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Strategie zur Nachhaltigkeit – die GRI G3 Richtlinien


Monday, April 28th, 2008




Ein Beitrag von Ralph Thurm für FORUM Nachhaltig Wirtschaften.

Seit Oktober 2006 ist die dritte Generation der GRI-Guidelines (Global Reporting Initiative) verfügbar – mittlerweile in viele Sprachen übersetzt und durch mehr und mehr so genannte Sector Supplements verstärkt. Rund 1.500 Organisationen weltweit bekennen sich zur Nutzung der GRI-Richtlinien. Allein in 2007 sind rund 700 GRI-Nachhaltigkeitsberichte publiziert worden.

Mit einer weiteren Zunahme ist insbesondere in und Teilen Asiens zu rechnen, wo die GRI zunehmend an Popularität gewinnt. Weitere Elemente des GRI-Berichterstattungsrahmens werden in den kommenden Monaten und Jahren folgen, so beispielsweise für NGOs, den Nahrungsmittelsektor, die Baubranche und für Flughäfen. Gleichzeitig wird an weiteren Ressourcen zur Vertiefung bestimmter Themenbereiche mit dem größten Veränderungspotential gearbeitet, wie zum Beispiel zum Thema Menschenrechte und Zusammenarbeit mit Kommunen.

Bereits beim Design der G3-Richtlinien stand die Verknüpfung zwischen Nachhaltiger Entwicklung und Strategieentwicklung stark im Vordergrund. Die G3-Richtlinien fragen sehr intensiv nach der Beziehung zwischen beiden Komponenten und wie sie sich bereits gegenseitig beeinflussen. Auch wird der Management-Integration viel Raum geschenkt. Letztlich steht der Prozess im Vordergrund, der zur Auswahl der „materiellen“ Themen und der Berichtsgrenzen führt. Anders ausgedrückt: „Wofür sind wir verantwortlich und wo grenzen wir uns ab?“ Für viele erstmalige Nutzer der G3-Richtlinien war dies eine deutliche Herausforderung, da es viel zu besprechen galt und organisatorische Hausaufgaben anstanden, bevor es an die sonst so sehr im Fokus stehenden Indikatoren ging. Die Anwendung der G3-Richtlinien ist nicht im Stile eines Kochbuches oder als Box-Ticking-Übung abzuarbeiten.

Nachhaltigkeit strategisch gestalten

Immer deutlicher zeigt sich jetzt die Notwendigkeit für genau diese neuen Elemente der G3-Richtlinien. So ist ein Zusammenwachsen der bis noch vor kurzem getrennten Management-Parrallelwelten Corporate Governance, Strategieentwicklung und Nachhaltigkeits-Management zu beobachten. Eine ganze Reihe von Studien und Reports bestätigen diese Trends, welche die Notwendigkeit zu einer ganzheitlichen Sicht der Unternehmensleistung und -steuerung zum Ausdruck bringt. Die G3-Richtlinien forcieren gerade die Auseinandersetzung mit diesen Fragen des Zusammenwachsens im Rahmen der Gestaltungsprozesse zu einer guten und kontinuierlich verbesserten Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Die Globalisierung zwingt Unternehmen zum Handeln hin zu einem ausbalancierten Produkt- und Serviceportfolio einerseits und einem ebenso angepassten Produktionsstätten- und Personalbestand in den verschiedenen Regionen andererseits. Im Kontext der nachhaltigen Entwicklung ist das eine Dilemma-Situation. Zu nennen sind zwei weitere Gründe für diesen Wandel in der Art und Sichtweise der Unternehmensführung. Zum einen steht die globale Weltwirtschaft vor dem nächsten großen technologischen Umbruch ihrer Geschichte.

