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Mangelndes Unrechtsbewusstsein ist Hauptursache für Wirtschaftskriminalität


Monday, November 13th, 2006



Frankfurt am Main - Nur ein Drittel der Wirtschaftsstraftaten bei Banken und Versicherungen lässt sich auf Schwachstellen im Kontrollsystem zurückführen, 64 Prozent jedoch auf ein mangelndes Werte- und Unrechtsbewusstsein und 51 Prozent auf den aufwändigen Lebensstil der Täter. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Studie „Wirtschaftkriminalität bei Banken und Versicherungen 2006“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers AG und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Unternehmen sollten sich bei der Bekämpfung von Wirtschaftsstraftaten nicht nur auf Kontroll- und Entdeckungsmaßnahmen verlassen, sondern müssen auf der Ebene der Bewusstseinsbildung und Vermittlung von Werten ansetzen. Hier haben Finanzdienstleister in Deutschland noch Nachholbedarf: Während 97 Prozent der befragten US-Unternehmen über ethische Richtlinien verfügen, sind es in Deutschland erst 63 Prozent. Der typische Wirtschaftskriminelle ist männlich (90 Prozent), zwischen 31 und 50 Jahre alt (65 Prozent), und hat Abitur oder studiert (61 Prozent). Auffällig ist, dass Mitarbeiter, die seit mehr als zehn Jahren bei einem Unternehmen beschäftigt sind, mit 43 Prozent die größte Tätergruppe bilden. Es wäre also falsch, langjährigen Mitarbeitern einen besonderen Vertrauensbonus zu schenken, schreiben die Autoren. Offenbar nutzen viele Täter die Zeit, um Schwachstellen in der Unternehmensorganisation zu auszunutzen. Andererseits können sich Unternehmen relativ einfach vor einem solchen Missbrauch schützen: Führungspersonal sollte des öfteren rotieren und mit wechselnden Aufgaben betreut werden, empfiehlt die Studie. Aufholbedarf bei der Vorbeugung von Wirtschaftsstraftaten Banken und Versicherungen hierzulande haben bei den Maßnahmen zur Vorbeugung von Wirtschaftsstraftaten noch einiges aufzuholen. Während sich in Nordamerika 83 Prozent der Mitarbeiter vor ihrer Einstellung einer Prüfung (Pre Employment Screening) unterziehen müssen, sind es in Deutschland erst 58 Prozent. Und immerhin 80 Prozent der befragten nordamerikanischen Unternehmen vertrauen bei der Vorbeugung und Früherkennung von Straftaten auf die Hilfe von Hinweisgebern (Whistleblower) – eine Methode, die sich als effizientes Instrument zur Aufdeckung von Korruption und Bestechung erwiesen hat. In Deutschland verfügen lediglich 32 Prozent der befragten Gesellschaften über ein derartiges System. Während knapp zwei Drittel der nordamerikanischen Finanzdienstleister ihre Hinweisgeber nach eigenen Angaben vor Repressalien schützen, sind es in Deutschland erst ein Drittel. Ein besserer Schutz der Hinweisgeber würde diesen Informationsweg erheblich attraktiver machen und das noch viel zu hohe Dunkelfeld deutlich aufhellen. Durch Wirtschaftskriminalität ist in den 240 deutschen befragten Finanzdienstleistern laut Studie in den Jahren 2003 und 2004 ein Schaden von mehr als 250 Millionen Euro entstanden. (13.11.2006)




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Dr. Stephan Pesch (CiW Wirtschaftsnachrichten)



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CATEGORIES: CiW Wirtschaftsnachrichten | german

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