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Verbraucher bevorzugen Bio-Produkte

Posted By Rudolf X. Ruter On October 29, 2007 @ 7:43 am In ++New Publications, +Businesses & Consultants, editor's news | No Comments

Düsseldorf > Die Mehrzahl der Deutschen bevorzugt nach eigener Aus-sage Bio-Produkte: Rund 75 Prozent der Befragten würden grundsätzlich lieber zur Bio-Alternative greifen - auch wenn es sich um eine andere Marke als die bisher bevorzugte handelt. 78 Prozent der Verbraucher sind grundsätzlich bereit, für ein Bio-Produkt mehr zu bezahlen als für ein herkömmliches Konkurrenzprodukt. 38 Prozent sind sogar bereit, für ein Bio-Produkt einen Aufschlag von mehr als 10 Prozent zu zahlen. Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die den Markt für Bio- und Fair-Trade-Produkte untersucht.

Auch aufgrund eines noch limitierten Angebots achten derzeit allerdings nach eigenen Angaben nur 14 Prozent der Verbraucher beim Einkauf von Lebensmitteln immer und 23 Prozent häufig auf die Kennzeichnung als Bio-Produkt. Insbesondere bei Gemüse, Obst und Fleisch legen die Verbraucher großen Wert auf Bio-Produkte. In diesen Produktkategorien geben 81 Prozent, 77 Prozent bzw. 71 Prozent an, dass sie Bio-Produkte bevorzugen. Bei Milchprodukten und Fisch greifen nur 30 Prozent bzw. 33 Prozent lieber zu Bio-Ware als zu konventionellen Produkten. Bio-Getränke oder Bio-Süßwaren sind nur für fünf Prozent bzw. zwei Prozent attraktiv.

Lukratives Geschäft mit Bio-Ware
Der Handel stellt sich auf die steigende Nachfrage nach Bio-Produkten ein: 59 Prozent der befragten Handelsunternehmen geben an, dass das Thema „Bio“ für die eigene strategische Ausrichtung von großer Bedeu-tung ist. „Heute kann es sich kein Handelsunternehmen mehr leisten, auf Bio zu verzichten“, so Peter Schommer, Partner bei Ernst & Young. „Wer den Bio-Trend ignoriert, droht Kunden und Marktanteile zu verlieren“. Zudem sei der Verkauf von Bio-Produkten für die Händler durchaus lukrativ: Zwei Drittel der befragten Handelsunternehmen gaben an, dass die realisierten Rohgewinnspannen über denen für konventionelle Lebensmittel liegen.

Verbraucher wollen den Bioladen in ihrer Nachbarschaft
Die Verbraucher würden Bio-Produkte gegenwärtig am liebsten beim Hofladen kaufen. An zweiter Stelle steht der Supermarkt, gefolgt vom Wochenmarkt. Aus dem Vergleich der gegenwärtigen Kaufgewohnheiten für Bio-Produkte mit dem künftig beabsichtigten Einkaufsverhalten ergibt sich - ein entsprechend umfassendes Angebot an Bio-Produkten vorausgesetzt - für Biosupermärkte mit 33,4 Prozent das höchste Wechselpotenzial, gefolgt vom Bio-Laden (31,7 Prozent) und vom Hofladen (25,3 Prozent). Selbst die Discounter können noch mit einem Wechselpotenzial von 11,3 Prozent rechnen.

Allerdings ist es den Verbrauchern sehr wichtig, dass sich ihre Bezugs-quelle für Bioprodukte in ihrer Nachbarschaft befindet. Ein Händler mit gutem Bio-Angebot stellt für mehr als die Hälfte der Verbraucher nur dann eine Alternative zu ihrem bisherigen Händler dar, wenn er nicht weiter als fünf Kilometer von der Wohnung entfernt ist. Eine Entfernung von mehr als zehn Kilometern sind gar nur noch 16 Prozent der Befrag-ten bereit zu akzeptieren. „Die Kunden wünschen sich den Bioladen in ihrer direkten Nachbarschaft. Bio wird sich also auf breiter Front nur dann durchsetzen, wenn es den Händlern gelingt, ein flächendeckendes Filialnetz aufzubauen“, kommentiert Schommer.

