der Nachhaltigkeitskriterien für deren Einsatz.

WAS IST POWER TO X?

Der englische Begriff Power To X oder kurz PtX (auf deutsch etwa: Strom zu X) steht übergreifend für eine ganze Reihe verschiedener Umwandlungsprozesse, die sich vereinfacht gesagt auf die Speicherung und spätere Nutzung von Energie beziehen, zugleich aber auch auf die Herstellung von Stoffen, die in Produktionsprozesses benötigt werden.

Dabei gibt es sowohl die Möglichkeit einer Umwandlung von beispielsweise Stromüberschüssen von Windparks in Gase wie Wasserstoff oder Methan (Power To Gas), als auch der Transformation des Stroms in flüssige Kraftstoffe (Power To Fuel), in Wärme (Power To Heat) oder in chemische Grundstoffe für die Industrie (Power To Chemicals), die etwa bei der Herstellung von Kunststoff benötigt werden.

WAS IST DAS BESONDERE AN WASSERSTOFF?

Eine entscheidende Rolle bei den Nutzungsmöglichkeiten spielt Wasserstoff (chemisches Symbol: H). Dieser kommt in der Natur zwar wie etwa in Wasser (H2O) mannigfach vor, praktisch gibt es ihn aber fast nur in gebundener Form.

Für die Nutzung als Energieträger bedeutet dies zweierlei: Wasserstoff muss erst unter Einsatz von anderen Energiequellen in reiner Form gewonnen werden. Zugleich muss dieser Energieeinsatz für einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz aber auch emissionsfrei sein, also letztlich aus Erneuerbaren stammen. Die Branche spricht hierbei auch von “Grünem Wasserstoff”.

WO LÄSST SICH DIE TECHNIK EINSETZEN?

Potenziale gibt es laut Bundesregierung vor allem in den Bereichen, in denen in absehbarer Zukunft nur mit großem Aufwand eine Versorgung direkt mit Strom möglich wäre – etwa beim Schiffsverkehr oder in der Luftfahrt. Bedeutung hat Wasserstoff auch bei der Herstellung synthetischer Kraftstoffe, die in den Klimaschutzplänen der Bundesregierung ebenfalls eine Rolle spielen.

Einen Schub hin zur CO2-Neutralität verleihen soll Wasserstoff auch der Industrie. Nach Angaben der Power-To-X-Allianz, der sich eine Reihe von Unternehmen vor allem aus der Energiewirtschaft angeschlossen haben, haben vor allem die Chemieindustrie, Stahlwerke und Raffinerien einen hohen Verbrauch an Wasserstoff, den sie bislang vor allem aus fossilen Rohstoffen gewinnen.

WELCHE BEDENKEN UND WELCHE KRITIK GIBT ES?

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) betont zwar die große Bedeutung von Wasserstoff, sieht aktuell aber im regulatorischen Rahmen eine “große Hürde für die Wirtschaftlichkeit von Wasserstofftechnologien”. Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft fordert, die Steuer- und Abgabenlast auf Strom deutlich zu senken. Noch sind Aufwand und Kosten für die Technik vergleichsweise groß.

Der BDI fordert, den Aufbau eines globalen Wasserstoffmarktes voranzutreiben. Denn auch in einer Wasserstoffwirtschaft werde Deutschland langfristig Energie-Importeur bleiben.

Als limitierender Faktor für die Verbreitung von “grünem Wasserstoff” gilt aber nicht zuletzt der Ausbau der Erneuerbaren. Der Bund für Umwelt und Naturschutz betont, dass Power To X nicht per se klimafreundlich sei. Nötig seien deshalb von Anfang an verbindliche Nachhaltigkeitsregeln für die Technologie.

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