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Stichwort: Corporate Volunteering

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“ ist das personale freiwillige bzw. bürgerschaftlich engagierte Handeln (Volunteering) einer juristischen Person bzw. eines (im Folgenden kurz:) Unternehmens (Corporate) – also das gesellschaftliche Engagement mittels Zeit- und Kompetenzeinsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit ist ist neben dem Corporate Giving (Spenden, Stiften, ) das zweite Feld praktischer Ausgestaltung des bürgerschaftlichen Unternehmensengagements (-Engagement). In wie im angelsächsischen Raum werden unterschiedliche Bezeichnungen für diese Art des gesellschaftlichen Enagagements von Unternehmen verwendet: Employee Community Involvement, Employee Volunteering, Workplace Volunteering, Gemeinnütziges Mitarbeiterengagement u.a.

Corporate Volunteering liegt also im engeren Sinne nur dann vor, wenn das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in deren bezahlter Arbeitszeit – also auf Kosten des Unternehmens – zustande kommt und einem gemeinnützigen Anliegen dient. Im weiteren Sinne wird aber auch dann von Corporate Volunteering gesprochen, wenn das Unternehmen mit eigenen Ressourcen das freiwillige Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer Freizeit fördert oder wenn das Mitarbeiterengagement als Instrument der Personalentwicklung genutzt wird.

1. Unterschiedliche Ebenen

Dem entsprechend lässt sich Corporate Volunteering in sechs Ebenen unterteilen (s. Tabelle). Auf den ersten vier Ebenen ist Corporate Volunteering arbeitnehmergeleitet. Das heißt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entscheiden, ob, in welcher Weise und für welchen gemeinnützigen Zweck sie sich engagierten. Auf der fünften und sechsten Ebene ist Corporate Volunteering unternehmens- bzw. organisationsgeleitet. Also das Unternehmen bestimmt im Wesentlichen, ob, zu welchem Zweck, in welchem Umfang und in welcher Weise das Engagement stattfindet.

2. Vielfältige Formen

Auf den unterschiedlichen Ebenen kann Corporate Volunteering vielfältige Formen annehmen. Zum Beispiel kann das Unternehmen die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellen. Je nachdem, ob dieses Engagement anerkannt, angeregt, erleichtert oder gar unmittelbar unterstützt werden soll und welches Instrument das Unternehmen hierfür einsetzen kann und will (Information, Personalpolitik, Gestaltung von Rahmenbedingungen, Arbeitszeit, Geld / Ressourcen, interne oder externe Öffentlichkeitsarbeit), stehen hierfür mindestens folgende Maßnahmen zur Verfügung:

  • Einrichten einer Engagementdatenbank im Intranet, aus der sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Anregungen für das eigene bürgerschaftliche Engagement ziehen können.
  • Ausdrückliche Berücksichtigung des bürgerschaftlichen Engagements von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der Einstellung bzw. Beförderung.
  • Gründung eines Mitarbeitervereins, mit dem das Mitarbeiterengagement im Unternehmenskontext koordiniert und organisiert wird.
  • Bürgerschaftlich engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kann die Nutzung von Unternehmensressourcen oder eine flexible Arbeitszeitgestaltung für dieses Engagement gestattet werden.
  • Das Unternehmen kann eine längerfristige Kooperation oder Partnerschaft mit einer gemeinnützigen Organisation oder einer Mittleragentur wie der Kölner Freiwilligen Agentur eingehen, aus der regelmäßig Engagementanregungen entstehen.
  • Es können Aktionstage mit Mitarbeitergruppen zu Gunsten einer gemeinnützigen Einrichtung durchgeführt werden.
  • Das Unternehmen kann Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (unter bestimmten Bedingungen) für ein gemeinnütziges Engagement mit einem begrenzten Zeitkontingent freistellen (etwa als Sonderurlaub) bzw. das Engagement in der Arbeitszeit zulassen.
  • Bürgerschaftliches Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer Freizeit kann durch Komplementärspenden anerkannt werden: das Unternehmen spendet für einen bestimmten Umfang ehrenamtlicher Arbeit in der Freizeit einen entsprechenden Geldbetrag an die gemeinnützige Organisation, für die das Engagement stattfand.
  • Durch Mitarbeiterbefragungen kann deren aktuelle Engagementpraxis, ihr Interesse an einem Engagement im Unternehmenskontext bzw. an einer Engagementunterstützung durch das Unternehmen erkundet werden.
  • Engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können für ihr Engagement vom Unternehmen (Vorstand und Geschäftsführung) öffentlich ausgezeichnet oder mit Presseporträts etwa in der Mitarbeiterzeitung anerkannt werden.

Diese Förderung des Mitarbeiterengagements überlässt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Initiative bei der Ausgestaltung des eigenen Engagements. Das Unternehmen kann aber auch selbst stärker initiativ werden und dabei um die Mitwirkung ihrer Angestellten (vor allem während der Arbeits-, aber auch in der Freizeit) werben:

  • So kann das Unternehmen ein gemeinnütziges Anliegen durch Pro-bono-Leistungen unterstützen, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ihrer Arbeitszeit ausgeführt werden.
  • Oder das Unternehmen qualifiziert den gemeinnützigen Partner bzw. seine Klientel durch Kompetenztransfer.
  • Oder das Unternehmen gründet eine eigene Initiative – etwa in Form eines gemeinnützigen Vereins – und verwirklicht sie mit eigenen Ressourcen inklusive eigenem Personal.

