„Wenn es um Wasser und sanitäre Anlagen geht, leidet die Welt an einem Überschuss an Konferenzen und einem Defizit an glaubwürdigen Aktionen“. Zu diesem Schluss kommt der federführende Autor des Weltentwicklungsberichts 2006, den die Vereinten Nationen kürzlich vorlegten.
Unter dem Titel „Nicht nur eine Frage der Knappheit: Macht, Armut und die globale Wasserkrise“ veranschaulicht der Human Development Report 2006 die Folgen der ungleichen Ressourcenverteilung. Dem Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) zufolge sterben jährlich 1,8 Millionen Kinder an den Folgen von Durchfallerkrankungen. 443 Millionen Schultage gehen aufgrund wasserbedingter Krankheiten verloren. Alleine die Länder südlich der Sahara verzeichnen jährliche Einbußen in Höhe von fünf Prozent ihrer Wirtschaftskraft.
Das Millenniumentwicklungsziel der Vereinten Nationen, bis 2015 den Anteil der Menschen ohne sanitäre Entsorgung zu halbieren, ist in vielen Regionen unerreichbar. UNDP prognostiziert, dass die Länder südlich der Sahara bei Fortsetzung der gegenwärtigen Trends dieses Ziel erst 2076 erreichen.
UNDP forderte die Regierungen in den Entwicklungsländern dazu auf, wenigstens ein Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für die Wasser- und Sanitärversorgung aufzuwenden. Heute liegen die Ausgaben im Durchschnitt bei der Hälfte. Zugleich müsste die Entwicklungshilfe um zusätzliche 3,4 bis 4 Milliarden US-Dollar pro Jahr aufgestockt werden. UNDP plädiert zudem für einen globalen Aktionsplan, um die fragmentierten internationalen Anstrengungen zu bündeln. Bei dessen Umsetzung müssten die acht wichtigsten Industrienationen (G8) die Speerspitze bilden.