Müssen Christen ein schlechtes Gewissen haben, wenn es ihnen finanziell gut geht? Der Erlanger Wirtschaftsprofessor Werner Lachmann verneint das in seinem kürzlich erschienenen Buch Wirtschaft und Ethik. Im Gegenteil stellt er fest, dass die Bibel Besitz bejahe. Gerade in den Zehn Geboten würde Eigentum geschützt. Dort heißt es Du sollst nicht stehlen und Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Statt Besitz zu verbieten, sei es in der Bibel eine Urschuld, Eigentum des Anderen zu begehren. Wenn Gott jemandem Schätze und Reichtum gebe, gestatte er ihm auch, sich daran zu freuen, meint Lachmann. Ein Christ bleibe aber Haushalter und müsse Rechenschaft über den Gebrauch seines Besitzes abgeben. Wie alle guten Gaben könne auch der Reichtum pervertiert werden. Reichtum könne zu Selbstüberschätzung, Hochmut und letztlich zu Gottesentfremdung führen. Keiner käme aber auf die Idee, Liebe abzuschaffen, nur weil mit ihr Schindluder getrieben wird, schreibt der Wirtschaftsethiker.
Weiter wendet sich Lachmann gegen das gängige Vorurteil, dass Wohlstand nur auf Kosten der Armen erlangt werden könne. Der ökonomische Kuchen in der modernen Marktwirtschaft werde immer größer, sodass Reiche wohlhabend werden könnten, ohne den Armen zu schaden. So sei auch der Reichtum der Industriestaaten durch Arbeit, Handel und kluges Wirtschaften erworben - er sei geschaffen und nicht geraubt worden.
Diese und weitere Fragen zum Verhältnis zwischen ethischem und wirtschaftlichem Handeln stehen im Mittelpunkt des unideologischen und zeitgemäßen Buches. Anschaulich bietet es einen umfassenden Überblick über wirtschaftliche Zusammenhänge und beleuchtet diese aus biblisch-ethischer Sicht. Anhand aktueller Probleme, wie Arbeitslosigkeit, Globalisierung und Umweltpolitik zeigt Lachmann auf, wie man sachliche Lösungen nach ethischen Maßstäben erreichen kann. Ermöglicht wurde das Buch durch die finanzielle Unterstützung der Plansecur-Stiftung. (beko|27.11.2006)
Werner Lachmann, Wirtschaft und Ethik - Maßstäbe wirtschaftlichen Handelns aus biblischer und ökonomischer Sicht, LIT Verlag, 2006, ISBN 3-8258-9844-X, Preis: 29,90 Euro