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Studie: CSR deutscher Unternehmen überwiegend traditionsorientiert, spontan und unpolitisch


Wednesday, November 14th, 2007




Halle / Paderborn > Freiwilliges Unternehmensengagement in Deutschland geschieht traditionsorientiert und ist selten strategisch ausgerichtet oder an Gewinnmaximierung orientiert. Zwischen den kleinen und mittleren Unternehmen auf der einen und den Großunternehmen auf der anderen Seite zeichnet sich in Bezug auf deren Corporate Social Responsibility ein Bruch ab, da die Großen verstärkt internationale Impulse aufgreifen. Diese Thesen belegen Holger Backhaus-Maul und Sebastian Braun mit den Ergebnissen einer empirischen Erhebung unter 501 Unternehmen in Deutschland ab einer Größenordnung von 1 Mio. EUR Jahresumsatz und zehn Mitarbeitern.

Die Autoren untersuchen Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship und stellen dabei fest: Deutsche Firmen nehmen mit ihrem gesellschaftlichen Engagement eher eine gesellschaftspolitisch passive Rolle wahr, engagieren sich selten für kontrovers diskutierte Themen und beschränken sich überwiegend auf die Bereitstellung von Geld- und Sachspenden vor Ort. Gesellschaftsbezogene Aktivitäten sind nach den Ergebnissen der Untersuchung selten in übergeordnete Konzeptionen und Strategien der Unternehmen eingebettet und erfolgen überwiegend spontan und unkoordiniert. Aus diesem Gesamtbefund hebt sich das Engagement von Großunternehmen ab, die – auch aufgrund der internationalen CSR-Debatte – gesellschaftliches Engagement deutlich häufiger als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg begreifen, von sich aus aktiv auf Partner aus ihrem gesellschaftlichen Umfeld zugehen und deutlich häufiger Evaluationsinstrumente einsetzen.

Einige Einzelergebnisse der Studie:

> 96% der befragten Unternehmen sind gesellschaftlich engagiert, und zwar unabhängig von der Unternehmensgröße.
> Geldspenden (83,4%) und Sachspenden (59,7%) stellen den überwiegenden Teil des Engagements dar.
> Fast drei Viertel der befragten Unternehmen engagieren sich dabei in ihrem unmittelbaren lokalen Umfeld, 14,5% national und 13,6% international.
> Die Bereiche “Sport” und “Freizeit” stellen für die Unternehmen die interessantesten Handlungsfelder dar; mit deutlichem Abstand folgen die Bereiche “Erziehung und Bildung”, “Kommune und Gemeinwesen” und “Soziales”.
> Etwa 60% der Unternehmen gehen für ihr gesellschaftliches Engagement Kooperationen ein, und zwar mit lokalen freiwilligen Vereinigungen (70%), Bildungseinrichtungen (43,7%), Wohlfahrtsverbänden (37,8%) und Kommunalverwaltungen (35,6%).
> Die eigene Wettbewerbssituation wollen 24,1% der Unternehmen mit ihrem gesellschaftlichen Engagement verbessern.
> Nur 3,8% der befragten Unternehmen bündeln ihre CSR-Aktivitäten in einer Stiftung.

“Fasst man die Befunde zusammen, dann erhält man ein Bild des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen in Deutschland, demzufolge dieses Engagement als ein selbstverständlicher Bestandteil unternehmerischer Aktivitäten in der lokalen Zivilgesellschaft der Betriebsstandorte beschrieben werden kann und sich dabei vorrangig durch die Bereitstellung materieller Unternehmensressourcen zugunsten von sport- und freizeitorientierten Projekten des lokalen Vereinswesens auszeichnet”, interpretieren Backhaus-Maul und Braun die Ergebnisse der Studie.

Veröffentlicht sind die empirischen Befunde der beiden Autoren in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Stiftung & Sponsoring” (5/2007). Die Untersuchung wurde in Kooperation zwischen dem Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement der Universität Paderborn, FORSA – Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse mbH und dem Centrum für Corporate Citizenship Deutschland e.V. durchgeführt und von der Deutschen British Petrol AG gefördert.

Die Autoren:
Dipl.-Soz., Mag.rer.publ. Holger Backhaus-Maul
(holger.backhaus-maul@paedagogik.uni-halle.de)
Prof. Dr. Dr. Sebastian Braun
(Sebastian.Braun@uni-paderborn.de)

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Achim Halfmann (CSR NEWS)

Achim Halfmann is CSR NEWS' managing director and editor-in-chief.

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COMMENTS
1 diahrk, November 15th, 2007

der aufmacher ist irreführend & der diskussion nicht dienlich — aber er wirft die frage auf: warum wird “csr” mit “spendenethik” gleichgesetzt? ist das im sinn der autoren der studie?

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