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Die Entwicklung zum Nachhaltigen Banking


Monday, May 5th, 2008




Ein Beitrag von Dr. Axel Hesse für FORUM Nachhaltig Wirtschaften.

Das „Jahrhundert der Umwelt“ nach Ernst Ulrich v. Weizsäcker ist noch jung. Zu ergänzen ist dabei die ökonomische und soziale Entwicklung, denn untrennbar tragen die zwei Säulen Umwelt und Entwicklung das Nachhaltigkeitskonzept im 21. Jahrhundert. Eine hohe Dynamik geht derzeit fast ausschließlich vom Klimaschutz aus, der ersten der „Big Six“, der sechs wichtigsten globalen Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung. Schon sehr bald werden die folgenden fünf Herausforderungen eine ähnliche Dynamik entfalten: Süßwasserknappheit, Entwaldung, absolute Armut, Artensterben und globales Bevölkerungswachstum.

Historie und Gegenwart nachhaltigen Bankings

Was hat das mit Banken zu tun? Zunehmend integrieren Unternehmen die Nachhaltigkeitsherausforderungen in ihr Kerngeschäft, um ihre langfristige Gewinnerzielung zu sichern. Banken finanzieren und beraten ihre Kunden und sind gleichzeitig am langfristigen Fortbestand ihres eigenen Unternehmens interessiert. Die Finanzdienstleister haben mit ihren Produkten einen sehr hohen, indirekten Einfluss auf ihre Kunden und die Weltwirtschaft insgesamt. Lange wurde dieser Einfluss nur unzureichend thematisiert und genutzt. So begann das „Umweltmanagement“ der Banken in den 1990er Jahren mit der für diese Branche wenig bedeutenden „Betriebsökologie“, also Papier­, Wasser­ und Energieeinsparung oder Abfalltrennung. Auch Sponsoringaktivitäten standen häufig im Mittelpunkt. Dabei ist nicht diese geringe „gute“ Gewinnverwendung für das Nachhaltigkeitsmanagement wichtig, sondern die nachhaltige Gewinnerzielung mit den Bankdienstleistungen.

Diesen wird heutzutage folgerichtig die größte Aufmerksamkeit gewidmet. Beispiele sind bei Finanzierungen für Firmenkunden die Berücksichtigung von Umwelt­ und Entwicklungschancen – man denke an die Finanzierung von erneuerbaren Energieprojekten – und auch Entwicklungsrisiken, die durch Einhaltung der so genannten „Weltbankstandards“ verringert werden können. Auch die Einbeziehung von Fördermitteln bei Krediten für energiesparende Technologien sowie Neu­ und Altbauten sollte mittlerweile im Firmen­ wie Privatkundengeschäft Standard sein – wenngleich vom Volumen her noch ausbaufähig. Nicht zuletzt boomen nachhaltige Geldanlagen wie Investmentfonds oder Zertifikate, durch die man in Unternehmen investieren kann, die im Klimaschutz, Süßwasser­ oder Nachhaltigkeitsmanagement im Allgemeinen führend sind.

Zukünftige Entwicklung

Wie wird die Zukunft nachhaltigen Bankings aussehen? Eine Umfrage bei führenden Banken zeigt, dass die bislang unterbewerteten Umweltschutz­ und Entwicklungsziele an Bedeutung gewinnen. Gleich-zeitig steigen die Ertragsanteile nachhaltiger Strategien und Maß-nahmen, weil sich nachhaltiges Verhalten zunehmend rechnet, besonders da sich parallel politische Rahmenbedingungen nachhaltig verändern. Die strategischen Geschäftsfelder der Banken können zwar grundsätzlich so erhalten bleiben wie bisher, die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten schreitet jedoch weiter voran.

Beispiel „Investment Banking“

Bei Firmenübernahmen sollten neue Risiken bedacht werden, beispielsweise wenn ein Energieversorger in den USA übernommen werden soll, der aufgrund mangelnder Klimaschutzmaßnahmen dort verklagt worden ist. Es könnten Schadenssummen resultieren, welche die Milliarden an Asbestschäden des letzten Jahrhunderts noch in den Schatten stellen. Gleichzeitig bieten sich Chancen aus Firmenübernahmen oder Börsengängen im Bereich regenerativer Energien und weiterer Branchen. Eigentlich noch in den Anfängen begriffen, beschert der Handel mit Emissionsrechten für Treibhausgase den Banken schon jetzt attraktive neue Einkommensquellen. Die Deutsche Bank verdoppelte jüngst ihr Handelsteam von fünf auf zehn Händler. Zukünftig kann sich dieser Rechtshandel zum größten Warenmarkt der Welt entwickeln. Und neben Treibhausgasen können zunehmend weitere Umweltgüter wie Wasseremissions­ und Landerschließungsrechte oder Fischereiquoten gehandelt werden.

Ein neues strategisches Geschäftsfeld „Survival Economy“ kann für den globalen Trend zu Mikrofinanzierungen aufgebaut werden, denn der Bedarf für solche Kleinstkredite, ­spareinlagen und ­versicherungen ist in der Summe enorm. Gleichzeitig können die Banken ihr Wissen in der Finanzsystementwicklung in Entwicklungs­ und Schwellenländern anbringen, also dem Auf­ beziehungsweise Ausbau von Banken­ und Versicherungssystemen. Zirka 720 Millionen durchschnittliche Fünf­Personen­Haushalte haben noch keinen Zugang zum formellen Finanzsektor. Ein riesiger, nachhaltig armutsreduzierender Markt.

Einsatz für nachhaltige Rahmenbedingungen

Die Beispiele zeigen: Es gibt noch viel zu tun im nachhaltigen Banking. Den „Big Six“ und weiteren bankspezifischen Herausforderungen kann nur mit einer vollständigen Integration in die Gesamtstrategie der Banken angemessen begegnet werden, die bislang noch nicht zu beobachten ist. Dazu gehört neben der kreativen Dienstleistungs­ auch eine Politik­Orientierung. Beispiel Erneuerbare­Energien­Gesetz: Die Banken setzten sich für gute Rahmenbedingungen ein und profitieren seitdem von Milliarden an Neugeschäften mit langfristig stabilen Kalkulationsgrundlagen. Ähnliche Erfolge könnten durch globale Umverteilungsmechanismen wie „Wasserpfennig“ oder „Global Marshall Plan“ auch bei anderen „Big Six“­Herausforderungen erzielt werden. Die Banken sind gefragt, sich in neuen Kooperationen aktiv hierfür einzusetzen.

Dr. Axel Hesse, Berater für SD-M, promovierte zu „Sustainable Development Management – Politik- und Geschäftsfeld- Strategien für Banken“. www.SD-M.de

Weitere Informationen über nachhaltige Geldanlagen finden Sie im Magazin “Forum Nachhaltig Wirtschaften - Grünes Geld und Verantwortung”. Sie können das Magazin hier abonnieren. Besuchen Sie auch die Webseite www.forum-csr.net für weitere spannende Beiträge rund um Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeit.

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