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Corporate Volunteering und Sozialpraktika - kritische Beobachtungen aus der Praxis
Posted By Achim Halfmann (CSR NEWS) On October 17, 2006 @ 12:15 am In +german, editor's news | Comments Disabled
„Firmen suchen starke Teamarbeiter - Fachwissen allein genügt heute nicht mehr als Qualifikation für Spitzenmanager. Sie sollen bei der Arbeit auch so-ziale Kompetenz zeigen“, so titelte kürzlich die Financial Times Deutschland. Kann Corporate Volunteering das neue „Wundermittel“ zur Entwicklung der ge-forderten soft skills sein?
Führungskräfte im Hospiz, im Kindergarten, beim Verkauf von Zeitungen auf der Straße – fördern solche Einsätze wichtige und im Arbeitsalltag dringend benö-tigte Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen, Teamfähigkeit, Kooperations- und Konfliktlösungsverhalten?
Corporate Volunteering – ursprünglich die Förderung von freiwilligem Engage-ment von Mitarbeiter(inne)n außerhalb der Arbeitszeit durch die Bereitstel-lung von Ressourcen seitens des Unternehmens – wird mehr und mehr als Methode der Personalentwicklung eingesetzt. Leistung und Motivation der Mitarbei-ter(innen) soll durch Personalentwicklung erhalten bzw. im Idealfall gestei-gert werden. In den vergangenen Jahren geht der Trend weg vom Lernen im künstlichen Raum hin zu Praktika im wahren Leben.
Die bekannteste Projektform des Corporate Volunteering ist das sog. Sozial-praktikum. Kennzeichnend für den – im Regelfall fünftägigen – Einsatz, ist der unmittelbare Kontakt zu Zielgruppen der sozialen Arbeit. Teilnehmende Mitarbeiter(innen) und Führungskräfte aus Unternehmen arbeiten in sozialen Einrichtungen mit. Die Spannbreite der möglichen Tätigkeitsfelder ist sehr groß. Die Sozialpraktikanten helfen sowohl in stationären Einrichtungen (Al-tenpflege, Hospize, Behindertenwohnheime, Psychiatrie, etc.), als auch bei offenen Angeboten (Beratungsstellen, Bahnhofsmission, Wohnungslosenhilfe, etc.) mit. Dadurch soll emotionales Lernen ermöglicht und die sozialen und kommunikativen Kompetenzen erweitert werden.
Doch wie sieht die Realität aus? Verändern fünf Tage nachhaltig jahrelang an-geeignete Verhaltensweisen?
„Es stärkt die Sensibilität, im Umgang mit den Mitarbeitern hier im Unterneh-men. Doch glaube ich nicht, dass die Einsatzwoche einen Menschen grundlegend verändern kann. Für mich war es eine positive Erfahrung“ berichtet Wilhelm Lindenberg, Arbeitsdirektor und Vorstandsmitglied der üstra Hannoversche Ver-kehrsbetriebe AG. Lindenberg nahm im Herbst 2002 am Projekt der Arbeitsge-meinschaft Diakonie Hannover Stadt „Altera – die andere Seite“ teil. Während seiner Einsatzwoche arbeitete er bei ‚Asphalt’, dem Hannoveraner Straßenmaga-zin, mit.
Bislang gibt es keine wissenschaftliche Untersuchung, inwiefern sich sozialen Kompetenzen der teilnehmenden Mitarbeiter(innen) weiterentwickeln oder sich der Einsatz auf den Arbeitsalltag auswirkt. Insa Becker-Wook, Projektkoordi-natorin von Altera, vermutet hinsichtlich des Projektes primär eine Übertra-gung des Erlebten in das alltägliche Leben und erst sekundär Folgen des Ein-satzes für das Berufsleben.
Sozialpraktika forcieren das Lernen in natürlichen Lebenswelten innerhalb ei-ner (Arbeits-) Woche. Während dieser Zeit ist es möglich, einen Einblick in die Lebenslage der Zielgruppe und die Arbeitswelt der Mitarbeiter(innen) in der sozialen Einrichtung zu bekommen. Jedoch schließe ich mich Herrn Linden-berg an, welcher bezweifelt, dass solch eine kurze Zeitspanne nachhaltige Veränderungen im Verhalten hervorrufen kann. Eine längere zeitliche Spanne des Einsatzes würde den Teilnehmer(inne)n mehr als nur einen Einblick ver-schaffen. Nach dem anfänglichen Kennenlernen des Handlungsfeldes und der Ad-ressaten der Sozielan Arbeit könnten sie sich aktiv und selbstständig am rea-len Geschehen beteiligen. Langfristige Corporate Volunteering Projekte können meines Erachtens – immer unter der Voraussetzung der Freiwilligkeit der Teil-nahme sowie einer intensiven Vorbereitung, Begleitung bzw. Nachbereitung – grundlegende Veränderungen des sozialen Verhaltens hervorrufen. Die Transfer-leistung der gesammelten Erfahrungen in den (Arbeits-) Alltag liegt aller-dings immer in der Verantwortung des Einzelnen.
Marlene Walk
Über die Autorin:
Marlene Walk, Jahrgang 1981, Diplom-Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin (FH), Diplomarbeit (2004): Corporate Volunteering – eine kritische Analyse unter besonderer Be-rücksichtigung von Zielgruppen in der Sozialen Arbeit. Seit WS 2006/07 Stu-dentin im Masterprogramm „Management in Non-Profit-Organisationen“ an der Fachhochschule Osnabrück.
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