Das konventionelle Verständnis von Führung und Organisation eines Unternehmens ist ihm fremd. Mit der Frage “Halte ich meine Mitarbeiter für Tiere oder wirklich für Menschen?” bringt Götz Werner, Chef der Drogeriemarktkette dm, im Interview mit der Wirtschaftswoche (Ausgabe 40/2006) seinen ungewöhnlichen Führungsstil auf den Punkt. Mitarbeiter müssten gar nicht so sehr motiviert werden. Es sei eine Frage des Menschenbildes, “ob ich meine Leute für determinierte Reiz-Reaktionswesen halte oder für Menschen, die sich entwickeln wollen und entwickeln können?”, so Werner gegenüber dem Magazin.
Ihm komme es vor allem auf das Verständnis von Arbeit an. “Ich sehe sie nicht primär als Einkommensquelle, sondern als Quelle von Sinn.” Angestellte sollten den Sinn vor allem in ihrer Arbeit am Kunden entdecken und nicht im Erreichen persönlicher Ziele. Sie sollten sich fragen, ob der Kunde mit dem, was sie tun würden, etwas anfangen könne, und ob sie seine Bedürfnisse besser als andere befriedigen würden.
Ausgeklügelte Belohnungssysteme würden den Einzelnen immer wieder zurück in die Selbstversorgung und in den Egoismus führen. Daher gebe es bei dm weder Prämien noch sonstige Anreizsysteme. Die Unternehmenskultur von dm sei sehr stark auf Zusammenarbeit ausgerichtet. Ein Anreizsystem, das den Einzelnen belohne, würde diese Kultur ruinieren, meint Werner. Das Nur-für-sich-Arbeiten der Mitarbeiter sei ein Grundproblem vieler Unternehmen. Wirtschaft heiße für ihn als Erstes, miteinander füreinander leisten.
Dabei setzt Werner auf die Eigeninitiative und Eigenverantwortung der Mitarbeiter. Diese sollten so wenig wie möglich an ihren Vorgesetzten und möglichst viel an die Kunden denken. Er halte es mit dem Freiherrn von Stein, der gesagt habe, dass Zutrauen den Menschen veredeln würde. Wenn dies zur Grundhaltung im Unternehmen würde, könne man erleben, wie sich die Einstellung vom Sollen zum Wollen ändert. (spe|06.10.2006)