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Werbung zunehmend unmoralisch


Tuesday, October 23rd, 2007




Berlin - Werbung dient nicht nur Unternehmen zur Verkaufsförderung, sondern zeigt auch auf, wo die Tabuthemen einer Gesellschaft liegen. Dass die Marketingstrategen dabei oft genug über das Ziel hinausschießen, kann man an den wachsenden Beschwerdezahlen sehen, die dieses Jahr den Deutschen Werberat erreichten. Nun hat der Vorsitzende des Deutschen Werberats, Hans-Henning Wiegmann, anlässlich der Veröffentlichung der Halbjahresbilanz der Schiedsstelle am vergangenen Mittwoch in Berlin an Unternehmen und Konsumenten appelliert, rücksichtsvoll miteinander umzugehen. In den ersten sechs Monaten 2007 nahmen die vom Werberat beanstandeten kommerziellen Werbekampagnen um ein Viertel auf 41 (Vorjahr: 33) zu. Gleichzeitig beobachtete der Werberat aber auch einen Anstieg der aus ihrer Sicht ungerechtfertigten Kritik an Werbeaktivitäten. In der ersten Hälfte des Jahres wies das Gremium Beschwerden zu 110 Kampagnen wegen überzogener Vorwürfe zurück, über ein Drittel mehr als im Vorjahr. Gefühle achten Angesichts dieser Entwicklung meinte Wiegmann, dass die werbende Wirtschaft noch stärker die Gefühle von Menschen beachten müsse. „Jede Form der Diskriminierung im Zusammenhang zum Beispiel mit Geschlecht, Alter, Religion oder sexueller Orientierung wird vom Werberat beanstandet und auf Korrektur oder Rücknahme der Werbemaßnahme hingewirkt“, sagte Wiegmann. Aber auch Kritiker hätten Verantwortung. Die Verbraucher müssten wirklichkeitsnahe Maßstäbe anlegen, die der Toleranz in der Gesellschaft entsprächen und sich in der Werbung widerspiegeln dürften. Das Werbejahr 2007 war auch ganz besonders durch den Missbrauch der christlichen Botschaft geprägt. Nachdem erst kürzlich der Pay-TV-Sender Premiere mit dem Motto: „Eure Gebete wurden erhört“ für seine Bundesliga-Übertragungen warb, erregte auch der Lebensmittelhändler Edeka mit der Werbekampagne „Danke Eva“ erheblichen Unmut. Darin wurde die biblische Urmutter als „erste große Genießerin der Menschheit“ bezeichnet. (beko|22.10.2007)

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Dr. Stephan Pesch (CiW Wirtschaftsnachrichten)



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