„Lernen in fremden Welten“ ist das Leitmotiv für Projekteinsätze in gemeinnützigen Aufgabenfeldern als Teil der Personalentwicklung. Je nach Anzahl der zu beteiligenden bzw. zu qualifizierenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der einzusetzenden bzw. zu entwickelnden Kompetenzen sind auch hier unterschiedliche Formen und Möglichkeiten gegeben:

  • Team- bzw. Gruppenaktionen entsprechen dem oben schon beschriebenen Aktionstag. Im Kontext der Personalentwicklung steht hier jedoch nicht die Engagementanregung im Mittelpunkt, sondern die Team- bzw. Gruppenerfahrung, die Stärkung von „Wir“-Gefühl, zielgerichteter Teamarbeit und ähnlichem mehr.
  • Beim Sozialpraktikum (wie es zum Beispiel unter der Marke „SeitenWechsel®“ bekannt ist) steht die Entwicklung bzw. Stärkung sozialer Kompetenz einzelner Führungskräfte im Mittelpunkt. Dies geschieht im einwöchigen direkten Kontakt mit Klienten sozialer Arbeit.
  • Bei der Sozialausbildung handelt es sich um die Integration sozialer Komponenten z.B. in die handwerkliche Ausbildung von Schlossern, die einen Monat lang gemeinsam mit Menschen mit Behinderung in einer Behindertenwerkstatt zusammen arbeiten.
  • Bei Team-Konzept-Werkstätten entwickelt ein Team von Unternehmensmitarbeiterinnen und –mitarbeitern gemeinsam mit Haupt- und Ehrenamtlichen einer gemeinnützigen Einrichtung an einem Tag ein Konzept, das im Anschluss durch die gemeinnützige Einrichtung umgesetzt wird.
  • Beim Mentoring begleiten einzelne Unternehmensmitarbeiterinnen oder –mitarbeiter Hauptamtliche auf gemeinnütziger Seite oder Klienten der gemeinnützigen Einrichtung in fachlichen oder persönlichen Fragen.
  • Secondment – die mehrwöchige oder –monatige Mitarbeit von Unternehmensmitarbeiterinnen und -mitarbeitern in gemeinnützigen Einrichtungen bei gleichzeitiger weiterer Bezahlung durch das Unternehmen kann zum Beispiel als Teil von Outplacementmaßnahmen, bei der Vorbereitung auf den Ruhestand oder auch als Zwischenetappe auf der Karriereleiter praktiziert werden.
  • Entwicklungsprojekte schließlich dienen vor allem der Fachkompetenz- oder Managemententwicklung einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Mitarbeiterteams einerseits und der Entwicklung eines realen Projektes oder Konzeptes für eine gemeinnützige Einrichtung andererseits.

3. Vermittlung von Corporate Volunteering-Engagements

Corporate Volunteering ist ein von Personen geprägtes gemeinnütziges Engagement. Damit ist wie beim individuellen bürgerschaftlichen Engagement die Passung zwischen den persönlichen Engagementinteressen und –möglichkeiten einerseits und den hierfür geeigneten Engagementgelegenheiten und –orten andererseits erforderlich. Die Anbahnung passender Engagements kann auf Vorschlag der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, durch Recherche der Corporate Citizenship- bzw. Volunteering-Abteilung des Unternehmens, durch hierauf spezialisierte Vermittlungsagenturen (einige Freiwilligenagenturen z.B.) oder auch durch die Veranstaltung und Nutzung von Marktplätzen geschehen, bei denen ähnlich einem Speed Dating Unternehmen und gemeinnützige Organisationen zueinander finden (z.B. „Gute Geschäfte“-Marktplätze – www.gute-geschaefte.org).

4. Leitfäden, Praxisbeispiele, Studien

  • AmCham Germany & Roland Berger Strategy Consultants: Corporate Volunteering in Deutschland. Ergebnisse einer Befragung von Unternehmen in Deutschland. Studie der American Chamber of Commerce in Germany und Roland Berger Strategy Consultants. April 2011 (>>Link)
  • Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Grenzgänger, Pfadfinder, Arrangeure. Mittlerorganisationen zwischen Unternehmen und Gemeinwohlorganisationen. , 2008 (>> Link)
  • Schöffmann, Dieter (Hrsg.): Wenn alle gewinnen. Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen. edition Körber Stiftung. 2. Auflage, , 2003 (>> Link)
  • UPJ: Lokaler Aktionstag für Unternehmen und Gemeinnützige – Leitfaden und mehr: (>> Link)
  • VIS a VIS Agentur für GmbH: Marketing- und Machbarkeitsstudie „Corporate Volunteering in Deutschland und “ durchgeführt in Zusammenarbeit mit der Kölner Freiwilligen Agentur e.V., gefördert durch die Körber-Stiftung, Hamburg. Ergebnisse. , 2001
  • VIS a VIS Agentur für Kommunikation GmbH: Unternehmen in der Gesellschaft – Engagement mit Kompetenz und Personal – Praxisdokumentation (letzte Aktualisierung 2010). Köln, 2010 (>> Link
  • VIS a VIS Agentur für Kommunikation GmbH: Corporate Volunteering: gesellschaftliches Unternehmensengagement mit Kompetenz und Personal – Aktuelle Praxis bei Großunternehmen Ergebnisse einer 2009 durchgeführten Studie. Köln 2010 (>> Link)

5. Experten

Experten zum Thema “Corporate Volunteering” finden Sie >> hier unter den CSR People.


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Zitierweise:
Dieter Schöffmann (2014): Corporate Volunteering, in: CSR NEWS, Zugriff am 08.12.2016, URL: http://csr-news.net/main/?p=48701


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