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Wirtschaftswachstum durch mehr Kinder und „weniger“ Familie?


Friday, November 17th, 2006


Gezielte Familienpolitik“ ist ein bedeutsamer Wachstumstreiber für die deutsche Volkswirtschaft, behauptet eine Expertise des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die vergangene Woche im Rahmen des gemeinsamen Symposiums „Wachstumsfaktor Familie“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI) und des IW vorgestellt wurde.

Als Bestandteile einer „wachstumsorientierten Familienpolitik“ empfiehlt die Expertise die Einführung eines Elterngeldes, den Ausbau der frühkindlichen Kinderbetreuung, die Verkürzung der Schul- und Ausbildungszeiten bei gleichzeitiger Einführung von Ganztagsschulen sowie die fortgesetzte und verstärkte Modularisierung der Ausbildung. Diese Maßnahmen sollen Familien besser in die Lage versetzen, ihre „Reproduktionsfunktion“ zu erfüllen, so die Studie. Gleichzeitig soll es Frauen schneller und leichter ermöglicht werden, ins Berufsleben zurückzukehren. Durch mehr Beschäftigte, eine gesenkte Abgabenlast und ein höheres Bildungsniveau könne das Wirtschaftswachstum von prognostizierten 0,7 Prozent jährlich bis zum Jahr 2030 auf 1,1 Prozent, bis 2050 sogar auf 1,3 bis 1,7 Prozent erhöht werden.

Wenig überzeugt allerdings die Methodik der Expertise. Dass es durch die familienpolitischen Maßnahmen zu einer Erhöhung der Geburtenrate, einer Steigerung der Frauenerwerbstätigkeit und zu besseren Bildungschancen für Kinder kommt, wird in den Szenariorechnungen einfach „angenommen“, um weiterrechnen zu können. Ob diese Effekte sich auch tatsächlich einstellen werden, bleibt aber abzuwarten. Insofern bleiben die ökonomischen Wirkungen einer „wachstumsorientierten Familienpolitik“ nach wie vor unbewiesen.

Anders interpretiert Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen die Ergebnisse: „Die Expertise belegt eindrucksvoll, dass eine bevölkerungsorientierte Familienpolitik einen eigenständigen Beitrag dazu leisten kann, den demographiebedingten Bremseffekten auf Wachstum und Wohlstand entgegenzuwirken“, zeigt sich die Ministerin überzeugt. Mit dem gemeinsamen Engagement im Rahmen der „Allianz für die Familie“ wollen das Familienministerium, der BDI und das IW der wachstumspolitischen Debatte in Deutschland eine bevölkerungsorientierte Facette hinzufügen. Synergien zwischen Familienpolitik, Bildungspolitik und Beschäftigungspolitik sollen künftig besser genutzt werden. (spe|17.11.2006)




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Dr. Stephan Pesch (CiW Wirtschaftsnachrichten)



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