Neuss > Zu einer Stellungnahme zur Diskussion um die so genannten “Killerspiele” hat eine Veröffentlichung des niedersächsischen Kriminologen Prof. Christian Pfeiffer den Verband der Internetcafés Deutschland e.V. (VICD) herausgefordert.
Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Instituts Niedersachsen, stellte fest: Es bestehen Wirkungszusammenhänge zwischen übermäßigem Computerspielen und der schulischen und sozialen Entwicklungen bei Kindern und Jugendlichen. Weil für Kinder und Jugendliche eine Vielzahl an Kanälen bereitsteht, über die solche Software bezogen werden kann, stellt der Wissenschaftler die Funktionsfähigkeit des deutschen Jugendschutzsystems in Frage - die Selbstkontrolle von Spieleherstellern und -Vertrieben auf der einen Seite und der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf der anderen Seite
Die Kritik bekommen auch die Internet-Cafés zu spüren, deren Verband VICD jetzt feststellt: Der deutsche Jugendschutz funktioniert. Die Betreiber von Internet-Cafés würden gut kontrolliert, und Behörden würden auf Verstöße empfindlich und mit drakonischen Maßnahmen reagieren.
“Kanäle, über die solche Medien verbreitet werden sind ebenso vielfältig, wie nicht kontrollierbar. Insofern kann diesem Problem logischerweise nur durch Aufklärung begegnet werden”, betont Gerrit Schwecke für den Verband und fügt hinzu: “Nachgewiesene positive Aspekte des Computerspielens werden meistens einseitiger Weise nicht betont.”
Zudem zeige die Erfahrung der Internet-Cafés, dass solche Spiele eher selten in der Öffentlichkeit gespielt würden, sondern vorwiegend in den eigenen vier Wänden. Die Konsumenten der Killerspiele seien zudem überwiegend erwachsene Bürger. Und aus existentiellem Eigeninteresse angesichts der harten Kontrollen hätten sich viele Internetcafe-Betreiber bereits dazu entschlossen, Jugendlichen und Kindern den Einlass grundsätzlich zu verwehren. In seiner Stellungnahme wendet sich der VICD gegen die “Kriminalisierung einer Freizeit- und Sportbewegung (der sogenannte ESport), die über eine weltweit millionenfache Anhängerschaft verfügt”.
Während der Verband einerseits die Folgerungen aus den wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Killerspielen kritisiert und auf die gesellschaftlichen und sozialen Hintergründe des Problems verweist, vergibt er andererseits eine wichtige Chance: nämlich im Sinne guter Corporate Citizenship aufzuzeigen, welchen Beitrag möglicherweise Internet-Cafés zur Medienerziehung leisten könnten. “Die Internet-Cafés können den von der Politik übertragenen Auftrag zur Medienerziehung nach dieser verunsichernden Debatte nicht mehr wahrnehmen, weil sie nicht gelassen werden”, meint Gerrit Schwecke dazu.