Ingelheim > AIDS und die medizinische Versorgung der Bevölkerung stellen für die Länder Asiens ein enorm wachsendes und für afrikanische Staaten sein langem ein zentrales Problem dar. In Indien liegt dies durchaus nicht immer an fehlenden Medikamenten, sondern oft an einem System der Bestechungsgeldzahlungen. Trotzdem: Medikamentenpreise sind ein zentraler Punkt bei der Versorgung der Bevölkerung - gerade in Bezug auf die hohen AIDS-Infektionsraten. Die ARD-Sendung „Report aus Mainz“ berichtete dazu am 27. November 2006 kritisch über einen Patentantrag, den das Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim in Indien für den AIDS-Sirup Viramune® (Nevirapin) stellte. Die BUKO-Pharmakampagne griff diese Kritik auf: “Nevirapine-Sirup ist entscheidend für die Behandlung HIV-infizierter Kinder. … Die Firma sicherte der BUKO Pharma-Kampagne schriftlich zu, dass sie in Indien keinen Patentantrag auf den überlebenswichtigen Aids-Sirup Nevirapine gestellt hätte. Erst nachdem indische Patentanwälte den Patentantrag fanden, gab die Firma zu, doch einen Antrag gestellt zu haben. (…) Selbst wenn Boehringer Lizenzen erteilte, würden die Preise steigen. Weniger Kinder könnten behandelt werden, mehr würden sterben”, teilte der Verein in einer schriftlichen Stellungnahme am Tag nach der Sendung mit. Gegenüber CSR today betonte dagegen der Pharmakonzern:
Die Patentrechte von Boehringer Ingelheim an Viramune® (Nevirapin) stellt kein Hindernis für den Zugang zu diesem Medikament in einkommensschwachen Ländern dar, betont das Unternehmen. Der Konzern erteilte bisher sieben Lizenzen zu einem geringen nominellen Lizenzsatz für die generische Herstellung (also für Nachahmerpräparate) von Nevirapin-Produkten an Generika-Hersteller in Entwicklungsländern, um so die Versorgung von Ländern Afrikas südlich der Sahara und in Ägypten sicherzustellen.
Auch der in dem “Report”-Bericht genannte Patentantrag von Boehringer Ingelheim in Indien habe keine Auswirkungen auf die Versorgung von Kindern in einkommensschwachen Entwicklungsländern mit generischem Nevirapin. Nach dem in Indien gültigen Patentgesetz könne etwa die Firma Cipla die vor 2005 produzierten Medikamente auch bei späterer Patenterteilung weiter herstellen und vertreiben. Zu einer Verteuerung der Produkte durch Lizenzgebühren komme es dabei nicht. Die geringe Lizenzgebühr sei gerechtfertigt, da Boehringer Ingelheim als Lizenzgeber auch weiterhin den Zulassungsbehörden gegenüber verantwortlich ist, Informationen zu Nebenwirkungen von Nevirapin auszuwerten und medizinische Studien zur Verträglichkeit durchzuführen. Und schließlich würden mit den Lizenzgebühren wiederum Hilfsprojekte in Südafrika unterstützt.
Boehringer Ingelheim kann auf weitere Aktivitäten im Rahmen seiner Corporate Social Responsibility hinweisen: So ermöglicht das Unternehmen seit 2000 den kostenlosen Zugang zu Einzeldosen von Viramune® (Nevirapin), das die Mutter-Kind-Übertragung des HI-Virus während der Geburt verhindern soll. Boehringer Ingelheim spendet das Präparat zurzeit in 59 Länder in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Bisher wurden mehr als 885.000 Einzeldosen für Mütter und Kinder gratis abgegeben. Das Unternehmen ist Gründungsmitglied der Accelerating-Access-Initiative (AAI - Zusammenschluss von Pharmaunternehmen mit der WHO, UNICEF, UNAIDS, Weltbank u.a.). Zu einem erheblich reduzierten Preis bietet der Pharmazeut für die Behandlung in Entwicklungsländern das Präparat Viramune® an. Und Boehringer Ingelheim legt Wert auf die hohe Bedeutung seiner Forschungsaktivitäten zu Behandlungsmöglichkeiten für Kinder im Bereich HIV.