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Geringes Vertrauen in große Wirtschaftsunternehmen


Tuesday, November 28th, 2006


Neue Ergebnisse der Wertestudie „Ethik-Monitor“ der gemeinnützigen Hamburger Stiftung „Wertevolle Zukunft“ belegen, dass die Bevölkerung den großen deutschen Wirtschaftsunternehmen noch weniger vertraut als der Bundesregierung. Das bestätigt eine repräsentative Emnid-Umfrage unter rund 1.000 Bundesbürgern. Große Wirtschaftsunternehmen werden demnach als weniger vertrauenswürdig empfunden als Bundestag und Bundesregierung, die beide ebenfalls unter einem erheblichen Vertrauensmangel leiden. Lediglich elf Prozent der Befragten äußerten Vertrauen gegenüber den großen Wirtschaftsunternehmen. Der Bundesregierung wird mit fast 14 Prozent nur geringfügig mehr Vertrauen entgegengebracht.

Top-Manager verantwortlich für den Vertrauensverlust

Fragt man nach den Ursachen des Vertrauensverlustes in die großen Wirtschaftsunternehmen, findet sich im Misstrauen gegenüber den führenden Wirtschaftsakteuren eine Antwort: 79 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass die Wirtschaftsführer vor allem an ihre eigenen Interessen denken und ganze 42 Prozent meinen, die meisten Wirtschaftsführer seien korrupt. Nur knapp 13 Prozent glauben, es ginge den Spitzen der Wirtschaft auch um das Gemeinwohl. 77 Prozent äußern die Überzeugung, dass es den Spitzen der Wirtschaft vor allem nur noch um die Steigerung des Aktienkurses auf Kosten der Mitarbeiter gehe. Zu den Ergebnissen meint Prof. Dr. Behnke von der LMU München, Leiter des Forscherteams, das die Studie auswertet: „Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Vertrauensverlust der großen Unternehmen und der Bewertung der Wirtschaftsführer.“

Vertrauen in den Mittelstand ist deutlich höher

Das Vertrauen in „die Wirtschaft“ hängt stark davon ab, wer als Repräsentant derselben angesehen wird: Während mittelständische Unternehmen das Vertrauen von immerhin 43 Prozent der Befragten genießen, schenken nur etwas mehr als elf Prozent den großen Wirtschaftsunternehmen ihr Vertrauen. Insgesamt lässt sich im Vergleich zu der politischen Vertrauenskrise – weder dem Bundestag, der Bundesregierung noch der Europäischen Union vertrauen mehr als 14 Prozent der Befragten - nicht von einer Vertrauenskrise der Wirtschaft im Allgemeinen, sondern vielmehr der großen Wirtschaftsunternehmen sprechen.

„Dieser Befund zeigt, wie leicht Vertrauen verspielt werden kann. Noch bis in die 1990er Jahren war die Reputation des Mittelstandes eher mit „Herr im Haus-Politik“ verbunden, wohingegen große Konzerne in der Bewertung der Öffentlichkeit deutlich besser wegkamen. Dabei ist es unerheblich, ob der Eindruck der Bevölkerung zutrifft; Unternehmen müssen in jedem Fall erkennen, dass ihnen der Vertrauensverlust ökonomisch schaden kann“, so Dr. Jesco Kreft, der Geschäftsführer der Stiftung Wertevolle Zukunft.

Die Werte-Studie „Ethikmonitor“ soll im Zeitraum von zwei Jahren regelmäßig mit anderem Schwerpunkt durchgeführt werden. Der Gründung der Stiftung im Jahre 2005 liegt die Überzeugung zugrunde, dass moderne pluralistische Gesellschaften für Vielfalt, demokratische Partizipation und Gemeinwohl wenigstens ein paar kollektiv verknüpfende Leitideen und Werte benötigen. Die Stiftung unterstützt und leitet Projekte, Initiativen und Forschung im Bereich der Wirtschaftsethik.




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Dr. Stephan Pesch (CiW Wirtschaftsnachrichten)



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