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Transparenz im Umgang mit Geld


Wednesday, November 1st, 2006


PricewaterhouseCoopers fordert einheitliche Maßstäbe für transparente Berichterstattung von Spendenorganisationen. Ärzte ohne Grenzen für vorbildliche Darstellung der Mittelverwendung ausgezeichnet

Wie gemeinnützige Spendengelder verwendet werden, das ist durchaus Gegenstand des Öffentlichen Interesses. Wie die Mittelverwendung dargestellt und kommuniziert wird, dafür gibt es bisher keine verbindlichen Standards oder Regeln in Deutschland. Im Gegensatz zu Ländern wie Großbritannien oder der Schweiz. Mit einem sogenannten Transparenzpreis will die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) nach eigenen Angaben deutschen Organisationen Orientierungshilfen geben, indem es die besten Jahresberichte öffentlich auszeichnet. Den Transparenzpreis 2006 hat jetzt - wie schon im Vorjahr - die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen e.V. aus Berlin erhalten.

PricewaterhouseCoopers selbst meldete dazu in einer Pressemitteilung:

“Die Deutschen zeigen ungebrochen ihre Bereitschaft zur Hilfe: 2005 flossen aus privaten Geldbörsen rund drei Milliarden Euro an Spendenorganisationen, ca. 600 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Und die Tendenz steigt weiter. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die Hilfsorganisationen, die Verwendung der gespendeten Gelder transparent darzustellen. Verbindliche Standards oder Regeln wie für börsennotierte Unternehmen gibt es in Deutschland allerdings nicht - im Gegensatz zu Ländern wie Großbritannien oder der Schweiz. Mit dem Transparenzpreis will die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) deutschen Organisationen Orientierungshilfen geben, indem es die besten Jahresberichte öffentlich auszeichnet.

Den Transparenzpreis 2006 hat PwC heute der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen e.V. in Berlin verliehen, Platz 2 belegte die Deutsche Welthungerhilfe. Beide Organisationen konnten damit ihre Führungsposition aus dem Vorjahr verteidigen. Dritter wurde Kindernothilfe e.V., im Vorjahr noch Fünfter. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert.

PwC-Vorstandssprecher Hans Wagener: „PwC will mit dem Transparenzpreis Maßstäbe setzen. Der Spender hat das Recht zu erfahren, wie sein Geld eingesetzt wird. Dabei entscheidet nicht die Menge der Information, sondern deren Aussagekraft. Die Aussage ‚wir bauen Brunnen’ reicht dabei nicht aus. Wichtig wäre vielmehr, wie viele Brunnen für wie viel Geld in welchen Dörfern gebaut werden, um beispielsweise 10.000 Menschen den Zugang zu Wasser zu ermöglichen. Für eine transparente Berichterstattung benötigen die Organisationen in Deutschland Hilfestellung in Form verbindlicher und einheitlicher Vorgaben.

Keine Spendenempfehlung

Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Rechnungslegung und Prüfung von Prof. Dr. Lothar Schruff, Georg-August-Universität Göttingen, hat PwC einen Kriterienkatalog entwickelt, der speziell auf die Beurteilung der Jahresberichte von Spendenorganisationen zugeschnitten ist. Um eine repräsentative Marktabdeckung zu erreichen und die Seriosität der untersuchten Organisationen sicher zu stellen, beschränkten PwC und die Universität die Untersuchung auf die - gemessen am Spendeneinkommen - 50 größten deutschen Organisationen, die das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) tragen. Prof. Dr. Lothar Schruff: „Unsere Auszeichnung bezieht sich ausschließlich auf die Jahresberichte, nicht auf die Verwendung der Mittel. Wir verbinden damit ausdrücklich keine Spendenempfehlung. Alle von uns analysierten Organisationen haben sich der freiwilligen Prüfung durch das DZI unterzogen und tragen das entsprechende Spenden-Siegel. Insofern konnten wir davon ausgehen, dass alle Organisationen seriös arbeiten.“

41 der 50 untersuchten Organisationen konnten bewertet werden

Nach 33 Organisationen bei der Premiere des Transparenzpreises 2005 beteiligten sich in diesem Jahr 41 der nach Spendeneinkommen 50 größten Organisationen mit dem Spenden-siegel des DZI an der Untersuchung. Negativer Höhepunkt unter den Nicht-Teilnehmern war eine einzelne Aussage, keine Veranlassung für die Offenlegung der Informationen zu sehen, da das hohe Spendenaufkommen vom großen Vertrauen der Spender in die Arbeit der Organisation zeugten. Um die Chancengleichheit zwischen kleineren und großen Organisationen zu wahren, bezogen PwC und die Universität Göttingen nicht nur gedruckte Jahresberichte, sondern auch Internet-Darstellungen, Rundschreiben und Einzeldokumente in die Bewertung mit ein.

Gute Noten für Aufbau und Sprache, Strategie- und Ziel-Darstellung

Einen positiven Gesamteindruck hinterlassen die Berichte durch übersichtlichen Aufbau und Gestaltung, verständliche und nicht zu werbliche Sprache. Auch die Strategie der Organisationen, warum und auf welche Felder das Engagement konzentriert wird, kommt deutlich zum Ausdruck.

