Amsterdam > Auf menschenunwürdige und akut gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen in der Handy-Industrie weist das niederländische Zentrum für Studien über multinationale Unternehmen (SOMO) hin. Bei einer Überprüfung der weltweit größten Hersteller und deren Zulieferern seien massive Verstöße gegen die jeweiligen Corporate Social Responsibility (CSR)-Richtlinien der Unternehmen festgestellt, berichtet SOMO im Zusammenhang mit einer am Wochenende in Amsterdam vorstellten Studie.
Basis der Untersuchung bilden Interviews mit 203 Arbeitern aus 13 Werken in China, Indien, Thailand und auf den Philippinen. Dabei stießen die Verfasser auf Werke, in denen zahlreiche Beschäftigte Vergiftungserscheinungen von ungeschützter Arbeit mit n-Hexan aufwiesen. In anderen Werken wurde Arbeitern, die Handy-Komponenten löteten, lediglich Milch zur Reinigung des Körpers von Blei-Rückständen zur Verfügung gestellt. Schutzkleidung musste diese Arbeitnehmer selbst finanzieren. Zudem trafen die Forscher auf Arbeitszeiten von bis zu 72 Stunden pro Woche und deutliche Einschränkungen der Gewerkschafts- und Versammlungsfreiheit.
Laut SOMO ist es für die großen Handy-Hersteller schwer, die Situation positiv zu beeinflussen: Die Lieferketten seien äußerst komplex und selbst kleine Komponenten würden häufig in Zusammenarbeit von gut einem Dutzend Firmen produziert. “Generell versagen die großen Markenunternehmen aber dabei, Verantwortung für die schlechten Bedingungen der Beschäftigten dort zu übernehmen”, so die Autoren der Studie nach einer Meldung des Internetforums de.internet.com.