Brauchen wir eine neue Ethik in deutschen Unternehmen und eine Debatte darüber? “Ich denke sie ist in diesem Jahr besonders wichtig, weil wir geradezu ein Jahr der Wirtschaftsskandale erlebt haben. Ich denke, dass es an der Zeit ist, diese Debatte zu führen und wir wollen sie auch ganz bewusst an unseren Hochschulen dort führen, wo die jungen Leute Wirtschaftswissenschaften lernen, damit sie richtig geschult dann ins Leben hinaus gehen.” Das sagte Landeswirtschaftsminister Dietrich Austermann aus Schleswig-Holstein in der Sendung “Journal am Vormittag” in dieser Woche im Deutschlandfunk.
Moderator Michael Roehl hatte auch Dr. Ulf Böge eingeladen, Präsident des Bundeskartellamtes. Der wollte nicht von Wirtschaftsskandalen sprechen, aber von “sehr vielen Ungereimtheiten” angesichts “enorm wachsender Gehalststeigerungen von Unternehmensführern und gleichzeitigem Abbau von Beschäftigung”. Prof. Johann Eekhoff, Direktor de Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln, plädierte in der gleichen Sendung dafür, dass man “sehr stark differenzieren muss zwischen Entscheidung und Verantwortung. Also Korruption kann nur dort passieren, wo jemand die Verantwortung für die Entscheidung nicht trägt, wo die Kosten von Dritten getragen werden.” Auch Christian Schütte, Kommentarchef der Zeitung Financial Times Deutschland, war dabei und legte ebenfalls Wert auf Differenzierung, “weil ich es gefährlich finde, kriminelle Verhaltensweisen wie Korruption und Untreue in einem Atemzug zu nennen mit Private-Equity-Geschäften von den berühmten Heuschrecken, Unternehmensübernahmen, die getrieben sind natürlich von einem extremen Renditestreben. Dieses Renditestreben ist nicht per se kriminell, zumindest noch nicht.”
Der Deutschlandfunk hat die Sendung aufgezeichnet. Leser von csr-news.net können das Gespräch nachhören unter www.dradio.de/aod/html/?year=2006&month=12&day=27&page= […] “Länderzeit 27.12.06 Kieler Wirtschaftsminister fordert neue Unternehmensethik”.
Robin Keppel, Oldenburg