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Nachhaltigkeitsberichte: Große Qualitätsunterschiede und ein Drittel Non-Reporter
Posted By factorY On November 23, 2007 @ 12:05 am In ++New Publications, +german | No Comments
Bochum > Das Hamburger Versandhaus OTTO legt 2007 den besten Nachhaltigkeitsbericht vor. So stellt es das aktuelle Ranking der Reports der 150 größten deutschen Unternehmen fest, dass das Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und die Unternehmensvereinigung future durchgeführt haben.
Wie die neue Ausgabe des Magazins factorY berichtet, erreichte OTTO 543 von möglichen 700 Punkten. Aus den insgesamt 58 Nachhaltigkeits- und Umweltberichten, die sie durchgesehen haben, befanden sie den des Energiekonzerns RWE als den zweitbesten. Er erhielt 528 Punkte. Das Chemieunternehmen BASF folgt auf Rang drei und verpasste mit 497 Punkten knapp die 500-Marke.
Niveau verbessert
Vor zwei Jahren hatten das IÖW und future erstmals die Nachhaltigkeitsberichte der 150 größten deutschen Unternehmen systematisch miteinander verglichen. 53 von ihnen legten einen solchen Report vor, in diesem Jahr sind es 58, die bewertet wurden. Dabei konnten die beiden Partner auf die Erfahrungen zurückgreifen, die bereits mit den Rankings von Umweltberichten gemacht worden waren, die man seit 1994 ebenfalls gemeinsam und mehrfach durchgeführt hatte. 2005 wie heute hat der Vorsitzende des Nachhaltigkeitsrats der Bundesregierung Dr. Volker Hauff die Schirmherrschaft übernommen. Erreichte der Spitzenreiter, das Unternehmen Henkel, seinerzeit 494 Punkte, so zeigen die aktuell erreichten Werte, dass das Niveau der Berichte insgesamt leicht gestiegen ist. “Es sind mehr Unternehmen geworden, die Nachhaltigkeitsberichte verfassen und die Qualität hat sich leicht verbessert”, stellt Jana Gebauer fest, die das Ranking von Seiten des IÖW wissenschaftlich bearbeitet hat. Allerdings sei auch festzustellen, dass “die Schere zwischen den besten Berichten und den Letztplazierten sich weiter geöffnet hat”.
Verbesserungen anregen
Das Ranking 2007 baut auf den 2005 entwickelten Kriterien und Verfahrensweisen auf, die bis auf eine branchenspezifische Überarbeitung für die Finanzdienstleister nahezu unverändert blieben. Es analysiert die Aussagekraft der Unternehmensberichte und die Qualität der Kommunikation. Die Bewertungsskala umfasst insgesamt 13 Haupt- und 48 Unterkriterien. Neben allgemeinen Informationen zum Unternehmen, seiner Geschäftsstrategie und Managementstrukturen, wird dabei der Umgang mit ökologischen und sozialen Aspekte der Produkte und Dienstleistungen untersucht. Aber auch die Glaubwürdigkeit des Berichts und die Qualität der Darstellung werden unter die Lupe genommen. Da die Kriterien für die Bewertung den Unternehmen jetzt bekannt waren – im Unterschied zum 2005 erstmals durchgeführten Ranking – habe das Bewertungsteam von future und IÖW diese auch strikter angewandt als beim ersten Mal, erklärt Jana Gebauer. Bevor die Juroren endgültig die jeweilige Punktzahl für einen Nachhaltigkeitsbericht festgelegt haben, übermittelten sie den Unternehmen ihre Bewertung. Diese bekamen Gelegenheit, Stellung zu nehmen, und erst danach wurde die endgültige Punktzahl festgelegt. “Das Verfahren soll transparent sein und die Akzeptanz der Bewertung in der Wirtschaft stärken”, begründet future-Geschäftsführer Dr. Udo Westermann dieses Vorgehen. “Unser Anliegen ist es, Verbesserungen anzuregen und nicht Unternehmen abzustrafen”.
Branchen
Nach wie vor berichtet ungefähr ein Drittel der 150 deutschen größten Unternehmen gar nicht über ihren Umgang mit den Themen gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltige Entwicklung, weder in einem Nachhaltigkeitsbericht, noch integriert in den Geschäftsbericht oder im Internet. “Der größte Anteil dieser Non-Reporter findet sich in den Branchen Versicherung und Handel”, berichtet Jana Gebauer. Die großen Discounter Lidl, Aldi und Schlecker sind am Thema nach wie vor nicht interessiert. Gleichzeitig sind mit Otto und Arcandor (vormals Karstadt/Quelle) gleich zwei Handelsunternehmen unter den Top Ten des Rankings. Die meisten Berichte werden von den großen Chemie- und Pharmaunternehmen (13) sowie den Banken (7) veröffentlicht. Im Baubereich hält einsam die HochTief AG die Fahne hoch, sie ist das einzige große Bauunternehmen in Deutschland, das einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht.
Wie die Reports mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen wie der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie umgehen und wie sie heikle Fragen wie Korruption einbeziehen, stellt das aktuelle Heft von factorY, dem Magazin für Nachhaltiges Wirtschaften vor. In einem Interview erläutert Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), wo er noch Verbesserungsbedarf aus Sicht des Verbraucherschutzes sieht. Außerdem beschäftigt sich das neue factorY-Magazin mit der Bedeutung von Nachhaltigkeitsberichten für kleine und mittelständische Unternehmen – und bietet Hinweise für die Gestaltung eines guten Nachhaltigkeitsberichts.
factorY, das Magazin für Nachhaltiges Wirtschaften, wird von der Effizienz-Agentur NRW (www.efanrw.de [1]), der Initiative future e.V. – verantwortung unternehmen (www.future-ev.de [2]) und dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH (www.wupperinst.org [3]) herausgegeben und erscheint vierteljährlich.
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