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Stiftung Warentest vergibt gute Noten für die CSR der Waschmaschinenhersteller


Tuesday, September 30th, 2008




Berlin > Die Produktion in Niedriglohnländern und die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung müssen keine Gegensätze sein. In ihrem aktuellen Heft vergibt die Stiftung Warentest durchweg gute Noten für die Waschmaschinenanbieter Arcelik, B/S/H, Miele, Otto, Quelle, Electrolux, Whirlpool und Gorenje, deren Produktionsstätten überwiegend in Osteuropa liegen. Die Tester lobten besonders die Transparenz und Kooperationsbereitschaft.

Das erlebten die Warentester in anderen Branchen anders: Alle Waschmaschinenanbieter sandten die ihnen zugestellten Fragebögen zurück und ließen Besuche in ihren Fertigungsstätten zu. Und bis auf Gorenje in Slowenien und Miele in Tschechien erlaubten sie Interviews mit ihren Arbeitnehmern. Die Anbieter haben die Bedeutung des Stiftung Warentest im Blick: Für deutsche Haushalte ist die Anschaffung einer Waschmaschine eine gut durchdachte Investition, und das Urteil der Stiftung ist dabei für einen guten Teil der Konsumenten ein Maßstab. Es zeigt aber auch: Die Waschmaschinenanbieter haben ihre Hausaufgaben in Sachen Corporate Social Responsibility erfüllt und können den Testern mit gutem Gewissen die Türen öffnen.

So zeigt sich B/S/H in seiner polnischen Fertigungsstätte stark engagiert. Die Tester urteilten: B/S/H verfügt über eine ausgefeilte Unternehmenspolitik, zeigt ein hohes Engagement für die Umwelt, informiert ihre polnischen Arbeitnehmer gut über ihre Rechte und bietet ihnen viele Freizeitaktivitäten. Es gibt eine Arbeitnehmervertretung, aber keinen Betriebsrat. Stark engagiert ist auch das Gütersloher Familienunternehmen Miele in Tschechien: Miele kann CSR-relevante Zertifikate wie SA 8000 vorweisen, verzichtet in seinem modernen Werk auf Leiharbeiter, bezahlt seine Arbeitnehmer deutlich über dem Mindestlohn und verfügt über eine starke Umweltpolitik. Ein starkes und über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehendes Umweltengagement zeigt der türkische Marktführer Arcelik in seinem Werk in der Türkei. Seinen Arbeitnehmern bietet Arcelik Extras wie Zusatzversicherungen und freie Kantine. Otto kooperiert eng mit dem Produzenten Whirlpool, der in seinem italienischen Werk einen starken Einsatz für die Umwelt zeigt. Quelle verlässt sich auf seinen Produzenten Electrolux, der in Frankreich und Italien eine starke Umweltpolitik zeigt, seinen Arbeitern in Polen die CSR-Firmenpolitik aber ungenügend vermittelt. Whirlpool weist eine ausgefeilte Umweltpolitik aus, die in Slowenien noch Schwächen hat, und zeigte sich gegenüber den Testern sehr offen. Der slowenische Anbieter Gorenje engagiert sich für seine Mitarbeiter und die Umwelt, kontrolliert seine Zulieferer jedoch bisher nicht auf die Einhaltung ökologischer und sozialer Kriterien.

Dabei erschien die Supply Chain der Waschmaschinenhersteller den Warentestern überschaubar: Die wichtigsten Bauteile werden in den eigenen Produktionsstätten hergestellt und die dann verbleibenden etwa 100 bis 150 Zulieferer pro Maschine werden von den meisten Unternehmen sorgfältig ausgewählt. Alle Hersteller haben eigene CSR-Leitlinien definiert und den Branchenkodex Ceced des Europäischen Dachverbandes der Hausgerätehersteller unterzeichnet. Und alle Anbieter halten die RoHS-Richtlinien ein, die Blei oder Kadmium verbieten. Darüber hinaus vermeiden Arcelik, B/S/H und Miele Flammschutzmittel und Weichmacher.

Kritisch beurteilten die Warentester in der Branche das Fehlen einer mit Einflussmöglichkeiten ausgestatteten Arbeitnehmervertretung. Die in Deutschland üblichen Betriebsräte fanden die Warentester in Polen, Tschechien und der Slowakei nicht.

In einem eigenen Beitrag geht die Stiftung Warentest am Beispiel von AEG-Electrolux auf Auswirkungen der Globalisierung ein: In den 90ger Jahren war AEG von Electrolux gekauft worden. 2004 kündigte Electrolux an, künftig die Hälfte der Produktion in Billiglohnländer zu verlegen. Für das AEG-Werk in Nürnberg kam 2006 das Aus und 1.750 Arbeitnehmer standen auf der Straße. Bisher fanden rund 60 Prozent einen neuen Job. Das neue Werk von Electrolux befindet sich in einer EU-Sonderwirtschaftszone im polnischen Olawa. Hier zahlt das Unternehmen keine Immobiliensteuer und ist teilweise von Körperschaftssteuern befreit. Löhne und Lohnnebenkosten sind in Olawa niedriger als in anderen Regionen Polens. Electrolux zahlt seinen Angestellten allerdings deutlich mehr als den polnischen Mindestlohn von 330 Euro. Zum Vergleich: Der Stundenlohn im verarbeitenden Gewerbe liegt in Polen bei 5,90 Euro – in Deutschland sind es 33 Euro. Nach Angaben im Testbericht machen die Arbeitskosten etwa 20 Prozent der Herstellungskosten von Waschmaschinen aus, was zu einer Einsparung von rund 50 Euro pro Maschine führt. Die Sonderkonditionen in der polnischen Zone Olawa jedenfalls laufen 2017 aus.

Am Beispiel der Schließung des AEG-Werks in Olawa wird auch deutlich: Verbraucherproteste haben Einfluss, wenn sie nachhaltig sind. So fand der Marketingexperte Stefan Müller von der TU Dresden heraus: Nach der Schließung des AEG-Werks in Nürnberg boykottierten deutsche Verbraucher zunächst Geräte von Electrolux. Der Umsatz ging leicht zurück, jedoch steigen mittlerweile die Gewinne des Unternehmens wieder. Ein Konsumentenprotest, der Wirkung zeigen soll, muss nachhaltiger ausfallen, resümiert der Wissenschaftler.

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