Unklarheit, was „Bio“ bedeutet
Bei den Verbrauchern besteht noch kein klares Bild, was Bio eigentlich konkret bedeutet. 82 Prozent der Befragten verbinden mit Bio gesunde Ernährung, 70 Prozent artgerechte Tierhaltung und Artenschutz. Gute Nährwerte und Umweltschutz erwarten 65 Prozent bzw. 60 Prozent der Befragten von Bio-Produkten. Und jeder dritte Verbraucher (35 Prozent) geht davon aus, dass in der Herstellung von Bio-Produkten Energie eingespart wurde. „Das Bild, das die Verbraucher von Bio haben, ist ziemlich diffus“, kommentiert Thomas Harms, Partner bei Ernst & Young. Die Vielzahl von Biosiegeln erschwere es für den Verbraucher noch, den Überblick zu behalten. “In der Wahrnehmung vieler Verbraucher vermischen sich Begriffe wie Bio, Öko oder Fairtrade“, stellt Harms fest.

Bio ist noch keine Marke
Nicht nur der Begriff „Bio“ ist in der Wahrnehmung der Verbraucher nicht klar besetzt, auch der Markt für Bio-Produkte ist aus Sicht der Verbrau-cher noch sehr diffus. Noch hat sich im Biosegment keine Marke als füh-rende „Biomarke“ durchgesetzt. Vielmehr nennen die Verbraucher auf die Frage, ob ihnen eine konkrete Marke einfällt, die für Bio-Produkte stehe, eine Vielzahl von verschiedenen Marken und Siegeln, von denen nur eine – Demeter – von mehr als zehn Prozent der Befragten genannt wird. „Noch sind im Bio-Segment keine Marken wirklich etabliert“, stellt Harms fest. „Das ist eine Chance sowohl für Eigenmarken des Handels als auch für Herstellermarken“.

„Derzeit tun sich Produzenten und Händler noch schwer, das Image von Bio-Produkten zu fördern und mit gezielter Werbung zu unterfüttern – meist bleibt es bei dem Hinweis der Zertifizierung auf dem Produkt“, so Harms. Damit würden erhebliche Chancen vertan: „Wenn es gelingt, Bio zu einer klar positionierten Marke zu machen und damit einen bestimm-ten Lebensstil und Status zu verbinden, haben Bio-Produkte und Bio-Händler erhebliche Wachstumschancen“, erwartet Schommer.

Erhebliches Wachstumspotenzial
„Es reicht dem Konsumenten nicht mehr, ‚nur’ schmackhaft satt zu wer-den. Attribute wie ‚Bio’, ‚aus fairem Handel’ und ‚aus nachhaltiger Pro-duktion’ beeinflussen seine Kaufentscheidung mehr und mehr“, fasst Schommer zusammen.

Mittelfristig bestünden durchaus gute Chancen, dass sich Bio-Supermärkte und Bio-Discount-Ketten in Deutschland etablieren und Bio-Produkte von Nischen- zu Mainstream-Produkten würden. „Es ist gut vorstellbar, dass der Marktanteil von Bio- und Fair-Trade-Produkten mittelfristig von derzeit unter 10 Prozent auf 30 Prozent steigt“, prognostiziert Schommer. Für den langfristigen Markterfolg von Händlern und Herstellern sei allerdings von großer Bedeutung, dass das Vertrauen, das die Konsumenten in Bio-Produkte setzen, nicht enttäuscht werde. So er-warten etwa 90 Prozent der Befragten vom Handel und von den Produzenten eine Garantie, dass die Waren tatsächlich ökologisch, ethisch korrekt und nachhaltig produziert wurden.


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