Wohl und Wehe der Kondratjew-Zyklen

Wir sehen dem Beginn des sechsten sogenannten Kondratjew-Zyklus entgegen, der aus technologischer Sicht Themen wie Gesundheit, Bio-, Gen- und Nanotechnologie sowie generell an der Logik der Biologie ausgerichtete Technologien, wie etwa regenerative Energien, weiter vorantreiben wird. All dies sind Technologien, die zum ersten Mal in der menschlichen Geschichte in einer direkten Beziehung zur Frage des menschlichen Überlebens stehen.
Kondratjew-Zyklen werden typischerweise durch eine Rezession begleitet, die letztlich den Druck auf den Findungsprozess neuer innovativer Technologien nur noch verstärkt. Viele dieser neuen Technologien werden von Unternehmen erarbeitet, die noch jung sind, die aus Ausgliederungen oder Joint Ventures bestehender Unternehmen entstanden sind und die sich dort ansiedeln, wo die Diffusion von Wissen und Lernen infrastrukturell am besten gegeben ist.
Heute noch Silicon Valley und Bangalore, morgen vielleicht schon Dubai, Abu Dhabi und weitere Länder des Mittleren Ostens, die jetzt am Aufbau dieser Infrastrukturen arbeiten, um sich auf das Leben „nach dem Öl“ vorzubereiten. Sie zeichnen sich durch intensive Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Anspruchsgruppen aus.
Charakteristisch für diese Unternehmen sind ihre Anpassungsfähigkeit und Flexibilität, das offene Verhältnis zu den Nutzenfragen der neuen Technologien sowie die geringe Hierarchietiefe dieser Unternehmen, die auch eine sehr offene interne Diskussionskultur erlaubt. Typischerweise ist Nachhaltigkeit schon aufgrund der Sinnstiftung der Produkte Teil der „Unternehmens-DNA“. Stringente Governance-Prozesse sind unabdingbar notwendig für einen glaubhaften und offenen Austausch mit den externen Anspruchsgruppen.
Dieser Trend wird weiter gehen, insbesondere weil durch die Entwicklung des Internets – der größte Durchbruch des gerade zu Ende gehenden fünften Kondratjew-Zyklus – bereits der ideale Nährboden für den rasch wachsenden Erfolg flexibler Unternehmen gelegt wurde. Nicht ohne Grund sind auch Großunternehmen wie BT oder Toyota, die diese Trends aufgreifen und verinnerlichen, diejenigen, die sich weiter erfolgreich am Markt behaupten.

Stakeholderansprüche im Wandel

Zum anderen sind es gesellschaftliche Veränderungen selbst, die von Unternehmen eine stringentere und transparentere Unternehmensführung einfordern und damit zum Zusammenwachsen der genannten Management-Themenfelder beitragen. Vielfach wird dies in den Unternehmen so noch nicht gesehen, aber auch hier legen Studien ziemlich eindeutig den Bedarf dar. Die neueste Edelman-Studie belegt beispielsweise unmissverständlich die Erwartung der Anspruchsgruppen, dass Corporate Responsibility eine Priorität der Unternehmensführung zu sein hat und dass von Unternehmen eine Führungsrolle hinsichtlich der Kernthemen nachhaltiger Entwicklung erwartet wird. Dies entwickelt sich zum „Lackmustest“ hinsichtlich des weiteren Vertrauens in den privaten Sektor. Dieser Trend wird zusätzlich verstärkt, je mehr sich weitere Unternehmensskandale hinzu gesellen, selbst wenn diese in der öffentlichen Diskussion immer als Einzelfälle dargestellt werden.

Ein global angewandtes Instrument wie die GRI G3-Richtlinien begleiten diese Umwälzungsprozesse gesellschaftlicher Anspruchsmuster. Der Multi-Stakeholder Prozess, der Grundvoraussetzung der Erstellung von GRI-Produkten ist, arbeitet vielfach bereits die Themen heraus, die sich im Laufe der Zeit deutlicher herausbilden. So waren beispielsweise vor einigen Jahren Themen wie Menschenrechte und Anti-Korruptionsarbeit beinahe Tabuthemen unternehmerischer Berichterstattung. Dies hat sich innerhalb weniger Jahre stark verändert und wird heute von den berichterstattenden Unternehmen akzeptiert.

Ralph Thurm, 41, Associate Director for Business Engagement & Development GRI

Der Einfluss dieser beschriebenen Umschwünge wird sicherlich auch die GRI-Konferenz zu „Sustainability and Transparency: The Readers’ Verdict“ begleiten, bei der sich vom 7. bis 9. Mai wieder rund 1.200 Experten aus aller Welt in Amsterdam treffen werden. Erstmalig werden dort auch die Ergebnisse des Surveys zum GRI Readers’ Choice Award vorgestellt.
www.globalreporting.org

Weitere Informationen über nachhaltige Geldanlagen finden Sie im Magazin “Forum Nachhaltig Wirtschaften – Grünes Geld und Verantwortung”. Sie können das Magazin hier abonnieren. Besuchen Sie auch die Webseite www.forum-csr.net für weitere spannende Beiträge rund um Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeit.




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