London > Indonesien ist mit über 220 Millionen Einwohnern auf mehr als 15.000 Inseln das viertgrößte Land der Erde. Der Archipel bietet neben reichen Rohstoffvorkommen und landwirtschaftlichen Ressourcen einen großen Binnenmarkt mit erheblichem Entwicklungspotenzial. Seit der Jahrtausendwende verzeichnet das Land wieder Wachstumsraten um 4% und befindet sich auf dem Wege der Demokratisierung. Indonesien steht dabei in einem Konflikt zwischen wirtschaftlichem Wachstum auf der einen und nachhaltiger Entwicklung und Klimaschutz auf der anderen Seite: Das Land ist nicht nur einer der weltweit wichtigsten Kohleexporteure, sondern auch einer der größten CO2-Emittenten der Welt. Durch seine enorme Urwaldzerstörung erzeugt Indonesien jedoch jedes Jahr 2,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid - mehr als die Emissionen von Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen. Um wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen, braucht Indonesien Elektrizität. Die wird allerdings hautsächlich durch Kohlekraftwerke gewonnen.
Dennoch hat die Regierung ambitionierte Ziele: Kohlekraftwerke sollen die Energiegewinnung in den nächsten zehn Jahren um 40% erhöhen. Gleichzeitig will die Regierung aber Emissionen senken und die Abholzung der Regenwälder stoppen. Der tatsächlichen Realisierung dieser Ziele stehen Analysten allerdings kritisch gegenüber.
Vor allem die Reduzierung der Emissionen wird als ein utopisches Ziel eingeschätzt: Um die große in- und ausländische Nachfrage nach Kohle zu befriedigen, expandiert die Kohleproduktion. Regierungsangaben zu Folge vervierfacht sich der inländische Kohleverbrauch bis zum Jahr 2017 auf 90 bis 100 Millionen Tonnen. Im gleichen Zeitraum wird mit einer Verdopplung der Kohleproduktion auf mindestens 400 Millionen Tonnen gerechnet, von denen der Großteil exportiert werden wird. Vorhergesehen wird daher ein Anstieg indonesischer CO2-Emissionen.
Woher rührt daher die Motivation, Emissionen zu senken? Zusätzlich zu den Einnahmen aus dem Kohleexport sieht die Regierung in Zukunft eine neue Einkommensmöglichkeit: den Handel mit Emissionszertifikaten, die Indonesiens Regierung erlangt, wenn sie sich für den Schutz der Regenwälder einsetzt. Mit der im letzten Dezember in Bali verabschiedeten Initiative ‚Reduced Emissions From Deforestation in Developing Countries’ (REDD) könnte Indonesien schon bald mehrere Milliarden Dollar jährlich einnehmen - zusätzlich zu den etwa $50 Milliarden jährlichen Einnahmen aus dem Kohleexport.
Kritiker stehen dem jedoch skeptisch gegenüber: Die steigende Nachfrage nach Kohle macht die Förderung noch unangetasteter Vorkommen wie zum Beispiel in den Regenwäldern von Borneo notwendig - Abholzung wird daher unausweichlich. Angaben der Weltbank zu Folge ist Indonesien gerade aber einer der weltweit größten Emittenten wenn man indirekte CO2-Emissionen mit einrechnet, wie Abholzung, Waldbrände und die allmähliche Zersetzung des Urwaldbodens. Nach Angabe der Umweltschutzorganisation Greenpeace ist Indonesien dann der weltweit drittgrößte CO2-Emittent nach den USA und China. Die Abholzung der Regenwälder macht dabei allein 20% der Emissionen aus.
Produzenten zu Folge gibt es zwar keinen Zielkonflikt zwischen einer erhöhten Kohleförderung und dem Schutz der Wälder, denn würden die neuen Kohlevorkommen in der Nähe bereits existierender Minen liegen und daher keine weitere Abholzung notwendig sein. Die weltweit hohe Nachfrage nach metallurgischer Kohle und Koks, notwendig beispielsweise für die Stahlproduktion, sowie die hohen Preise stellen dennoch eine Gefahr für die Wälder Indonesiens dar. Preise für Koks sind mit $400 pro Tonne doppelt so hoch wie noch im letzten Jahr.
Neben der Kohleproduktion zieht zudem schon ein neuer Exportschlager am Horizont auf: Palmöl, das zwar nur selten zur Herstellung von Biokraftstoffen verwendet wird, allerdings eine wichtige Lücke kompensiert, die auf dem Markt für pflanzliche Öle entstanden ist. Zusätzlich zur Abholzung im Zusammenhang mit der Kohlegewinnung werden daher nun auch Flächen für Palmölplantagen abgeholzt. Dagegen regt sich Protest: Aktivisten des Greenpeace-Schiffes Rainbow Warrior demonstrierten im November vor Sumatra gegen das Auslaufen eines Frachters mit Palmöl. Der unter liberianischer Flagge fahrende Tanker MT Westama sollte mit 30 000 Tonen Palmöl den Hafen von Dumai in der Provinz Riau auf Sumatra, Indonesien, verlassen.
Es gibt jedoch auch Zeichen der Hoffnung: So unterstützt die Deutsche Post den WWF Deutschland über zwei Jahre bei der Wiederherstellung der Torfsumpfwälder sowie bei der Entwicklung eines Zertifizierungssystems für Forstprojekte. Und es bleibt zu hoffen, dass sich Indonesiens Umweltminister Rachmat Witoelar an die Themen der “UN Climate Change Conference” erinnert, der er im letzten Dezember Bali vorstand.