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Nato-Studie warnt vor erkaufter Verbreitung von Fake News

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Soziale Netzwerke erkennen bezahlte Unterstützung für Mitteilungen meist nicht

Von Martin Trauth

Brüssel (AFP) – Die Nato und die EU sind seit Jahren besorgt wegen politischer Manipulation über soziale Netzwerke und die Verbreitung von Falschnachrichten. Eine am Freitag veröffentlichte Studie eines Nato-Forschungsinstituts zeigt, wie leicht es ist, sich die Weiterverbreitung von Inhalten zu erkaufen. Für nur 300 Euro bekamen die Autoren zehntausende unterstützende Kommentare, Likes und Follower für Testbotschaften und -inhalte in den Diensten Facebook, Instagram, Twitter und Youtube – ohne dass dies den Netzwerken zumeist auffiel.

Experten des Nato Strategic Communications Centre of Excellence (Nato Stratcom) im lettischen Riga nutzten für das Experiment 16 Anbieter zur Manipulation sozialer Netzwerke aus Russland und Europa. Sie wurden aufgefordert, 105 von den Studienautoren verfasste Mitteilungen zu unterstützen.

“Für Kosten von nur 300 Euro kauften wir 3530 Kommentare, 25.750 Likes, 20.000 Views und 5100 Follower”, heißt es in der Studie. Durch den Versuch sei es gelungen, 18.739 Konten zu identifizieren, die zur Manipulation von sozialen Netzwerken genutzt würden.

Allerdings handelte es sich bei den Testmitteilungen nicht um politische Botschaften, sondern um neutrale Inhalte “wie Neujahrswünsche”, schreiben die Autoren. Sie wollten demnach verhindern, dass Nutzer die sozialen Netzwerke auf möglichen Missbrauch aufmerksam machten. Denn es sei darum gegangen, ob die Plattformbetreiber selbst erkennen könnten, dass es sich um nicht authentische Inhalte und erkaufte Unterstützung handele.

Dies war der Studie zufolge nur selten der Fall. Vier Wochen nach dem Kauf seien 80 Prozent der gefälschten Unterstützungen weiter online gewesen. Auch als die Netzwerke auf einen Teil der falschen Konten aufmerksam gemacht wurden, änderte sich nicht viel: 95 Prozent von ihnen seien drei Wochen später weiter aktiv gewesen.

Dies bedeute, dass “böswillige Aktivitäten” bei politischer Manipulation über dieselben Dienste wahrscheinlich auch weitgehend unbemerkt geblieben wären, heißt es in der Studie. Insgesamt gesehen war demnach der Kurzbotschaftendienst Twitter am effektivsten im Vorgehen gegen Missbrauch.

Die Stratcom-Experten identifizierten hunderte Anbieter für die erkaufte Weiterverbreitung oder Unterstützung von Botschaften. Sie seien leicht über Suchmaschinen zu finden, heißt es in der Studie. Allerdings schätzen die Experten, dass mehr als 90 Prozent der bei ihnen gekauften Unterstützung kommerziellen Zwecken wie Werbung dient.

Der Kauf von Unterstützung ist äußerst billig: Für zehn Euro lassen sich laut der Studie etwa 4000 Likes auf Instagram kaufen, mehr als 2400 Follower auf Twitter oder 130 unterstützende Kommentare auf Facebook.

Mit Blick auf die Europawahl im vergangenen Mai hatte die EU-Kommission Ende 2018 einen freiwilligen Verhaltenskodex mit Google, Facebook und Twitter gegen solche Manipulationen vereinbart. Für die Autoren der Nato-Studie ist das unzureichend. “Die Selbst-Regulierung funktioniert nicht”, schreiben sie. “Es gibt keine Anzeichen, dass weit verbreitete Manipulation auf sozialen Medien deutlich teurer oder schwieriger geworden ist.”

Die Studie >> im Internet

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