Finanzberichterstattung - fast nur Tops oder Flops

In nahezu zwei gleichstarke Lager teilt sich das Feld bei der finanziellen Berichterstattung: Zahlreichen sehr guten und befriedigenden Berichten über Herkunft und Verwendung der Gelder stehen nahezu ebenso viele gegenüber, die nur ausreichend und überhaupt nicht über diesen zentralen Punkt Bericht erstatten. Nur in jedem zweiten Jahresbericht fanden die Prüfer eine Bilanz. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Berichterstattung darüber, wie viele Mittel in die jeweiligen Projekte geflossen sind. Auch hier teilt sich das Feld nahezu in zwei Hälften, allerdings überwiegen hier mit 60/40 Prozent die besseren Beispiele.

Deutlicher Nachholbedarf bei der Auskunft zu Werbe- und Verwaltungsausgaben

Im Vergleich zur Vorjahresuntersuchung kaum Boden gutgemacht haben die Organisationen in den Feldern nichtfinanzielle Berichterstattung und zukunftsbezogene Informationen. Keine Organisation erreichte beim Einblick in Kosten und Nutzen von Werbeausgaben die Bewertung “sehr gut”, keinerlei Informationen zu diesem Thema gaben 34 Prozent der Organisationen. Immerhin 7 Prozent erzielten ein “sehr gut”, wenn es um Einblicke in Kosten und Nutzen von Verwaltungsausgaben ging, 46 Prozent machten hierzu keine Angaben. Fast gänzlich ausgeblendet wurden noch immer Auskünfte zu geplanten Projekten in den kommenden zwölf Monaten, obwohl unter den besten zehn Organisationen hierzu positive Ausnahmen auffielen.

Top 10 setzen sich deutlich vom Hauptfeld ab

Während sich die besten zehn Jahresberichte deutlich vom Rest absetzen konnten - alle liegen bei der Zielerreichung über guten 50 Prozent - fiel die Ermittlung der drei Preisträger knapp aus. Die Jury entschied sich jedoch einvernehmlich für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen e.V.. PwC-Vorstandssprecher Hans Wagener: “Die im zweiten Jahr in Folge ausgezeichnete Berichterstattung von Ärzte ohne Grenzen e.V. zeigt, welch großes Transparenz-Potenzial in der Berichterstattung des gesamten Sektors schlummert. Aber: Selbst bei der Nummer eins gibt es noch Bereiche, die weiter verbessert werden können.”

Erfreulich: Trotz vereinzelter Verschlechterungen um wenige Plätze beobachteten PwC und Universität im Durchschnitt eine Verbesserung zum Vorjahr. Von theoretisch erreichbaren 100 Prozent erreichte der Sieger den sehr guten Wert von 70 Prozent. Die zehn bestplatzierten Jahresberichte lagen alle über 50 Prozent. Das Mittelfeld zwischen 40 und 47 Prozent erreichten 14 Jahresberichte, jeweils acht lagen zwischen 30 und 39 Prozent bzw. zwischen 20 und 29 Prozent. Nur ein Jahresbericht erreichte weniger als 20 Prozent. Zahlreiche Organisationen gaben bereits im Vorfeld der Analyse an, wegen der umfangreichen Vorbereitungen zu einem Jahresbericht die Anregungen für eine transparentere Berichterstattung erst im kommenden Jahr umsetzen zu können. Die Jury mit Prof. Dr. h.c. Dieter Stolte, ehemaliger Intendant des ZDF, Prof. Dr. Manfred Erhardt, Generalsekretär i.R. des Stifterverbandes der deutschen Wissenschaft, Prof. Dr. Lothar Schruff, Georg-August-Universität Göttingen/Lehrstuhl für Rechungslegung und Prüfung und Hans Wagener, Sprecher des Vorstands von PwC, wählte die Deutsche Welthungerhilfe e.V. auf den zweiten Platz und die Kindernothilfe e.V. auf Rang 3. Ohne Preis, aber mit einer gesonderten lobenden Erwähnung für den besten Aufsteiger, blieb der Deutsche Caritasverband e.V. auf Platz 4, dessen Jahresbericht sich im Vergleich zum Vorjahr erheblich verbessern konnte.

Top 10 der ausgezeichneten Spendenorganisationen 2006

1. Ärzte ohne Grenzen e.V.
2. Deutsche Welthungerhilfe e.V.
3. Kindernothilfe e.V.
4. Deutscher Caritasverband e.V.
5. Christoffel-Blindenmission Deutschland e.V
6. Brot für die Welt / Diakonie Katastrophenhilfe
7. Care International Deutschland e.V.
8. Deutsche Stiftung für UNO-Flüchtlingshilfe e.V.
9. Terre des hommes Deutschland e.V.
10. Plan International Deutschland e.V.

Weitere Informationen zum Kriterienkatalog des Transparenzpreises 2006 von PricewaterhouseCoopers finden Sie hier.




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Robin Keppel (CSR NEWS)

Robin Keppel is editor at CSR NEWS.

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